Verkehrsgerichtstag

Polizei fordert Einbau von Alkohol-Wegfahrsperren

Alkolock-Systeme blockieren die Zündung, wenn der Fahrer betrunken ist.

Alkolock-Systeme blockieren die Zündung, wenn der Fahrer betrunken ist.

Foto: Herbert Pfarrhofer/dpa

Goslar.   Wer betrunken hinterm Steuer erwischt wurde, soll zum Einbau eines Alkolock-Systems verpflichtet werden. Die Forderung ist umstritten.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) will Autofahrer, die mit Trunkenheitsfahrten auffällig geworden sind, zum Einbau sogenannter Alkolock-Systeme verpflichten. Diese Alkohol-Wegfahrsperren blockieren nach einer Atemprobe die Zündung eines Autos, wenn der Fahrer alkoholisiert ist. Der Einbau solcher Systeme wird auf dem Verkehrsgerichtstag (VGT) diskutiert, der derzeit in Goslar stattfindet.

Der langjährige VGT-Präsident Kay Nehm zeigte sich skeptisch, ob die bereits im Koalitionsvertrag von CDU und SPD vereinbarte Einführung der Alkolock-Systeme die Verkehrssicherheit verbessern kann. Wer seinen Führerschein verliere, weil er alkoholisiert gefahren sei, gewinne die Fahreignung durch Alkolocks nicht zurück, so Nehm.

Der nordrhein-westfälische GdP-Vorsitzende und Bundesvize Michael Mertens hält dagegen: „Die beste Straftat ist die, die nicht passiert“, sagte Mertens der NRZ. Er ist überzeugt: Der Einbau solcher Systeme wird eine präventive Wirkung haben.

Wegfahrsperren auch bei illegalen Drogen

Allerdings sollten die Systeme nicht generell verpflichtend eingebaut werden, sondern nur bei Autofahrern, die bei einer Trunkenheitsfahrt erwischt wurden. „Richter sollten den Einbau als Voraussetzung für die Wiedererlangung der Fahrerlaubnis anordnen“, so Mertens.

Vorstellbar, so der GdP-Bundesvize, sei auch die Schaffung eines Gütesiegels, mit dem Arbeitgeber deutlich machen könnten, dass ihre Fahrer stets nüchtern auf den Straßen unterwegs sind, beispielsweise Spediteure oder Unternehmer, die Schülerfahrten durchführen.

Allerdings würde der alleinige Einbau von Alkolock-Systemen nicht ausreichen, räumt Mertens ein: „Was gestern der Alkohol war, sind heute die illegalen Drogen“. Auch zur Kontrolle von Drogendelinquenten müssten entsprechende Systeme eingeführt werden.

ADAC plädiert für eine Pilotphase

Der ADAC ist ein wenig zurückhaltender als der Polizeigewerkschafter. Der Automobilclub lehnt die Einführung von Alkolock-Systemen nicht generell ab, fordert aber zunächst eine Pilotphase, an der sich Autofahrer freiwillig beteiligen können. „Damit könnte man unter die Lupe nehmen, ob die Rückfallquote wirkungsvoll reduziert werden kann“, so ein Sprecher auf Anfrage der NRZ.

Autofahrer, die den Führerschein abgeben mussten, weil sie mit bis zu 1,6 Promille hinterm Steuer erwischt wurden, könnten den Führerschein schneller wieder bekommen, wenn sie sich zusätzlich zu der üblichen psychologischen Betreuung freiwillig zu der Installation eines Alkolock-Systems - Kostenpunkt: 1500 Euro - bereit erklärten, so der ADAC-Sprecher.

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