Serie: Grüne Zukunft Ruhr

Radwege sollen alle Städte des Ruhrgebiets verbinden

Der gemeinsame Weg für Radfahrer und Fußgänger in Mülheim an der Ruhr führt vom Hauptbahnhof zur Hochschule Ruhr West (HRW).

Der gemeinsame Weg für Radfahrer und Fußgänger in Mülheim an der Ruhr führt vom Hauptbahnhof zur Hochschule Ruhr West (HRW).

Foto: Martin Möller / Funke Foto Services

Essen.  RVR plant Radwegenetz für Alltagspendler. Es soll alle Ruhrgebiets-Städte miteinander verbinden. Bis zur Umsetzung werden noch Jahre vergehen.

120 Kilometer von Xanten bis nach Hamm. Vom obersten Zipfel des Ruhrgebiets bis nach Breckerfeld im Süden. In Zukunft soll sich über das gesamte Ruhrgebiet ein Netz aus Radwegen erstrecken. 1803 Kilometer lang soll es werden, 657 Millionen Euro kosten. Nur wann es soweit sein wird, darüber möchte der Regionalverband Ruhr (RVR) noch keine Angaben machen. „Das steht noch in den Sternen“, sagt Maria Wagener, Leiterin des Referats Regionalentwicklung.

Das Ziel aber ist schon klar: Vernetzte Mobilität im Ruhrgebiet. Alle Städte der Region sollen über Radwege miteinander verbunden sein. „Das braucht ganz viel Kraft und viele Menschen, die sich dahinter stellen“, sagt Wagener. Seit Ende 2016 arbeitet der RVR – gemeinsam mit Vertretern aller 53 Kommunen – an dem Konzept zur Weiterentwicklung des regionalen Radwegenetzes. Bei diesem Ansatz konzentriert sich der RVR nicht – wie bisher – auf das Freizeitnetz: „Wir haben uns überlegt, wie ein Radwegenetz für den Alltag konzipiert sein müsste“, erklärt Maria Wagener. Über dieses Netz sollen künftig viele Pendler mit dem Rad zur Arbeit fahren können.

Einen Teil zum grünen Ruhrgebiet beitragen

„Uns ist bewusst, dass das nicht alle Probleme löst. Aber wir können so sicherlich einen Teil zur Minderung der CO2-Emissionen beitragen“, hofft Thomas Pott, Leiter des Teams Mobilität. Und genau das soll jetzt auch getestet werden. Der RVR möchte nun einen Gutachter beauftragen, um festzustellen, welchen Beitrag ein solches Radwegenetz zur CO2-Minderung beitragen würde. „Die Ergebnisse könnten uns natürlich auch Argumente liefern, wenn es um die Beschaffung von Fördermitteln geht“, meint Maria Wagener.

Gemeinschaftsprojekt aller Kommunen

Thomas Pott hält bei der Umsetzung des Projekts einen Aspekt für besonders wichtig – die Kooperationsbereitschaft der Städte: „Ich habe es noch nie erlebt, dass die Kommunen über alle Stadtgrenzen hinweg so eng miteinander zusammengearbeitet haben.“ Gestartet wurde das Vorhaben mit der Festlegung von Leitzielen. Zum Beispiel sollen starke Wirtschaftsstandorte in die Planung mit einbezogen werden sowie der Radwegeplan stadt- und umweltverträglich gestaltet werden.

Auf Grundlage verschiedener Berechnungen und Potenzialanalysen hat der Arbeitskreis zu Beginn des letzten Jahres ein Radwegenetz erarbeitet und dieses den Kommunen vorgestellt. Ein halbes Jahr hatten die Kommunen anschließend Zeit, dieses Netz für ihre Region zu analysieren und Änderungswünsche zu äußern.

Am 28. Juni dieses Jahres wurde das Konzept in der Verbandsversammlung verabschiedet. „Damit hat uns die Politik gleichzeitig beauftragt, Fördertöpfe ausfindig zu machen und die Umsetzung des Projekts voranzutreiben“, erklärt Maria Wagener.

Verbesserung der Lebensqualität

Sie sieht in dem Konzept auch eine große Chance, den Raum links und rechts der Radwege zu entwickeln. „Wir glauben, dass sich damit auch die Lebensqualität verbessert und die Luft besser wird. Die Städte können Plätze anders nutzen für Spielräume oder Gärten.“ Als Beispiel nennt sie hier den Radschnellweg am Niederfeldsee in Essen. Das sei ein Stadtteil mit erhöhtem Erneuerungsbedarf gewesen, „und jetzt ist der Stadtteil stark nachgefragt, seitdem der Radschnellweg da entlangläuft“.

Allerdings stellt die Referatsleiterin noch etwas fest: Die Städte müssten das neue Mobilitätskonzept wollen und sich der Veränderungen bewusst sein, sagt sie. Zum Beispiel müssten die Kommunen mit dem neuen Radwegenetz auch die Parkplatzsituationen in den Städten überdenken. So müsste künftig das Fahrrad in den Innenstädten vor dem Auto Vorrang haben und die Parkplätze könnten teurer werden. „In anderen Regionen ist es selbstverständlich, dass man viel Geld für einen Parkplatz zahlt und statt des Autos das Fahrrad neben der Haustür steht.“

Zeitpunkt der Umsetzung ungewiss

Es brauche sehr viele begleitende Maßnahmen, „wenn man möchte, dass das Fahrrad als gleichwertiger Verkehrsträger in der Region ankommt.“ Bis zur Umsetzung des Projekts müssten noch viele Dinge in Gang gebracht werden: Planfeststellungsverfahren, Umweltverträglichkeitsprüfungen, naturschutzfachliche Fragen… „Es gibt so viele rechtliche Vorgaben“, meint Wagener. Bis die Bewohner der Metropolregion Ruhr wirklich etwas von dem neuen Alltagsradnetzes sehen können, „dauert es bestimmt noch einige Jahre.“

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