„Trident Juncture“

Nato-Manöver mit 50.000 Soldaten am Donnerstag angelaufen

Nato-Großmanöver in Norwegen beginnt

Beteiligt an dem Manöver "Trident Juncture" sind 10.000 Panzer und Fahrzeuge, 250 Flugzeuge und etwa 50.000 Soldaten - davon rund 10.000 aus Deutschland.

Beteiligt an dem Manöver "Trident Juncture" sind 10.000 Panzer und Fahrzeuge, 250 Flugzeuge und etwa 50.000 Soldaten - davon rund 10.000 aus Deutschland.

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Brüssel  Zehntausende Soldaten sind zwei Wochen lang im Einsatz: Mit einem Groß-Manöver probt die Nato den Ernstfall – ein Angriff aus Russland.

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Es ist das größte Manöver der Nato seit Ende des Kalten Krieges – und eine klare Botschaft des westlichen Bündnisses an Russland: In der Nacht zu Donnerstag startete die Nato in Norwegen eine groß angelegte zweiwöchige Militärübung mit rund 50.000 Soldaten, 10.000 Fahrzeugen, 250 Flugzeugen und 65 Schiffen.

Nach Angaben der Nato übernahm der zuständige US-Admiral James G. Foggo um 0.01 Uhr das Kommando über die beteiligten Verbände.

„Wir testen die Reaktionsfähigkeit auf einen bewaffneten Angriff“, hatte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg zuvor am Mittwoch in Brüssel erklärt. „Um in einer unberechenbaren Welt Sicherheit zu garantieren, muss das Bündnis stark bleiben.“

Stoltenberg betonte aber auch: Die Großübung diene nur der Abschreckung, sei rein defensiv und richte sich gegen niemanden. Russland protestiert trotzdem und warnt vor einer „Destabilisierung“. Wir fassen die wichtigsten Fakten zu dem Manöver zusammen:

Der Gegner kann nur Russland heißen

Das Szenario: Durchgespielt wird ein Angriff aus Richtung Norden auf Norwegen. Das Land mit einer Grenze zu Russland galt schon während des Kalten Krieges als gefährdete Flanke des Bündnisses. Dass der Gegner in diesem Fall nur Russland heißen könnte, ist offensichtlich, auch wenn die Nato dies nicht ausdrücklich sagt.

Truppen unter anderem aus den USA, die sogar ihren Flugzeugträger Harry S.Truman geschickt haben , aus Kanada und Norwegen sollen die Attacke aus dem Nordosten simulieren. Dann wird der Bündnisfall ausgelöst, also der Beistand der Alliierten für Nato-Mitglied Norwegen.

Truppen vor allem aus Deutschland, Italien und Großbritannien sollen zunächst den Gegner abwehren und dann zum Gegenangriff übergehen. Zum Übungsgebiet gehören nicht nur Norwegen, sondern auch der Nordatlantik, die Ostsee und Island.

Die Rolle der Bundeswehr: Alle 29 Nato-Staaten, dazu Finnland und Schweden, nehmen an der Übung teil. Die Bundeswehr spielt mit 10.000 Soldaten – davon 8000 direkt in Norwegen – eine wichtige Rolle, ist zweitstärkster Truppensteller. Grund: Deutschland übernimmt 2019 die Führung der schnellen Eingreiftruppe der Nato (Speerspitze), die 2014 nach der russischen Annexion der Krim gegründet wurde.

hat Dutzende Kampf- und Schützenpanzer, Jagdflugzeuge der Typen Eurofighter und Tornado und hunderte Fahrzeuge nach Norwegen gebracht. Die Übung gilt für die unter Ausrüstungsmängeln leidende Bundeswehr auch als Prüfstein, ob sie fit ist für die Führung der Nato-Speerspitze, die sogenannte VJTF (Very High Readiness Joint Task Force).

Das Verteidigungsministerium in Berlin ist davon überzeugt, tatsächlich sind die Soldaten in Norwegen gut ausgerüstet. Doch fehlt das Material jetzt woanders: Die Truppe musste sich für das Manöver Personal und Gerät aus 24 Verbänden mühsam zusammensuchen. Immerhin 90 Millionen Euro kostet Deutschland die Beteiligung an „Trident Juncture“.

Das soll geübt werden: Die Übung soll nicht nur das Zusammenspiel der Mitgliedstaaten im Verteidigungsfall trainieren. Getestet werden soll auch, ob die Alliierten schnell genug Kräfte innerhalb Europas verlegen können. Russland hat in jüngsten Manövern eine für Experten beachtliche Geschwindigkeit beim Einsatz von Verbänden gezeigt.

Dagegen gilt für die Nato die geringe Mobilität innerhalb des Bündnisgebietes als eine der großen Schwachstellen. Die Allianz hatte sich nach 1990 auf Missionen außerhalb des eigenen Territoriums konzentriert – und stellt erst seit dem Ukraine-Konflikt wieder die ursprüngliche Aufgabe der Landes- und Bündnisverteidigung in den Vordergrund.

Die Nato will in den nächsten zwei Wochen aber auch demonstrieren, dass sie den Nordatlantik im Ernstfall verteidigen kann. Mit Sorge verfolgen westliche Militärs verstärkte Aktivitäten der russischen Marine in der Region. Im Ernstfall könnte der Seeweg für Truppentransporte gefährdet sein, als sensibles Ziel gilt auch die Datenübertragung zwischen Europa und den USA per Unterwasserkabel.

Die russische Reaktion: Die Töne aus Moskau klingen gereizt. Das Großmanöver der Nato trage zur Destabilisierung in der Region bei. Ein Ärgernis ist es für russische Militärs, dass auch Finnland und Schweden an der Übung teilnehmen, obwohl sie keine Nato-Länder sind. Auch in ihrem Luftraum sollen Flugzeuge unterwegs sein.

Man werde die notwendigen Gegenmaßnahmen ergreifen, um die eigene Sicherheit zu gewährleisten, kündigte ein Sprecher vage an. In Deutschland unterstützt die Linkspartei die Kritik aus Moskau, warnt vor „Säbelrasseln“.

Die Antwort der Nato: Einsätze der Luftwaffe fänden in 500 Kilometer Abstand zur russischen Grenze statt, wird im Nato-Hauptquartier in Brüssel versichert. Das Kerngebiet der Übung befinde sich tausend Kilometer von der russischen Grenze entfernt. „Es gibt keinen Grund für Russland, Angst zu bekommen“, heißt es daher in der Nato-Zentrale. Russische Militärbeobachter sind nach Norwegen eingeladen, um sich vor Ort ein Bild zu machen.

Zudem wird darauf verwiesen, dass Russland selbst noch in viel größerem Maßstab Manöver abhält. Im Vorjahr übten rund 100.000 Soldaten nahe der Nato-Ostgrenze, am jüngsten Großmanöver Wostok (Osten) haben nach Moskauer Angaben sogar 300.000 Soldaten teilgenommen.

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