Düsseldorf.

NRW prüft eigenen Beauftragten gegen Kindesmissbrauch

Nach den schweren Missbrauchsfällen in den letzten Wochen in NRW, prüft die Landesregierung, ob ein Beauftragter gegen Kindesmissbrauch nötig ist.

Nach den schweren Missbrauchsfällen in den letzten Wochen in NRW, prüft die Landesregierung, ob ein Beauftragter gegen Kindesmissbrauch nötig ist.

Foto: Patrick Pleul

Düsseldorf.   Nach den schweren Missbrauchsfällen in Lügde will die Landesregierung prüfen, ob sie einen Beauftragten gegen Kindesmissbrauch einstellt.

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Nach den schweren Missbrauchsfällen in Lügde und anderen Städten prüft die nordrhein-westfälische Regierung, ob ein Beauftragter gegen Kindesmissbrauch auf Landesebene nötig ist. NRW-Kinder- und Jugendminister Joachim Stamp (FDP) stehe dem offen gegenüber, teilte das Ministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Düsseldorf mit.

Vorstellbar wäre ein Beauftragter ebenso wie eine Kommission zur Prävention sexualisierter Gewalt gegen Minderjährige. Die Entscheidung werde im Rahmen eines Gesamtkonzepts für einen effektiveren Schutz von Kindern getroffen.

Der Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, hatte zuvor bereits mehrfach an die Länder appelliert, solche Stellen zu schaffen - zuletzt nach Bekanntwerden des massenhaften Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz im lippischen Lügde.

Kinderministerium sieht Jugendamt in der Pflicht

Aus Sicht des nordrhein-westfälischen Kinderministeriums können Missbrauchsbeauftragte die vielfältigen Strukturen des Kinderschutzes nicht ersetzen. Konkret stünden hier Jugendämter, Kitas, Schulen, Vereine und weitere Akteure vor Ort in der Verantwortung. Innerhalb eines guten Gesamtkonzepts könnten Beauftragte aber ein Baustein bei der Missbrauchsprävention sein.

«Sexualisierte Gewalt ist bisher noch stark tabuisiert, was ihre Aufdeckung und Verfolgung, aber auch Hilfe für die Opfer erschwert», betonte Stamp. Daher leiste der Beauftragte des Bundes bereits «einen wichtigen Beitrag, den Skandal der sexualisierten Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in das breite gesellschaftliche Bewusstsein zu heben».

Landesregierung prüft Kinderschutz

Die Landesregierung habe begonnen, die Verfahren und Abläufe im Kinderschutz auf den Prüfstand zu stellen. Dabei gehe es um mögliche strukturelle, personelle, organisatorische und fachliche Defizite, mehr spezialisierte Beratungsangebote und Qualifizierung der Fachkräfte, um sexuelle Gewalt gegen Kinder sowie typische Täterstrategien besser zu erkennen.

Nach Angaben des Ministeriums fördert das Land in NRW insgesamt 25 spezialisierte Beratungsstellen gegen Misshandlungen, Vernachlässigung und sexuellen Missbrauch mit über einer Million Euro pro Jahr. (dpa)

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