Künstliche Intelligenz

Gehört die Zukunft der Mensch-Maschine?

Ist das die Zukunft in der Pflege? Ein neuer Pflegeroboter wird auf einer Messe in Japan präsentiert.

Ist das die Zukunft in der Pflege? Ein neuer Pflegeroboter wird auf einer Messe in Japan präsentiert.

Foto: Getty Images

Essen.  Wie werden wir leben, arbeiten, fahren und lieben? Beim Essener Wissenschaftssommer 2019 geht es um das Zukunftsthema Künstliche Intelligenz.

Im Smartphone, in modernen Autos, in der Amazon-Werbung, in Internet-Suchmaschinen oder in der Krebsdiagnostik – überall ist heute Künstliche Intelligenz (KI) am Werk, ohne dass wir es bemerken. Und dies ist erst der Beginn einer revolutionären Entwicklung. Experten sind sich sicher, dass Künstliche Intelligenz unser Leben und die Arbeitswelt verändern wird, wie keine andere Technologie zuvor. Nur: Wohin die Reise geht, ist noch völlig offen. Es gibt große Chancen, aber auch Risiken.

Den Fragen rund um das Zukunftsthema Künstliche Intelligenz widmet sich der dritte Essener Wissenschaftssommer ab 13. Juni vier Wochen lang mit zahlreichen Veranstaltungen und Experten. Das Themenspektrum reicht von Künstlicher Intelligenz in der Mobilität von Morgen, über KI in der Medizin oder in der Produktion bis hin zu ethischen Fragen, wie etwa die neuartige Technologie unser Leben, unsere Arbeit und unsere Vorstellungen von Beziehungen verändern könnte.

Roboter operieren präziser

Die Einsatzgebiete von KI sind vielfältig. So ruhen beispielsweise in Medizin und Pflege große Hoffnungen auf den Einsatz von Robotik und KI. Roboter können bereits heute bestimmte Operationsabschnitte – etwa im Tausendstel-Millimeter-Bereich – wesentlich präziser ausführen als ein Chirurg. In Gewebeproben erkennen Computersysteme dank Künstlicher Intelligenz Krebs. Auch in der Analyse von Röntgenbildern, der Wirkungsforschung von Medikamenten oder der Suche nach Viren in kleinsten Proben helfen smarte Computersysteme. In der Pflege werden robotergesteuerte Systeme immer mehr Aufgaben am Patienten übernehmen. Dies ist beispielhaft ein Thema beim Essener Wissenschaftssommer.

Der offizielle Auftakt am 13. Juni in der Philharmonie Essen steht unter dem Motto „Inside the Black Box – Wie Künstliche Intelligenz unser Leben verändert“. Namhafte Experten werden über die Chancen und Risiken dieser Technologie diskutieren. „Um die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Essen weiter voranzutreiben, müssen wir die vor Ort ansässigen Unternehmen und wissenschaftlichen Institutionen noch stärker miteinander vernetzen“, betonte Andre Boschem, Geschäftsführer der Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft, die den alle zwei Jahre stattfindenden Wissenschaftssommer organisiert. Damit zeige die Stadt ihr Potenzial und bringen „den Megatrend Künstliche Intelligenz“ den Menschen näher, so Boschem.

Mobilitätssysteme statt eigenem Auto

Gregor Schiele, Professor für eingebettete Systeme und Direktor am CAR-Institut der Uni Duisburg-Essen, ist überzeugt, dass KI unsere Vorstellungen von Mobilität revolutionieren wird. Doch der Weg zu einem vollständig selbstfahrenden Auto sei noch weit, sagt Schiele, der ebenfalls bei der Auftaktveranstaltung auf dem Podium sitzen wird. „Das Auto, das in jeder Situation ohne Eingriff des Fahrers autonom entscheidet, ist noch Zukunftsmusik.“

Denkbar seien indes neuartige Mobilitätskonzepte. Zum Beispiel ein Leihwagen, der am Flughafen automatisch vorgefahren kommt, wenn der Fluggast gelandet ist und ihn zu seinem Ziel bringt. „Das wird in naher Zukunft möglich sein“, sagt Schiele.

Ebenfalls seien kombinierte Systeme zwischen ÖPNV und Auto realistisch, bei denen ein Robo-Taxi den Fahrgast zu einer Haltestelle oder zu einem Bahnhof bringt und dann die nächste Person das Fahrzeug nutzt. Künstliche Intelligenz könne auch den Verkehr in der Städten effektiver steuern, in dem sie Autos um Staus herumleitet oder bei plötzlich steigendem Bedarf mehr Busse oder Bahnen anfordert, meint der Mobilitätsexperte.

Die Verantwortung bleibt beim Menschen

„Doch Künstliche Intelligenz ist nicht intelligent“, warnt Schiele vor einem Missverständnis. Das System analysiert Daten und erkennt Muster oder Zusammenhänge mit Hilfe komplexer Algorithmen, aber es denke nicht. Die Schlüsse aus den Ergebnissen müsse immer noch der Mensch ziehen, ob in einem Betrieb oder in einem Operationssaal. Sorge bereite ihm daher weniger ein möglicher Missbrauch der Technik, Hackerangriffe oder Überwachung. „Ich habe eher die Sorge, dass wir KI überschätzen und uns zu sehr darauf verlassen.“ Das System verleite dazu, die Verantwortung für Entscheidungen an die Maschine abzugeben. „KI ist ein tolles Werkzeug“, sagt Schiele. „Nicht mehr und nicht weniger.“

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