Hambacher Forst

Tausende Kohlegegner in Hambach – Aktivisten besetzen Bagger

Tausende protestieren im Rheinischen Braunkohlerevier

Am Samstag haben sich wieder tausende Aktivisten des Aktionsbündnisses "Ende Gelände" am Tagebau Hambach eingefunden, um für einen sofortigen Kohleausstieg zu demonstrieren.

Am Samstag haben sich wieder tausende Aktivisten des Aktionsbündnisses "Ende Gelände" am Tagebau Hambach eingefunden, um für einen sofortigen Kohleausstieg zu demonstrieren.

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Kerpen.   6500 Menschen haben im Rheinischen Braunkohlerevier demonstriert und den schnellen Kohleausstieg gefordert. Aktivisten besetzen Bagger und Gleise

Schon sehr früh stehen kleine Gruppen von fünf bis sechs Leuten mitten im Wald. Es ist eisig, die meisten tragen Handschuhe, an denen die Fingerkuppen abgeschnitten sind. Immer wieder tippt Lilith in ihr Handy und schaut, was die anderen Gruppen vorhaben, welche Aktionen geplant sind. Lilith Wittmann ist eine junge Aktivistin aus Hamburg, die für den Hambacher Forst kämpft, und eine von Tausenden, die am Samstag im Rheinischen Revier gegen die Kohle protestiert und den Tagebaubetrieb gestört haben – trotz eines großen Polizeiaufgebots.

So setzen sich etwa 2500 junge Menschen nach Polizeiangaben auf die Schienen der Transportbahn, die Kohle aus dem rheinischen Tagebau Hambach in die Kraftwerke bringt. Die Aktivisten wollen die Tagebau-Infrastruktur im Rheinischen Revier lahmlegen. Weil einige eine Polizeikette durchbrechen und über die Autobahn A4 liefen, muss diese mehrere Stunden gesperrt werden. Aus dem gleichen Grund wird der Zugverkehr zwischen Düren und Aachen vorübergehend eingestellt.

Bagger werden abgeschaltet

18 Demonstranten besetzen außerdem einen Schaufelradbagger Bagger im Tagebau Hambach, mit denen die Braunkohle aus dem Erdreich gegraben wird. Als die Bagger aus Sicherheitsgründen schließlich abgeschaltet werden, klatschen die Demonstranten Beifall. RWE kündigt an, Straftaten wie Hausfriedensbruch konsequent zur Anzeige zu bringen.

Der Energiekonzern teilte mit, der Braunkohlefahrplan zur Reduktion der CO2-Emissionen trage zum Erreichen der nationalen Klimaziele bei. Den meist jungen Aktivisten geht das nicht schnell genug: Sie wollen ein Zeichen setzen für den sofortigen Kohleausstieg und Klimagerechtigkeit. Das Aktionsbündnis Ende Gelände spricht von der bisher größten „Massenaktion zivilen Ungehorsams der Klimagerechtigkeitsbewegung“.

Viele laufen bis zur Abbruchkante

Die kleine Aktivistengruppe um Lilith läuft über den Hügel, der das Gebiet als Sperrzone des Energieversorgers RWE kennzeichnet. Die Gruppe möchte möglichst nah ran an die Abbruchkante und die Bagger. Denn wenn der Betrieb nicht weitergeführt werden könne, sei das ein „riesiges Symbol“, so einer der Demonstranten mit Kapuze auf dem Kopf und Schal vor dem Mund. Er will nicht erkannt werden.

Immer mehr Demonstranten erklimmen den Hügel, fordern mit bunten Bannern, die sofortige Klimawende und das Ende des Tagebaus. Etwa Tausend schaffen es und stehen am Braunkohlebruch. Wie selbstverständlich laufen die Demonstranten, teilweise mit kleinen Kindern, auf den Erdwall und die Abbruchkante zu, keiner kann sie aufhalten. Die Polizei warnt: „Aktuell kommt es zu Erdrutschen an der Tagebaukante in Hambach.“ Die Menschen sollten die Tagebaukante verlassen. „Es besteht akute Lebensgefahr.“ Tatsächlich geht es mehrere hundert Meter steil hinunter zur ersten Plattform. Knapp einen Meter vor der Abbruchkante sind deutlich Risse im Erdboden zu sehen.

Polizei setzt Wasserwerfer an der A4 ein

Es kommt zu weiteren kritischen Situationen – etwa auf der A4 bei Kerpen: Dort laufen junge Leute über die Autobahn Richtung Tagebau Hambach. Die Polizei sperrt die Autobahn über Stunden und setzt Wasserwerfer ein. Trotzdem brechen vereinzelt Demonstranten durch. Nachfolgende Aktivisten können die Einsatzkräfte dann größtenteils an der Autobahnböschung aufhalten.

Das eigentliche Ziel der Demonstranten aber ist die Besetzung des Gleises, auf dem die Kohle zu den Kraftwerken transportiert wird. Etwa 2500 Menschen klettern am frühen Nachmittag in das Gleisbett und richten sich dort ein. Zugleich schlägt die Polizei entlang der Trasse ihr Einsatzlager auf, um die Demonstranten im Blick zu behalten.

Ende Gelände sieht seine Ziele erfüllt: „Wir haben es geschafft, dass keine Kohle den Tagebau verlässt, und müssen jetzt entscheiden wann die Aktion endet“, heißt es am Sonntagmorgen. Nachdem viele Besetzer noch in der kalten Nacht die Gleise verlassen haben, beginnt die Polizei am Sonntag mit der Räumung der Strecke.

Polizei räumt Gleise in NRW

Der Energieversorger RWE transportiert auf der Bahnstrecke die im Tagebau Hambach geförderte Braunkohle. Das Aktionsbündnis "Ende Gelände" hatte am Samstag zu Protesten gegen den Braunkohle-Tagebau im Rheinischen Kohlerevier aufgerufen.
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