Justiz

Nordrhein-Westfalen verschärft Bekämpfung des Enkeltricks

Gefahr am Telefon: Ältere Menschen werden

Gefahr am Telefon: Ältere Menschen werden

Foto: Alexandra Iakovleva

Düsseldorf.   Immer wieder fallen alte Menschen auf Betrüger herein. Der Innenminister setzt einen Spezial-Staatsanwalt ein. Warum die Zahl der Opfer steigt.

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Weil immer mehr ältere Menschen in NRW von Betrügern abgezockt werden, die sich als Polizisten oder als Verwandte ausgeben, wird die Justiz künftig einen Spezial-Staatsanwalt einsetzen. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf erhält eine zusätzliche Stelle mit landesweiter Zuständigkeit. Wie NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) der Deutschen Presse-Agentur sagte, soll sich dieser Jurist auf organisierte Kriminalität zum Nachteil Älterer spezialisieren.

Laut Landeskriminalamt stieg die Zahl der bekannten Betrugsfälle 2017 um 124 Prozent auf rund 11 700. Geschätzter Schaden: 15 Millionen Euro. Die Dunkelziffer dürfte weit darüber liegen.

Die Täter tischen ihren Opfern abenteuerliche Geschichten auf und setzen sie massiv unter Druck. Mal gibt sich ein Anrufer als „Enkel“ aus, der in Not ist, mal soll vermeintlich das Vermögen der Angerufenen „geschützt“ werden, mal wird ihnen von falschen Polizisten Gefahr vorgegaukelt.

Hunderte Anrufe in Bochum

So erhielten zu Jahresbeginn Hunderte Bochumer Anrufe. Ein 81-Jähriger wurde von einem „Kriminaloberkommissar“ dazu gebracht, 21 000 Euro an Gauner zu übergeben. Zuvor hatte ein falscher Beamter mehrere Kilo Gold von einem 80-Jährigen erbeutet. Der Ganove hatte vorgegeben, die sechs Barren in seinem Auto überprüfen zu wollen und verschwand damit.

Eine 75-Jährige aus Wanne ließ sich von einem „Polizeidirektor“ dazu überreden, 30 000 Euro in einem Umschlag vor die Wohnungstür zu legen. Oft richten es die Betrüger so ein, dass die Notruf-Nummer „110“ erscheint und stellen sich mit dem Namen eines Polizisten vor, der tatsächlich in einer Dienststelle arbeitet. Die höchste bekannt gewordene Einzelbeute lag 2017 in NRW bei 500 000 Euro.

GdP-Chef Plickert befürchtet steigende Opferzahlen

Arnold Plickert, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), hat sich wegen dieser Entwicklung an NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU)

gewandt: „Wir bemängeln, dass der Betrug am Telefon nicht zur Anzeige gebracht werden kann, wenn der Täter im Ausland sitzt und die Tat nicht vollendet wird. Dafür habe ich kein Verständnis“, sagte Plickert der WAZ. Nach einer Anzeige wäre es zwar immer noch schwer, die Täter zu fassen. Aber die Dimension der Betrugsfälle würde besser sichtbar. Plickert vermutet, dass wegen der demografischen Entwicklung Senioren künftig noch häufiger Ziel von Kriminellen werden.

Laut Justizminister Biesenbach trauen sich viele Geschädigte nicht, zur Polizei zu gehen. „Aber Opfer von Straftaten sollten sich nie schämen – das sollten die tun, die ältere Menschen zu Opfern machen“, sagte Biesenbach.

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