Strafvollzug

Minister gibt Gefängniswärtern Schuld an Ausbruchs-Posse

Drehtür in die Freiheit: Der Gefangene schlenderte durch die Vordertür hinaus.

Drehtür in die Freiheit: Der Gefangene schlenderte durch die Vordertür hinaus.

Foto: Ingo Otto/WAZFotopool

Düsseldorf.   Auf spektakuläre Art gelang dem Untersuchungshäftling Angelo Duric Anfang Juni die Flucht aus dem Bochumer Gefängnis: Er spazierte einfach mit einer Besuchergruppe durch die Vordertür hinaus. NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) macht die Gefängniswärter verantwortlich.

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Schwere Fehler der Beamten in der Bochumer Justizvollzugsanstalt (JVA) haben den kuriosen Ausbruch des Untersuchungshäftlings Angelo Duric (25) Anfang Juni erst möglich gemacht. Das bekräftigte Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) am Mittwoch im Rechtsausschuss des Landtags. „Nach derzeitiger Erkenntnislage ist davon auszugehen, dass die zwischen den Bediensteten der Besuchsabteilung gebotene Absprache vor Verlassen des Dienstpostens nicht erfolgt ist“, sagte Kutschaty.

Trickreich Besuchern angeschlossen

Duric konnte die JVA schlendernd durch die Vordertür verlassen, nachdem er sich trickreich einer Besuchergruppe angeschlossen und in Besitz einer Besuchermünze gelangt war.

Kutschaty zufolge waren zu diesem Zeitpunkt weder der Arbeitsplatz vor den Einzelbesuchsräumen noch die Bedienstetenkanzel besetzt. Dem Niederländer werden Bandenkriminalität, Einbrüche und Computer-Betrügereien vorgeworfen. Bislang fehlt von ihm jede Spur.

Kutschaty sieht die einzelnen Gefängnisse in der Verantwortung für einen pannenfreien Besuchsdienst. Die landesweit gültigen Sicherheitsrichtlinien schrieben keinen konkreten Ablauf vor, betonte der Minister.

Straftäter bei Kanufahrt geflohen

Als unvorhersehbare „Spontanhandlung“ zweier Jugendlicher bewertete der NRW-Justizminister dagegen die Flucht von zwei 16- und 17-jährigen Strafgefangenen der Justizvollzugsanstalt Iserlohn am 19. Juni. Sie setzten sich bei einer Kanu-Fahrt auf der Ruhr unter dem Vorwand eines Toilettengangs ab. Beide hatten zuvor elf solcher sogenannten Lockerungsmaßnahmen ohne Zwischenfälle absolviert.

Pädagogisch angelegte Ausflüge, die nicht von JVA-Bediensteten begleitet werden, gehören zum Kern des Jugendstrafvollzugs in NRW. Beide flüchtigen Jugendlichen sind beide nicht wieder aufgetaucht.

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