Antisemitismus

Synagogen-Anschläge: Generalbundesanwalt zieht Ermittlungen an sich

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Ein Polizist steht vor dem Eingang der Alten Synagoge in Essen. Hier hatte ein Unbekannter mehrere Schüsse auf die Tür abgegeben. 

Ein Polizist steht vor dem Eingang der Alten Synagoge in Essen. Hier hatte ein Unbekannter mehrere Schüsse auf die Tür abgegeben. 

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Düsseldorf  Die Bundesanwaltschaft hat nun die Ermittlungen nach den Synagogen-Angriffen übernommen. Ermittler vermuten iranische Revolutionsgarden dahinter.

Der Generalbundesanwalt hat nun die Ermittlungen zu den Angriffen auf drei Synagogen in NRW übernommen. Das bestätigte eine Sprecherin der Behörde in Karlsruhe am Freitagabend auf Anfrage, nachdem zuerst die „taz“ berichtet hatte. Am Donnerstag hatte es noch widersprüchliche Aussagen gegeben, ob der Generalbundesanwalt die Ermittlungen an sich zieht oder nicht. Die Ermittler vermuten, dass iranische Behörden hinter den ausgeführten beziehungsweise geplanten Anschlägen gegen die Synagogen in Essen, Bochum und Dortmund stecken könnten.

Steckt der Rocker Ramin Y. hinter den geplanten Anschlägen?

Laut einem Bericht des ARD-Magazins „Kontraste“ gehen Ermittler derzeit davon aus, dass iranische Revolutionsgarden für die Anschläge verantwortlich sein könnten und dass der 34-jährige Deutsch-Iraner Ramin Y. zu den Drahtziehern gehöre. Dieser in Mönchengladbach geborene Mann soll im vergangenen Jahr im Iran untergetaucht sein stammt aus dem Rockermilieu in NRW. Ramin Y. war Gründer des Mönchengladbacher Ablegers des Rockerclubs Hells Angels. Er wird mit internationalem Haftbefehl .

Tatsache ist, dass Mitte November in Dortmund ein 35-jähriger Deutsch-Iraner festgenommen wurde, der versucht haben soll, einen anderen Mann mit deutschem und iranischem Pass für einen Brandanschlag auf die Dortmunder Synagoge zu überreden. Dieser lehnte ab und offenbarte sich der Polizei. Dem Zeugen soll von dem Anstifter, der nun in U-Haft sitzt, nach einem Anschlag auf die Dortmunder Synagoge freies Geleit in den Iran garantiert worden sein, wie aus Ermittlerkreisen durchsickerte. Laut dem ARD-Bericht soll der Anstifter Kontakt zu Ramin Y. im Iran haben.

Präsident des Zentralrates der Juden soll in Gefahr sein

Eine Verbindung dieser Personen zu den Schüssen auf die Alte Synagoge in Essen, zum Wurf eines Molotowcocktails auf eine Schule neben der Synagoge in Bochum und zur Anstiftung zum Brandanschlag auf die Synagoge in Dortmund sei möglich, heißt es. Außerdem sei der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, womöglich in Gefahr. Über die Frage, wie dicht diese Gerüchte an der Wahrheit sind, lässt sich nur spekulieren.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte dem Landtags-Innenausschuss vergangene Woche mitgeteilt, dass sich der Generalbundesanwalt laufend über die Ermittlungen wegen der Anschläge im Ruhrgebiet informieren lasse. Schon damals kursierte die Information, dass Ermittler eine staatliche Einflussnahme durch den Iran auf die Anschläge nicht ausschließen. (mit dpa/afp)

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