Altersvorsorge

Rente: Wie Sie Ihre Renten-Höhe selbst berechnen können

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Für diese Rentner gibt es die Grundrente

Für diese Rentner gibt es die Grundrente

Bis zu 418 Euro kann der Zuschlag betragen, den die Bundesregierung im Januar 2021 beschlossen hat. Die Grundrente wird seit Juli ausgezahlt. Aber nicht alle haben Anspruch auf die Zuschläge.

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Berlin.   Wer wissen will, wie viel Rente er erhält, muss nicht auf den Bescheid warten. So berechnen Sie Ihre Rente in vier einfachen Schritten.

  • Wie viel Rente man später bekommt, erfährt man im kährlichen Rentenbescheid
  • Wer darauf nicht warten möchte, kann seine Pension auch mithilfe einer einfachen Formel ausrechnen
  • Wie diese funktioniert, erklären wir Ihnen hier

Wer das 27. Lebensjahr erreicht hat und in der gesetzlichen Rente versichert ist, bekommt einmal im Jahr seinen Rentenbescheid zugeschickt. In der Post von der Deutschen Rentenversicherung kann der- oder diejenige dann lesen, wie hoch seine oder ihre monatliche Rente in der Zukunft ausfallen könnte.

Doch wer seinen Ruhestand finanziell planen will, muss dafür nicht extra auf die DRV warten. Mit einer einfachen Rechnung, lässt sich relativ genau bestimmen, wie hoch die monatliche Rente sein wird. Wobei in der sogenannten Rentenformel, keine außergewöhnlichen Investitionen in die Rente, wie Ausgleichszahlungen, Boni oder auch Weihnachtsgeld berücksichtigt werden.

Für das Verständnis der Rentenformel muss man zunächst wissen, wie die monatliche Bruttorente berechnet wird. Entscheidend dafür sind vier Faktoren:

Rente berechnen Schritt Eins: So funktionieren die Entgeltpunkte

Die Entgeltpunkte berechnen sich durch das Verhältnis zwischen dem eigenen Jahreseinkommen und dem durchschnittlichen Jahreseinkommen aller Versicherten. Das liegt laut DRV aktuell bei 40.551 Euro. Wer genauso viel verdient wie der Durchschnitt, bekommt für das entsprechende Jahr genau einen Entgeltpunkt. Bei mehr oder weniger Gehalt, wird die Differenz prozentual auf die Entgeltpunkte angerechnet. Um sie herauszufinden, muss der Versicherte also sein Jahreseinkommen in brutto durch das durchschnittliche Bruttojahreseinkommen aller Versicherten teilen.

Dabei zu beachten: Wegen der Beitragsbemessungsgrenze gibt es ein Maximalgehalt, das angegeben werden kann. Der Verdienst, der über diesem Maximum liegt, fließt nicht mehr in die Berechnung der Entgeltpunkte ein. Die Beitragsbemessungsgrenze wird jährlich angepasst und liegt für 2021 bei 85.200 (West), 80.400 (Ost) Jahreseinkommen.

Dazu bekommen Mütter oder Väter pro Kind, dass nach 1992 geboren wurde, bis zu drei Jahre bei der Rente gut geschrieben. Für Kinder, die vor 1992 geboren sind, sind es maximal zwei Jahre und sechs Monate. Die DRV berechnet diese Jahre ungefähr so, als hätte der oder die Versicherte in dieser Zeit das Durchschnittsbruttoeinkommen verdient. Pro Jahr sogenannter Kindererziehungszeit gibt es also zirka einen Entgeltpunkt. Wer während der Kindererziehungszeit weiter arbeiten geht, bekommt die Entgeltpunkte zusätzlich zu den "normalen" Punkten gutgeschrieben. Aber Vorsicht: Die Kindererziehungszeiten müssen bei der DRV selbst beantragt werden und es kann immer nur ein Elternteil von ihnen profitieren.

Beispielrechnung

  • Eine angestellte Bäckerin hat 2021 30.000 Euro verdient.
  • Das ergibt geteilt durch 40.551 rund 0,74 Entgeltpunkte, die für dieses Jahr auf ihr Rentenkonto wandern.
  • Die Bäckerin hat zudem zwei Kinder, für deren Erziehungszeit sie insgesamt fünf Entgeltpunkte angerechnet bekommt.
  • Insgesamt arbeitet die Bäckerin bereits seit 41 Jahren und hat dabei vor 2021 im Schnitt 0,7 Entgeltpunkte jährlich gesammelt.
  • Insgesamt hat die Bäckerin damit 34,44 Entgeltpunkte (41x0,7+ 0,74 + 5).

Rente berechnen Schritt Zwei: Das hat es mit dem Zugangsfaktor auf sich

Der Zugangsfaktor ist davon abhängig, zu welchem Zeitpunkt der Eintritt in die Rente erfolgt. Wer mit dem Erreichen der gesetzlich festgelegten Regelaltersgrenze in Rente geht, hat den Zugangsfaktor 1. Für alle Jahrgänge ab 1964 gilt die Regelaltersgrenze von 67 Jahren. Für jeden Monat, den man vor der Regelaltersgrenze in den Ruhestand geht, müssen 0,003 Punkte vom Zugangsfaktor 1 abgezogen werden.

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Das frühestmögliche Eintrittsdatum in die Rente liegt übrigens vier Jahre vor Erreichen der Regelaltersgrenze. Dann müsste man mit der maximalen Kürzung von 14,4 Prozent oder eben 0,144 Punkten Abzug auf den Zugangsfaktor rechnen. Nur für besonders langjährig Versicherte gelten Ausnahmen. Wer mindestens 45 Jahre in die Rentenversicherung einbezahlt hat, kann zwei Jahre vor Erreichen der Regelaltersgrenze ohne Abzüge in Rente gehen.

Beispielrechnung

  • Die Bäckerin hat genug von Brot, Brezeln und Brötchen und möchte mit 65 Jahren in Rente gehen.
  • Sie ist 1964 geboren und müsste daher für ihr Ziel bis 2029 arbeiten.
  • Da sie zwei Jahre vor Erreichen der Regelaltersgrenze in den Ruhestand will, werden ihr 24 Monate a 0,003 Prozentpunkte vom Zugangsfaktor abgezogen.
  • Der Zugangsfaktor der Bäckerin beträgt also 0,928.

Rente berechnen Schritt Drei: Der aktuelle Rentenwert

Wenn von der Rentenerhöhung gesprochen wird, dann ist in der Regel der Rentenwert gemeint. Diese Zahl bestimmt den Gegenwert, der für jeden gesammelten Entgeltpunkt im Ruhestand monatlich ausgezahlt wird. Der Rentenwert wird jedes Jahr angepasst. Je nachdem wie sich die wirtschaftliche Situation aber vor allem die Bruttolöhne aller Arbeitnehmer entwickeln. Wie die Anpassung genau berechnet wird, legt Paragraph 68 des Sozialgesetzbuches VI fest. Aktuell beträgt der Rentenwert im Westen 34,19 Euro und im Osten 33,47 Euro. Erst 2025 sollen in neuen und alten Bundesländern die gleichen Rentenwerte gelten.

Rente berechnen Schritt Vier: Den Rentenartfaktor einbeziehen

In der gesetzlichen Rentenversicherung gibt es nicht nur die "normale" Rente, die im Fachjargon auch Altersrente genannt wird. In Deutschland beziehen laut DRV beispielsweise 1,82 Millionen Menschen eine Erwerbsminderungsrente. Wer zu krank ist, um arbeiten zu können, bekommt eine Rente wegen voller Erwerbsminderung. Wer trotz Krankheit zwischen minimal drei und maximal sechs Stunden am Tag arbeiten kann, bekommt eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung. Die Art der Rente ist wichtig für die Rentenformel, denn je nach Rente fließt ein unterschiedlicher Rentenfaktor mit ein.

  • Altersrenten, Erziehungsrenten und Renten wegen voller Erwerbsminderung haben den Faktor 1.
  • Renten wegen teilweiser Erwerbsminderung haben den Faktor 0,5.
  • Vollwaisenrenten haben den Faktor 0,2.
  • Halbwaisenrenten haben den Faktor 0,1.
  • Die Witwenrente hat den Faktor 0,6 wenn der Partner oder die Partnerin vor 1962 geboren ist. Andernfalls gilt der Faktor 0,55.

Wer Entgeltpunkte, Zugangsfaktor, Rentenwert und Rentenartfaktor beisammen hat, kann nun ganz einfach berechnen, wie hoch die monatlichen Bezüge aus der gesetzlichen Rente aktuell ausfallen würden. Dafür müssen die vier Werte einfach miteinander multipliziert werden.

Beispielrechnung

  • Die Bäckerin geht davon aus, dass sie eine normale Altersrente in Anspruch nehmen wird. Ihr Rentenfaktor beträgt demnach 1.
  • Ihr Zugangsfaktor beträgt 0,928.
  • Sie hat bisher 34,44 Entgeltpunkte gesammelt.
  • Sie kommt aus Essen und kalkuliert daher mit dem Rentenwert West von 34,19 Euro.
  • Die Bäckerin würde demnach aktuell eine monatliche Rente von 1092,72 Euro erhalten.

Die monatliche Bezüge, die sich mit der Rentenformel errechnen lassen, sind ein guter Richtwert für die eigene Finanzplanung des Ruhestands. Da sich vor allem der Rentenwert jährlich ändert, sollte man aber auf keinen Fall davon ausgehen, dass der berechnete Wert auch garantiert ist.

Zumal sich alle großen Parteien in Deutschland eine Reform der Rente als Ziel gesetzt haben. Sei es zum Beispiel die Einführung eines Rentenfonds, wie es Grüne und FDP fordern oder die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung, wie es Wirtschaftsexperten bereits vorgeschlagen haben.

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