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Mehr Gewalt gegen Mitarbeiter in NRW-Ämtern

Menschen stehen im Jobcenter Gelsenkirchen Schlange.

Menschen stehen im Jobcenter Gelsenkirchen Schlange.

Foto: dpa (Archiv)

Düssedorf.   Bedrohungen und Beschimpfungen, aber auch tätliche Angriffe: Mitarbeiter von Behörden in NRW werden immer öfter zu Opfern.

Nicht nur Sanitäter, Feuerwehrleute und Polizisten: Auch Mitarbeiter städtischer Ämter werden zunehmend zur Zielscheibe von Bedrohungen und Gewalt. In mehreren NRW-Städten stieg die Zahl der Straftaten gegen kommunale Mitarbeiter zuletzt an, wie aus einer Umfrage dieser Redaktion hervorgeht.

In Münster wurden 2017 insgesamt 60 „ernstzunehmende Vorfälle“ gezählt, im Jahr davor waren es 30, im Jahr 2015 21. „Wir sind in einer Negativspirale“, klagt Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer.

Strafanträge wegen Bedrohung

In Bochum wurden 24 Straftaten gegen Behördenmitarbeiter gezählt (2016: 18). „Eine Zunahme ist klar erkennbar“, sagt ein Sprecher der Stadt. 2014 und 2015 seien dort sieben, beziehungsweise acht Strafanträge wegen Bedrohung städtischer Beschäftigter geschrieben worden. In Oberhausen stieg die Zahl der Anzeigen zuletzt von sechs auf elf. Etwa die Hälfte der Strafanträge aus Bochum betraf Rettungsdienste und Feuerwehr, die andere Hälfte traf die Beschäftigten anderer Ämter.

Ähnliche Probleme mit rabiaten „Klienten“ haben die Angestellten in den Jobcentern vieler Städte. In Gelsenkirchen wurden im vergangenen Jahr 34 Hausverbote ausgesprochen und zehn Strafanzeigen gestellt. Die Tendenz sei steigend, heißt es, die Lage „insgesamt herausfordernder“.

Besonders gefährdet sind Ordnungsdienstler

Im Jobcenter Duisburg sank die Zahl der Vorfälle zwar, liegt aber mit 95

Hausverboten und 33 Anzeigen auf hohem Niveau. In anderen Duisburger Ämtern wurden 52 Straftaten gegen Mitarbeiter erfasst. (2016: 63).

In den Fällen, die bis zur Anzeige gelangen, handelt es sich meist um Beleidigungen und Bedrohungen, zum Teil sexistischen oder rassistischen Inhalts. Sachbeschädigungen, Schläge und andere körperliche Attacken kommen aber vor. Besonders gefährdet sind Mitarbeiter, die auf der Straße Dienst tun wie Ordnungsdienstler und Verkehrsüberwacher.

Schulungen für Mitarbeiter

Viele Kommunen bereiten Mitarbeiter mit Schulungen auf gefährliche Begegnungen vor. Duisburg hat sich eine „Null-Toleranz-Haltung“ verordnet. Sämtliche Taten würden zur Anzeige gebracht, betroffenen Mitarbeitern stehe ein „Nachsorge-Team“ zur Verfügung.

In der Stadtverwaltung Hagen gab es 2017 weder Hausverbote noch Strafanzeigen. Gewaltprävention sei der Grund. Mehr als 100 Mitarbeiter seien geschult worden, beim Bürgerservice, in der Ausländerbehörde, im Sozialbereich. Im Jobcenter allerdings wurden 16 Übergriffe registriert.

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