Universitäten

Landesregierung lehnt Gebühren für Langzeitstudenten ab

Düsseldorf.   Fast 90 000 Frauen und Männer überschreiten die Regelstudienzeit an Hochschulen deutlich. Die neue Landesregierung ist gegen die Einführung von Studiengebühren für diese Gruppe.

Die Landesregierung reagiert ablehnend auf den Ruf von Hochschulrektoren nach Studiengebühren für Zehntausende Langzeitstudenten. Ministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) plane keine Gebühren für diese Studierenden, sagte eine Sprecherin des Ministeriums dieser Zeitung. Der Chef der Landesrektorenkonferenz (LRK) der Fachhochschulen, Prof. Marcus Baumann, hält eine Gebühr hingegen für „sinnvoll“, wenn die Regelstudienzeit deutlich überschritten wird. In der Vergangenheit hätten Unis und Fachhochschulen gute Erfahrungen mit diesen Beiträgen gemacht.

Erstmals nennt das Wissenschaftsministerium Zahlen, wie viele Studenten in NRW auffällig lange an den Hochschulen eingeschrieben sind. Im laufenden Wintersemester gebe es rund 42 200 Studenten im Erststudium, die das Eineinhalbfache der Regelstudienzeit überschreiten. Dazu kämen rund 46 000 Langzeit-Studenten im Zweitstudium. Daten des Statistischen Landesamtes deuten eine insgesamt noch höhere Zahl von Langzeitstudenten an: Im Wintersemester 2016/17 habe es rund 74 000 Studenten gegeben, die sogar im 20. oder einem noch höheren Hochschulsemester und damit weit länger als das Eineinhalbfache der Regelstudienzeit eingeschrieben sind.

Das Ministerium bezweifelt, dass von Langzeitstudenten viele Gebühren einzunehmen wären. „Im Wintersemester 2004/05 sank nach der Einführung der Studienkonten die Studierendenzahl an den öffentlich-rechtlichen und staatlichen Hochschulen um 65 800. Das entsprach 13,3 Prozent weniger als im Vorjahr“, sagte die Sprecherin. Gebühren für Langzeitstudenten würde die Zahl der Eingeschriebenen wohl deutlich absenken. 2004 hatte die rot-grüne Landesregierung Studenten, die die Regelstudienzeit deutlich überschritten, mit 650 Euro pro Semester zu Kasse gebeten.

Ärgernis „Ticketstudenten“

Besonders die „Ticketstudenten“ sind den Rektoren ein Dorn im Auge. Sie vermuten viele von ihnen unter den Langzeitstudierenden. Auch Pfeiffer-Poensgen erkennt Handlungsbedarf. „Wir haben eine große Zahl von Studierenden in den Nicht-NC-Fächern, die das vielleicht eher tun, weil sie die sozialen Vorteile und das schöne NRW-Ticket haben wollen“, sagte die Ministerin dem WDR. Sie kündigte eine Überprüfung der Statistiken an, um Scheinstudenten zu finden.

Wie schnell NRW die geplanten Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer vorantreiben wird, ist offen. Die Rektorenkonferenz der Fachhochschulen in NRW bezweifelt, dass Aufwand und Ertrag „in einem vertretbaren Verhältnis stehen“.

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