Umwelt

Forscher: Effekt von Diesel-Fahrverboten völlig überschätzt

Diesel-Fahrzeuge tragen zur Umweltbelastung in unseren Städten bei. Umstritten ist, was Fahrverbote bewirken können.

Diesel-Fahrzeuge tragen zur Umweltbelastung in unseren Städten bei. Umstritten ist, was Fahrverbote bewirken können.

Düsseldorf.   Das drohende Diesel-Fahrverbot hat im Ruhrgebiet für Zündstoff gesorgt. Jetzt behaupten Forscher: Ein Verbot bewirkt viel weniger als erwartet.

Forscher der Universität Duisburg-Essen haben grundsätzliche Zweifel an der Wirksamkeit von Diesel-Fahrverboten angemeldet. „Es spricht einiges dafür, dass die Diesel-Fahrverbote deutlich weniger bewirken als immer behauptet“, heißt es in einer neuen Studie des CAR-Instituts des bekannten „Auto-Professors“ Ferdinand Dudenhöffer.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat bislang argumentiert, dass gut 70 Prozent der Stickstoffdioxid-Belastungen durch Diesel-Autos verursacht würden. Die Verwaltungsgerichte waren dieser Argumentation bislang weitgehend gefolgt. In mehreren Städten an Rhein und Ruhr und auch auf einem Teilabschnitt der A40 in Essen drohen Diesel-Fahrverbote. Zurzeit werden entsprechende Urteile von der NRW-Landesregierung noch juristisch angefochten.

„Die Behörden stochern im Nebel“

Die CAR-Untersuchung habe ergeben, dass bei 59 Prozent aller deutschen Messstationen mit Grenzwertüberschreitungen kein Online-Zugriff auf die Ergebnisse und somit keine permanente Überprüfung der Wirksamkeit von Luftqualitätsmaßnahmen möglich sei. „Verbesserungen können systematisch nur dann erzielt werden, wenn die Wirkung der Maßnahmen auch zeitnah kontrolliert werden kann“, heißt es. Die Erfahrungen mit Fahrverboten etwa in Hamburg seien enttäuschend: Die Konzentration an Stickstoffdioxid habe sich teilweise sogar erhöht. Auch die Wirkung von Tempo 30-Zonen oder umgerüsteten Bussen sei „überschaubar“.

„Die Behörden stochern im Nebel, obwohl es bei Fahrverboten um viel volkswirtschaftliches Vermögen und die Mobilität in Großstädten geht“, kritisiert Dudenhöffer. Nach Prognose der Forscher kann man in den extrem belasteten Gebieten frühestens im Jahr 2024 den EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft einhalten. Der Effekt von Fahrverboten werde völlig überschätzt.

Umweltministerium: Es zählt der Jahreswert

In Nordrhein-Westfalen gibt es insgesamt 134 Messstellen. Nur bei 59 von ihnen können die Ergebnisse stündlich abgerufen werden. Bei den übrigen werden mittlere Monatsbelastungen ermittelt.

Ein Sprecher des Umweltministeriums erklärte, rechtlich bedeutend sei allein der Jahresmittelwert an Stickstoffdioxid-Konzentration: Die Beurteilung von Maßnahmen sei nur dann aussagekräftig, wenn sie über ein volles Kalenderjahr wirken könnten.

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