Geburtsstationen

Lange Wege zur Geburt: Immer mehr Kreißsäle schließen

Babys in einer Geburtsstation.

Babys in einer Geburtsstation.

Foto: Waltraud Grubitzsch

Hagen.   Immer mehr Krankenhäuser in Südwestfalen bieten keine Geburtshilfe an. Finanziell lohnen sich Entbindungen nicht. Die Hebammen schlagen Alarm. 

Ein Kind zu bekommen, sollte ein Tag sein, auf den sich Eltern uneingeschränkt freuen. Doch Alltag ist das zumindest in Südwestfalen nur bedingt. Denn für werdende Mütter wird der Weg ins Krankenhaus länger. Der Grund: Immer mehr Geburtsstationen schließen oder müssen schließen. Fahrtzeiten von einer halben Stunde sind gerade in ländlichen Regionen wie dem Hochsauerlandkreis keine Seltenheit.

In der Region Südwestfalen gab es 2009 noch 25 Krankenhäuser mit einem Kreißsaal. Zehn Jahre später sind es lediglich noch 17. Jüngst erst schloss das Maria-Hilf-Krankenhaus in Warstein seine Geburtenstation. Das ist ein Rückgang von mehr als 30 Prozent. Und zwar bei einer gleichzeitigen Zunahme der Geburten. 13.750 Geburten hat es laut dem Gesundheitsministerium in Nordrhein-Westfalen vor zehn Jahren gegeben. 2017 waren es 19.822 Geburten (aktuelle Zahlen für 2018 liegen noch nicht vor).

Vor allem liegt der Rückgang der Entbindungsstationen ­daran, dass sich neues Leben für Krankenhäuser schlecht rentiert. „Es ist schlimm, dass alles Profit ­geben muss“, kritisiert Melina ­Kramer, Sprecherin des Deutschen Hebammenverbandes im Hochsauerlandkreis, das Krankenhausentgeltgesetz, über das die ­Vergütung von Leistungen im Krankenhaus geregelt ist: „Eine Blinddarmentfernung, die 30 Minuten dauert, gibt zum Beispiel mehr Geld als eine Geburt, die 22 Stunden ­dauert.“

Auch Hebammen sind schwer zu finden

Hebammen selbst sind ebenfalls schwer zu finden. „Wir haben einen Hebammen-Mangel in Südwestfalen“, sagt Kramer Sie fordert: „Der Beruf muss wieder attraktiver werden. Das heißt: mehr Personal in den Krankenhäusern, bessere Bezahlungen, ein besseres Image und eine flächendeckende Versorgung für werdende Mütter.“

Christin Wenzel aus Menden sieht der nahenden Geburt mit ­Sorge entgegen. „Wir sind bei der Krankenhaussuche völlig verzweifelt.“ Alle in Frage kommenden ­Kliniken sind mindestens 30 Minuten entfernt.

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