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Lehrermangel: Karliczek fordert mehr Lehramts-Studienplätze

Die Sommerferien sind vorbei – doch der Lehrermangel bleibt

Die Sommerferien sind vorbei – doch der Lehrermangel bleibt

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Berlin.  Laut einer neuen Studie steigt die Zahl der Schüler stärker als erwartet. Bildungsministerin Karliczek fordert nun mehr Studienplätze.

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Bundesbildungsministerin Anja Karliczek fordert mehr Studienplätze für die Lehrerausbildung: Deutschland brauche deutlich mehr Pädagogen als die Länder bislang angenommen hätten. Die Anstrengungen müssten daher verstärkt werden, mehr junge Leute für den Lehrerberuf zu gewinnen. „Wir brauchen auch mehr Ausbildungskapazitäten an den Hochschulen“, sagte die CDU-Politikerin unserer Redaktion.

Zudem müssten die Prognoseinstrumente für den Lehrerbedarf weiterentwickelt werden, um rechtzeitig gegensteuern zu können. Genauso wichtig sei aber auch eine moderne Lehrerbildung und eine Steigerung des gesellschaftlichen Ansehens des Lehrerberufs, so Karliczek.

Eine Analyse der Bertelsmann Stiftung hatte zuvor den Fokus auf das Thema Lehrermangel in Deutschland gelenkt. Die Autoren der Studie warnen davor, dass sich der Mangel an Lehrkräften in Grundschulen bis 2030 deutlich stärker verschärften könnte als bislang bekannt. 2025 können demnach mindestens 26.300 Lehrerinnen und Lehrer für die jüngsten Schüler fehlen.

Unterschätzt die Politik den Lehrermangel?

Die für Bildungspolitik zuständige Kultusministerkonferenz geht in einer Prognose aus dem vergangenen Jahr lediglich von 15.300 fehlenden Lehrkräften aus. „Diese Diskrepanz ist auf einen stärkeren Anstieg der Schülerzahlen zurückzuführen“, heißt es von Seiten der Bertelsmann Stiftung. Den Studien-Machern zufolge müssten für 2025 noch mal 11.000 Lehrer mehr eingestellt werden, als von der KMK ermittelt.

Die Bildungsforscher Klaus Klemm und Dirk Zorn haben auf Basis der Bevölkerungsschätzung des Statistischen Bundesamtes die Zahl der Schulkinder prognostiziert. Sie stellen verschiedene Szenarien auf. Die Angaben dürften ziemlich gut vorherzusehen sein, so die Forscher. Denn: Die Kinder, die im Jahr 2025 eingeschult werden, sind bereits alle auf der Welt.

Lehrkräftebedarf um 42 Prozent unterschätzt

Während die Kultusminister von 3,06 Millionen Grundschülern im Jahr 2025 ausgehen, dürfte die Zahl laut Bertelsmann Stiftung bei 3,23 Millionen liegen. Eine Differenz von knapp 170.000 jungen Menschen. Ein vergleichbarer Unterschied setzt sich bei den Schätzungen bis ins Jahr 2030 fort. Deshalb unterschätze die Kultusministerkonferenz den Lehrkräftebedarf um 42 Prozent, warnt die Stiftung.

Kommentar: Der wachsende Lehrermangel ist eine Katastrophe mit Ansage

„Wenn es bis 2025 nicht gelingt, die bis dahin entstandene Lehrkräftelücke zu schließen,droht der Lehrermangel bis 2030 fortzubestehen“, schreibt die Stiftung in einer Pressemitteilung. Es dauere „noch etliche Jahre, bis die zusätzlich eingerichteten Studienplätze für das Lehramt an Grundschulen auch mehr Absolventen hervorbringen“, zitiert die Stiftung ihr Vorstandsmitglied Jörg Dräger.

Mentorenprogramme und Quereinsteiger

Die Fachleute von Bertelsmann machen mehrere Vorschläge, um dem Mangel an Lehrenden in Grundschulen entgegenzuwirken. Darunter:

  • Menschen ohne Lehramtsstudium für den Unterricht an Grundschulen qualifizieren
  • Neben Gymnasiallehrkräften müsse diese Ausbildung auch Quereinsteiger betreffen
  • Mentorenprogrammen sollen dabei helfen, die Neueinsteiger erfolgreich in die Kollegien zu integrieren
  • Auch Lehrerinnen und Lehrer im Rentenalter sollen länger an Grundschulen unterrichten

Vorstandsmitglied Dräger fordert zudem: „Zukünftig sollten die Bedarfsprognosen jährlich aktualisiert werden, um schneller auf die demographische Entwicklung reagieren zu können.“

Das Problem mit dem Lehrermangel ist nicht neu. Schon in der Vergangenheit hatten die Wissenschaftler Zorn und Klemm davor gewarnt. Die Gründe sind neben steigenden Schülerzahlen auch die hohe Zahl an erfahrenen Lehrern, die in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen.

Auch die Zusammensetzung der Klassen in den Grundschulen, etwa mit einem höheren Anteil an jungen Menschen aus Migrantenfamilien, erhöht den Bedarf an qualifiziertem Unterrichtspersonal. Denn gerade in Deutschland entscheidet oft die Herkunft über die Chancen eines Menschen im Bildungssystem. Die Organisation OECD übte daran scharfe Kritik.

Auch an Berufsschulen Mangel

Noch 2018 schrieben die Experten der Bertelsmann Stiftung, dass bis 2025 rund 35.000 Lehrkräfte fehlen würden. Jetzt korrigieren sie die Zahlen offenbar nach unten. Allerdings ist der Mangel noch immer gravierend.

Und: Das Problem ist nicht nur auf die Grundschulen begrenzt. Auch an Berufsschulen schlägt der Lehrermangel laut einer Studie des Deutschen Lehrerverbandes durch. Demnach geht fast die Hälfte der aktuell etwa 125.000 Berufsschullehrer bis 2030 in Rente. Die neu ausgebildeten Kräfte können die Lücke bei weitem nicht schließen. Bis 2020 würden jährlich 4000 neue Berufsschullehrer durchschnittlich benötigt.

Wer als Lehrkraft arbeiten will, hat derzeit also gute Karrierechancen. Regierungen und Behörden setzen bereits seit Jahren vermehrt auf Quereinsteiger. Experten beschreiben allerdings das Risiko dieser Politik: Oftmals führt der Mangel an Personal dazu, dass Neulehrer zwar fachlich qualifiziert sind, aber nicht ausreichend pädagogisch geschult werden. (fmg)

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