Kommentar

Noch immer gibt es sexuelle Belästigung im Job: Es reicht!

Ein ordinärer Spruch, eine unangemessene Berührung: Viele Frauen haben sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erfahren.

Ein ordinärer Spruch, eine unangemessene Berührung: Viele Frauen haben sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erfahren.

Foto: Christian Charisius / dpa

Berlin.  Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist laut einer Studie der Antidiskriminierungsstelle weiter ein Problem. Damit muss Schluss sein.

Es ist der Witz am Rande einer Konferenz, in dem die Wörter Kondom und Handtasche vorkommen. Es ist der Blick auf den Schwangerschaftsbauch mit einer obszönen Bemerkung. Es ist das blöde Grinsen im Fahrstuhl. Schließlich der ungehemmte Angriff auf der Weihnachtsfeier:

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist mitnichten ein Relikt aus Zeiten, in denen der sogenannte Altherrenwitz vielleicht noch mehr oder weniger hoffähig war. Das zeigt die Studie der Antidiskriminierungsstelle , wonach jeder und jede elfte Beschäftigte allein in den vergangenen drei Jahren Situationen erlebt hat, in denen er oder sie erniedrigt, beleidigt oder angegriffen wurde.

Weinstein und #Metoo – hat das nichts verändert?

Was das für die Erfahrung im Laufe des Berufslebens bedeutet, zeigt auch eine aktuelle französisch-belgische Studie, wonach mehr als 60 Prozent der Frauen (die Erfahrungen der Männer wurden nicht erfasst) sexuelle Belästigung erlebt haben.

Angesichts des riesigen Wirbels der vergangenen Jahre um sexuelle Belästigung (Harvey Weinstein und #Metoo ) ist es schon erstaunlich, wieso vor allem Frauen so häufig immer noch auf der Hut sein müssen.

Oft können sich die Opfer schlecht wehren

Aller Aufklärung, aller Kampagnen zum Trotz läuft gehörig etwas falsch in der Arbeitswelt. Tatsächlich können sich Opfer nur schlecht wehren, wenn es der Vorgesetzte ist, der den blöden Witz erzählt – und die anderen – meist männlichen – Führungskräfte darüber hinweg sehen. Es sind nach wie vor die Frauen, die der (männlichen) Macht ohnmächtig gegenüber stehen; das macht sie zu leichten Opfern.

Schwerer haben es Täter, wenn mehr Frauen in verantwortlichen Positionen arbeiten und die Unternehmenskultur prägen. Idealerweise führt dies zu einem fairen Umgang mit Respekt voreinander, der keinen Raum lässt für verbale, psychische und handgreifliche Entgleisungen.

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