Landarztquote

NRW öffnet Weg ins Landarzt-Studium – so bewirbt man sich

Landärzte gesucht: NRW führt ein neues Angebot für Medizinstudenten ein.

Landärzte gesucht: NRW führt ein neues Angebot für Medizinstudenten ein.

Foto: Oliver Berg/dpa

Düsseldorf.   NRW sucht Landärzte – und öffnet den Weg ins Studium. Bei der Auswahl ist die Abinote nur ein Faktor. Hier die wichtigsten Infos für Bewerber.

NRW startet als erstes Bundesland zum kommenden Wintersemester mit der Landarztquote. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) rechnet mit vielen Bewerbern, weil die Nachfrage nach einem Medizinstudium erfahrungsgemäß groß sei. Er stellte am Dienstag erstmals die Details des neuen Landarztgesetzes vor, zu dem der Landtag schon im Dezember seine Zustimmung gab. In jedem Jahr stehen 170 Studienplätze zur Verfügung. Besonders interessant: Bei der Auswahl der Bewerber zählt nicht mehr allein die Abiturnote.

Warum eine Landarztquote?

Besonders auf dem Land arbeiten immer weniger Hausärzte. Etwa 400 dieser Mediziner scheiden jedes Jahr aus, nur 200 Fachärzte für Allgemeinmedizin rücken nach. Etwa die Hälfte der rund 11.500 Hausärzte sind älter als 55 Jahre. „Wir haben die moralische Verpflichtung, genügend Mediziner im eigenen Land auszubilden“, sagte Minister Laumann. Allein 2018 seien in NRW 1500 ausländische Ärzte anerkannt worden. Das verschärfe den Ärztemangel in den Herkunftsländern.

Was wird von den Bewerbern erwartet?

Studenten, die im Rahmen der Landarztquote ein Medizinstudium beginnen, verpflichten sich vertraglich, nach der Ausbildung zehn Jahre lang als Hausarzt in einer ärztlich „unterversorgten Region“ zu arbeiten. Bei Vertragsbruch werden 250.000 Euro Strafe fällig – die Kosten eines Medizinstudiums.

Wie kann ich mich bewerben?

Zuständig ist das Landeszentrum für Gesundheit in Bochum (Info unter www.lzg.nrw.de und unter www.landarztgesetz.nrw), das ein eigenes Bewerbungsverfahren unabhängig von den Medizinfakultäten durchführt. Das Online-Bewerberportal ist vom 31. März bis 30. April für das Wintersemester und vom 1. bis 30. September für das Sommersemester 2020 geöffnet. In der ersten Stufe der Bewerbung zählen die Abinote und der Test für Medizinische Studiengänge (TMS) mit je 30 Prozent, eine Ausbildung/Berufspraxis wird mit 40 Prozent gewichtet. In der zweiten Stufe zählt die Leistung in einem Auswahlgespräch. Empathie, Motivation und Sozialkompetenz sind hier wichtig.

Wann werden Auswahlgespräche angeboten?

Für das Wintersemester 2019/20 im Juni und für das Sommersemester 2020 im Dezember. Die Einladungen zu den Gesprächen werden per Post Anfang Juni beziehungsweise im November verschickt.

Welche Qualifikationen brauchen Bewerber?

Zwingende Voraussetzung ist die Allgemeine Hochschulzulassungsberechtigung (Abitur). Berücksichtigt werden außerdem Ausbildungszeiten und Berufstätigkeit in medizinischen, pflegerischen oder therapeutischen Berufen.

Wo wird das Landarztstudium angeboten?

Antragsteller können erklären, welchen Studienort sie bevorzugen. An allen öffentlichen Unis mit Medizinfakultäten gibt es die Möglichkeit, über die Landarztquote zu studieren – an folgenden Standorten:

  • Aachen
  • Köln
  • Münster
  • Bochum
  • Bonn/Siegen
  • Düsseldorf
  • Köln
  • ab dem Jahr 2022 an der neuen Medizinfakultät in Ostwestfalen

Im Rahmen der Landarztquote stehen 170 Studienplätze zur Verfügung, insgesamt für das Winter- und Sommersemester. In diesem Jahr sind es 145 im Winter- und weitere 25 im Sommersemester 2020.

Was unternimmt NRW gegen den Ärztemangel?

Die Landesregierung setzt nicht allein auf die Landarztquote, um den Medizinermangel zu bekämpfen. „Wir sind das erste Land, das den gesamten Instrumentenkasten in die Hand nimmt“, sagte Minister Laumann. NRW erleichtert den Quereinstieg von Klinikärzten in den Hausarztberuf mit attraktiven Konditionen, in Bielefeld entsteht eine neue Medizinfakultät mit 300 Studienplätzen, an der Privatuni Witten/Herdecke werden die Studienplätze für Humanmedizin auf 168 pro Jahr verdoppelt. Bis die Landarztquote Wirkung entfaltet, werden aber zehn Jahre vergehen. So lange brauchen die jungen Mediziner für ihre Ausbildung.

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