Gesundheit

Privatpatienten werden deutlich bevorzugt beim Arzttermin

Bei einer Testabfrage in über 400 Facharztpraxen haben die Grünen im Bundestag herausgefunden: Gesetzlich Versicherte warten deutlich länger auf einen Termin als privat Versicherte.

Foto: Michael Reichel

Bei einer Testabfrage in über 400 Facharztpraxen haben die Grünen im Bundestag herausgefunden: Gesetzlich Versicherte warten deutlich länger auf einen Termin als privat Versicherte. Foto: Michael Reichel

Essen.   Die Grünen haben 400 Fachärzte in NRW angerufen und um Termine gebeten - mal als gesetzlich, mal als privat Versicherte. Mit deutlichem Ergebnis.

Gesetzlich Versicherte müssen zum Teil deutlich länger auf ei­nen Termin beim Facharzt warten als privat Versicherte. Das geht aus einer Erhebung der Grünen im Bundestag hervor, die Testanrufe in rund 400 Arztpraxen in NRW gestartet hatten. Das Ergebnis: Die Wartezeit von Kassenpatienten ist im Durchschnitt 27 Tage länger.

Auffällig sei das Gefälle zwischen den Regionen in NRW, berichtet die Grünen-Abgeordnete Maria Klein-Schmeink. In Bielefeld und Umgebung warteten Kassenpatienten 43 Tage länger auf einen Facharzttermin, im Ruhrgebiet seien es 19 Tage, in Düsseldorf 16 Tage gewesen.

90 Praxen im Ruhrgebiet abgefragt

Bei rund 30 Prozent der angerufenen Praxen habe es indes keinen oder kaum einen Unterschied gemacht, ob man Kassenpatient oder privat versichert war. Getestet wurden Praxen mit den Fachrichtungen Haut, Augen, Neurologie, Kardiologie, Radiologie und Orthopädie. Die Tester haben kurz nacheinander in den Praxen angerufen und gesagt: „Ich bin privat/gesetzlich versichert und hätte gerne einen Termin.“ Im Ruhrgebiet ging es um 90 Praxen in Dortmund, Duisburg, Essen, Herne, Oberhausen und Recklinghausen.

Vor zweieinhalb Jahren hatten die Grünen einen nahezu identischen Test in NRW unternommen. Bei der aktuellen Erhebung warteten Kassenpatienten im Vergleich dazu sieben Tage länger.

Problematisch sei die Situation für Kassenpatienten aktuell insbesondere bei Radiologen. Hier habe der Unterschied zu den privat Versicherten bei 37 Tagen gelegen. In Orthopädie-Praxen seien es lediglich 15 Tage gewesen. Ein weiteres Ergebnis der Erhebung: In vielen Fällen unterschieden sich die Wartezeiten um mehr als 100 Tage.

Seit 2016 gibt es Vermittlungsstellen der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV), die Patienten helfen sollen, zeitnah einen Facharzttermin zu bekommen. Die KV Nordrhein betonte unlängst, die Termin-Servicestelle funktioniere gut.

Die Grünen-Politikerin Maria Klein-Schmeink sagt hingegen: „Die Zahlen zeigen deutlich: Der Fehler liegt im System.“ Für die Behandlung ei­nes Privatpatienten bekomme ein Arzt nicht nur mehr Honorar, er könne auch nahezu unbegrenzt viele Leistungen abrechnen. Deswegen sei es finanziell lukrativ, möglichst viele Privatpatienten zu behandeln. Gegenwärtig seien rund 85 Prozent der Menschen in Deutschland gesetzlich krankenversichert, elf Prozent privat.

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