Radarkontrolle

Raserjagd mit Streckenradar - Noch keine Entscheidung in NRW

Kameras am Ende der “Section Control Radarstrecke“ an der Bundesstraße 6 südlich von Hannover.

Kameras am Ende der “Section Control Radarstrecke“ an der Bundesstraße 6 südlich von Hannover.

Foto: dpa

An Rhein und Ruhr.   In Niedersachsen ist „Section Control“ scharf geschaltet worden. Polizei fordert das System auch für NRW. Das Land will die Pilotphase abwarten.

Die Gewerkschaft der Polizei begrüßt die Scharfschaltung des bundesweit ersten sogenannten Streckenradars im niedersächsischen Laatzen bei Hannover und forderte die rasche Einführung des Systems auch in Nordrhein-Westfalen. Das Landesinnenministerium will aber zunächst abwarten, wie sich die Radaranlage bewährt.

Nach einer vierwöchigen Testphase wurde gestern auf einem zwei Kilometer langen Streckenabschnitt auf der Bundesstraße 6 in Laatzen das bundesweit erste Streckenradar scharf geschaltet. Die Radaranlage, die auch Section Control genannt wird, erfasst das gefahrene Tempo nicht an einer Stelle, sondern ermittelt die Durchschnittsgeschwindigkeit auf einem längeren zumeist unfallträchtigen Abschnitt, wo die Autofahrer vom Gas gehen sollen.

Nachbarländer wie Belgien, die Niederlande und Österreich nutzen die Technik seit Jahren mit großem Erfolg für die Verkehrssicherheit. „Eine Geschwindigkeitsmessung über einen längeren Streckenabschnitt ist vor allem gerechter für alle Beteiligten, als feste Blitzer“, so Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD). Die Erprobungsphase des Systems soll bis Juni 2020 dauern.

„Wir fordern Section Control für NRW seit Jahren“

„Wir fordern Section Control für Nordrhein-Westfalen seit Jahren“, sagt Michael Mertens, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP) auf NRZ-Nachfrage. Wenn Niedersachsen nun den Vorreiter mache, solle NRW dem Beispiel rasch folgen – zumal Section Control auch in europäischen Nachbarländern erfolgreich und auf breiter Front eingesetzt werde.

„Das System hat den Charme, dass man nicht wie bei den bisherigen stationären Messungen auf einer Risikostrecke nur punktuell misst und Raser dort vom Gas gehen“, erläutert Mertens. Mit Section Control könne man gleich einen Abschnitt von zwei oder mehr Kilometern befrieden.

Auch Burkhard Nipper, geschäftsführender Direktor der Verkehrswacht NRW würde eine Einführung in Nordrhein-Westfalen begrüßen – falls es sich mit dem Datenschutz verträgt: „Viele Unfälle mit Schwerstverletzten und Todesopfern gehen auf überhöhte Geschwindigkeit zurück.“

Bis das System in NRW eingeführt werden könnte, wird es allerdings noch eine Weile dauern. Ein Sprecher des Landesinnenministeriums sagte auf NRZ-Anfrage, man warte jetzt zunächst einmal das Ende der Pilotphase ab. Erst dann werde entschieden, ob man die Rechtsgrundlage für die Einführung eines Streckenradars auch in NRW schaffe.

Aus Datenschutzgründen werden bei dem System die bei der Ein- und Ausfahrt des überwachten Abschnitts gemachten Fotos verschlüsselt. Nur wenn ein Fahrer zu schnell unterwegs war, fertigt das System ein klassisches Blitzerbild an.

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