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Polizeigewalt in den USA: Die wichtigsten Informationen

Fall George Floyd: Das ist Mord zweiten Grades

George Floyd starb, nachdem Polizist Derek Chauvin minutenlang auf seinem Genick kniete. Inzwischen wird gegen ihn wegen Mord zweiten Grades ermittelt.

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Berlin.  Der Tod von George Floyd hat die Debatte um Polizeigewalt in den USA angeheizt. Wir haben wichtige Hintergründe zum Thema gesammelt.

  • Am 25. Mai 2020 ist der Afroamerikaner George Floyd durch eine Festnahme gestorben
  • Der Fall löste in vielen Städten in den USA Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus aus
  • Weitere Fälle von Polizeigewalt wurden seit Beginn der oft von der Bürgerrechtsbewegung „Black Lives Matter“ organisierten Proteste bekannt
  • Wir haben wichtige Informationen zum Thema Polizeigewalt in den USA für Sie gesammelt

Der auf Video festgehaltene Tod des schwarzen US-Amerikaners George Floyd erschütterte die Welt. Sein Tod macht tiefgreifende gesellschaftliche Probleme in den Vereinigten Staaten deutlich sichtbar. Zu diesen gehören gegen die schwarze Bevölkerung gerichteter Rassismus, der sich auch in Form von Polizeigewalt in den USA äußert. Wichtige Hintergründe zum Thema und weiterführende Links.

Fall George Floyd: Beispiel für Polizeigewalt in den USA

Seit der Veröffentlichung des Skandal-Videos zum Tod von George Floyd kocht die Stimmung in den Vereinigten Staaten hoch. Auf dem Video sieht man, wie sich ein Polizist so lange auf das Genick des Schwarzen kniet, bis dieser qualvoll erstickt.

Lesen Sie hier: Wer war George Floyd und was ist über seinen Tod bekannt?

Die Reaktionen auf diese Tragödie: Hilflosigkeit, Angst und vor allem Wut auf ein System, das die schwarze Bevölkerung systematisch benachteiligt. Bürgerrechtsbewegungen wie „Black Lives Matter“ reagierten und riefen zu Protesten auf.

Die anfangs friedlichen Proteste und Mahnwachen zum Tod von George Floyd eskalierten – unter anderem als sich US-Präsident Donald Trump in die Diskussion einschaltete. Auf Twitter wetterte der US-Präsident heftig und schaltete das Militär ein.Für die Demonstranten forderte er zehn Jahre Haft. Seine Drohungen rund um die „Black Lives Matter“-Proteste in den USA empfanden viele als Tabubruch. Die Gewalt bei den Protesten nahm als Reaktion auf diese Äußerungen und das harte Vorgehen der Polizisten gegen die Demonstranten zu, Gewalt und massiven Unruhen folgten – Trumps Gewaltpolitik lief ins Leere.

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Weitere Fälle von Polizeigewalt in den USA

Zuletzt, und nachdem sich die landesweiten Proteste nach Floyds Tod gerade wieder etwas gelegt hatten, heizte der Fall Rayshard Brooks erneut die Diskussion an. Der 27-jährige Brooks aus Atlanta, Vater von drei Töchtern, starb im Krankenhaus an schweren Schussverletzungen. Diese waren ihm auf dem Parkplatz eines Schnellrestaurants von einem Polizisten zugefügt worden.

Neben Brooks und Floyd gibt es viele weitere Fälle von Polizeigewalt in den USA, die sich gegen die schwarze Bevölkerung richten. Darunter zum Beispiel:

  • Amadaou Diallo (1999),
  • Michael Brown (2014) und
  • Philando Castile (2016).

Auch der Fall Eric Garner, der sich bereits im Juni 2014 ereignete, erlangte durch den Tod von George Floyd neue Aufmerksamkeit. Denn auch Garner kam durch Druck auf Hals, Nacken und Brustkorb zu Tode. Und auch er betonte bis zuletzt: „I can’t breathe“.

Ein Umstand, den Garners Mutter Gwenn Carr, als sie auf die Geschehnisse um Floyd angesprochen wurde, mit den Worten: „Es ist wie ein Echo aus dem Grab“, kommentierte.

Gewalt durch Polizisten: Muss die US-Polizei grundlegend reformiert werden?

Die Fälle George Floyd, Eric Garner und Rayshard Brooks haben auch personelle Konsequenzen. So trat Erica Fields, Polizeichefin von Atlanta, vom Dienst zurück, nachdem die Umstände des Todes von Brooks an die Öffentlichkeit gedrungen waren. Der Todesschütze, Garrett Rolfe, wurde entlassen.

Auch Derek Chauvin, der im Fall George Floyd hauptverantwortliche Polizist und ehemalige Sicherheitsbeamte in einem Club in Minneapolis, wurde inhaftiert. Er muss sich nun vor Gericht verantworten. Die Anklage: Totschlag beziehungsweise „second-degree murder“. Vor dem Hintergrund eines strukturellen Rassismus-Problems werfen die Fälle die Frage auf, ob es sinnvoll wäre, die US-Polizei grundlegend zu reformieren. Und ob diese Polizeireformen überhaupt eine Chance hätten.

Auch alle noch lebenden US-Präsidenten – Barack Obama, Bill Clinton, George W. Bush und Jimmy Carter – äußerten sich deutlich zu den Themen Polizeigewalt und struktureller Rassismus. Auffällig war, dass die Vier am gleichen Tag Stellung bezogen. Carter beispielsweise erklärte, es sei wichtig, dass sich das Land gegen Diskriminierung in Polizei und Justiz und die „unmoralische” wirtschaftliche Ungleichheit wehre.

„Black Lives Matter“: Bürgerrechtler gegen die Polizeigewalt

Die Debatte rund um das Thema rassistisch motivierte Polizeigewalt wird angeheizt durch die weltweiten „Black Lives Matter“-Proteste, die auch in Deutschland verstärkt geführt werden. Auch hierzulande geht es um die Frage, ob Deutschland ein Problem mit Rassismus und Polizeigewalt hat.

Laut eines Zwischenberichtes der Ruhr-Universität Bochum wurden von 2009 bis 2018 jährlich zwischen 2000 und 2500 Ermittlungsverfahren gegen Polizisten eingeleitet. Denn auch in Deutschland sterben Menschen nach Polizeieinsätzen oder in Haft. Ein Beispiel: Oury Jalloh, Sierra Leoner, wohnte in Dessau, Sachsen-Anhalt, starb im Januar 2005 bei einem Brand in seiner Zelle der Polizeistation in Dessau-Roßlau.

Kommentar zum Thema Polizeigewalt in Deutschland: Vorsicht vor Pauschalurteilen – Polizisten sind keine Cops!

Die Bürgerrechtsbewegung „Black Lives Matter“ (BLM) spielt bei den aktuellen Protesten eine tragende Rolle. Die BLM-Aktivisten demonstrieren bereits seit 2013 gegen Polizeigewalt in den USA. Auch deutschlandweit fanden bereits Demonstrationen unter dem Motto „Black Lives Matter“ statt – unter anderem auch auf dem Berliner Alexanderplatz mit nach Polizeiangaben rund 15.000 Teilnehmern.

Die Bewegung ist also nicht nur in den USA relevant, sondern spielt auch in Deutschland eine große Rolle. Beeinflusst wird sie zum Beispiel vom „Civil Rights Movement“ und der Black-Power-Bewegung. Manche fragen sich: Ist BLM auch eine Jugendbewegung?

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