Fachkräftemangel

Nach Brexit: NRW soll um polnische Pfleger kämpfen

In Großbritannien arbeiten viele Fachkräfte aus Polen, die in NRW dringend gebraucht werden. Lassen sie sich nach dem Brexit locken? Die SPD-Opposition im Landtag fordert größere Anstrengungen.

In Großbritannien arbeiten viele Fachkräfte aus Polen, die in NRW dringend gebraucht werden. Lassen sie sich nach dem Brexit locken? Die SPD-Opposition im Landtag fordert größere Anstrengungen.

Foto: Oliver Berg / dpa-tmn

Düsseldorf.  Ist NRW für polnische Fachkräfte auf der Insel nach dem Brexit attraktiv? Die SPD-Opposition im Landtag fordert eine Anwerbekampagne.

Wenn Großbritannien zum 31. Januar aus der Europäischen Union (EU) austritt, bricht für rund eine Million polnische Staatsbürger auf der Insel eine Phase der Unsicherheit an. Sie sind die größte Gruppe der EU-Ausländer, die dort arbeiten. Tausende allein im Gesundheits- und Pflegebereich. Deshalb fordert jetzt die SPD-Opposition im Landtag von der Landesregierung eine beherzte Anwerbekampagne, um möglichst viele von ihnen nach NRW zu locken.

„Wir müssen die Brücke über den Ärmelkanal für polnische Fachkräfte proaktiv bauen“, fordert SPD-Gesundheitsexperte Josef Neumann. Statt wie zuletzt von der Bundesregierung angestoßen in Mexiko und Asien nach Pflegern zu suchen, solle man sich zunächst um die „mobile Elite“ in Polen bemühen. Es gebe in NRW eine hervorragende Infrastruktur für Polen, sagt Neumann, der selbst polnische Wurzeln hat. An Rhein und Ruhr leben etwa 225.000 polnische Staatsbürger und rund 650.000 Polnischstämmige.

Allein in NRW fehlen 20.000 Fachkräfte im Gesundheits- und Pflegebereich

Der Bedarf wäre da. In NRW fehlen im Gesundheits- und Pflegebereich rund 20.000 Fachkräfte. Die in Großbritannien lebenden Polen müssen zwar nicht sofort das Land verlassen. In einer Übergangsphase nach dem Brexit sollen mindestens bis Ende 2020, möglicherweise aber auch bis 2022, die bisherigen Freizügigkeitsregeln für EU-Bürger weiter gelten. SPD-Politiker Neumann glaubt jedoch, dass sie gerade jetzt für einen Wechsel nach NRW ansprechbar wären. „Wer Kinder hat, will Planungssicherheit für die Familie haben.“

Die Opposition wirft der Landesregierung Zögerlichkeit vor: „Der Gesundheitsminister erkennt die Chance nicht“, kritisiert Neumann. Vom Brexit-Beauftragten der Landesregierung, Friedrich Merz, sei in solch praktischen Fragen nichts zu hören.

Uniklinik Düsseldorf warb bereits auf eigene Faust um polnische Pfleger

Das Universitätsklinikum Düsseldorf hatte sich bereits auf eigene Faust Anfang des vergangenen Jahres entschieden, um polnische Fachkräfte von der Insel zu werben. Der hiesige Pflege-Markt sei schlicht „leer gefegt“, so ein Sprecher der Klinik. Zwei Anzeigen wurden in polnischsprachigen Wochenzeitschriften geschaltet, die in Großbritannien erscheinen. Die Besonderheit: Die Inserate wurden in Deutsch abgefasst, um eine besonders geeignete Zielgruppe anzusprechen. „Viele Polen können bereits Deutsch, da dies als Schulfach in Polen bereits lange etabliert ist“, so der Sprecher. Es seien zwar keine konkreten Arbeitsverträge mit polnischen Pflegekräften entstanden, weil nur wenige Bewerbungen eingingen und bei den raren Interessenten Sprachkenntnisse und fachliche Qualifikationen fehlten. Damals sei der Brexit aber auch noch ungewiss gewesen.

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