Interview

Remmel kontert Kraft: "Eine E-Auto-Quote ist sinnvoll"

Johannes Remmel, Umweltminister in Nordrhein-Westfalen, macht sich stark für eine verbindliche Quote bei Elektroautos.

Johannes Remmel, Umweltminister in Nordrhein-Westfalen, macht sich stark für eine verbindliche Quote bei Elektroautos.

Foto: picture alliance / dpa

Düsseldorf.  NRW-Umweltminister Remmel kontert das Nein der Ministerpräsidentin im Streit um eine Bundesratsinitiative. Kraft will keine Quote für E-Autos.

Obwohl Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) eine verbindliche Quote für E-Autos gerade klar ablehnt hat, widerspricht ihr Umweltminister Johannes Remmel öffentlich. Der Grüne will weiter für eine entsprechende Bundesratsinitiative aus NRW kämpfen.

Herr Minister, Sie machen sich für eine verbindliche Quote bei emissionsfreien Neuwagen ab 2020 stark. Warum wollen Sie den Autofahrern vorschreiben, welchen Antrieb sie kaufen sollen?

Johannes Remmel: Das will ich überhaupt nicht. Wir müssen uns vielmehr Gedanken darüber machen, wie Elektrofahrzeuge oder Autos mit Wasserstoffantrieb zu bezahlbaren Angeboten für den Massenmarkt werden. Der Straßenverkehr ist maßgeblicher Verursacher der hohen Stickoxidbelastung. Die EU-Kommission hat wegen permanenter Überschreitung von Grenzwerten in zwölf NRW-Städten bereits Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. Wenn der Umstieg auf mehr emissionsfreien Verkehr nicht gelingt, drohen Fahrverbote. Das will ich nicht, denn das trifft jeden einzelnen Autofahrer.

Bislang sind E-Autos trotz Kaufprämien Ladenhüter. Warum gehört für Sie eine verbindliche Quote bei der Neuwagen-Zulassung zum Instrumentenkasten?

Remmel: Eine verbindliche Neufahrzeug-Quote für die Hersteller wäre sinnvoll. In Kalifornien habe ich mir ein vielversprechendes Modell angesehen, das ich mir auch für den deutschen Markt vorstellen kann. Hersteller müssen dort für einen gewissen Prozentsatz ihres Neuwagen-Verkaufs Gutschriften für emissionsfreie Fahrzeuge nachweisen. Entweder sie produzieren E-Fahrzeuge selbst oder kaufen anderen Herstellern überschüssige Gutschriften ab. So erreichen wir eine höhere Stückzahl und machen den Abschied vom Verbrennungsmotor wirtschaftlicher.

Die großen deutschen Hersteller sperren sich gegen eine solche Quersubventionierung. Warum sollte ausgerechnet NRW eine solche Initiative im Bundesrat ergreifen?

Remmel: Nordrhein-Westfalen beheimatet ein Drittel der Zulieferindustrie in der Autobranche. Ich will nicht, dass sie den Anschluss an innovative Technologien verpasst . NRW als bevölkerungsreichstes Land sollte hier ein politisches Zeichen setzen. In China müssen vom kommenden Jahr an acht Prozent aller Neufahrzeuge emissionsfrei sein. Mit dem Festhalten an bewährten Geschäftsmodellen könnten wir sehr schnell Zukunftschancen verspielen.

Warum vertrauen Sie nicht auf die Innovationskraft der deutschen Autoindustrie?

Die Grüne Hauptstadt fährt ab sofort elektrisch Remmel: Weil gerade die Hersteller bisher diese Entwicklung verschlafen haben – ob bewusst oder ungewollt. Vielen Innovationen sind umweltpolitische Leitentscheidungen vorausgegangen. Sonst gäbe es keinen Katalysator und keine Start-Stop-Automatik. Nordrhein-Westfalen hat ein hohes Interesse, die Klimaschutzziele zu erreichen und Zehntausende Arbeitsplätze in der gesamten Wertschöpfungskette der Automobilindustrie zu erhalten. Deshalb müssen wir mit Rahmenbedingungen die emissionsfreie Mobilität jetzt unterstützen.

Haben Sie sich deshalb einen Tesla Model S mit mehr als 400 PS für 110.000 Euro als Dienstwagen bestellt?

Remmel: Das ist nicht mein persönlicher Dienstwagen. Das Landesumweltamt testet den Tesla im Rahmen eines Pilotversuchs bei verschiedenen Fahrtenvarianten. Es war das einzige E-Modell am Markt, das Reichweiten von rund 500 Kilometer garantiert und eine Schnellladung innerhalb einer halben Stunde ermöglicht. Die deutschen Hersteller sind bisher dazu nicht in der Lage.

Warum muss das Land solch ein Luxusauto für Versuchszwecke gleich kaufen?

Remmel: Die bei anderen Herstellern üblichen Leasingangebote wären beim Tesla für das Land unwirtschaftlich gewesen. Der Anschaffungspreis liegt umgerechnet aber im Rahmen dessen, was im Fuhrpark von Landesregierungen auch sonst für Dienstfahrzeuge der Minister veranschlagt werden müsste.

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