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Rentner bei Entlastungspaket vergessen? Regierung reagiert

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So will die Bundesregierung Bürgerinnen und Bürger entlasten

So will die Bundesregierung Bürgerinnen und Bürger entlasten

Zur Abfederung der immens gestiegenen Energiekosten hat die Ampel-Koalition ein zweites Maßnahmenpaket in Milliardenhöhe für die Bürgerinnen und Bürger geschnürt: So sind unter anderem eine Energiepreispauschale von 300 Euro, ein reduzierter Spritpreis, Hilfen für Familien sowie günstige Tickets für den Nahverkehr vorgesehen.

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Berlin  Rentnerinnen und Rentner sind von der Inflation besonders betroffen. Viele fühlen sich vergessen. So reagiert die Bundesregierung.

  • Galoppierende Kosten für Lebensmittel, Energie und Miete setzen insbesondere Rentnerinnen und Rentnern zu.
  • Der Sozialverband VdK schlägt Alarm. "Mit jeder Woche, in der nichts passiert, wächst die Wut", heißt es.
  • Der Bund reagiert und will in einem neuen Entlastungspaket besonders Rentnerinnen und Rentner in den Fokus nehmen.

Viele Rentner in Deutschland sind verärgert. Genau wie Studierende sollen sie die Energiepreispauschale in Höhe von 300 Euro nicht erhalten. Beim Sozialverband VdK sorgt das für Empörung. "Die Lösung für Rentnerinnen und Rentner kann nicht heißen: Grundsicherung oder Tafel", entrüstete sich die VdK-Vorsitzende Verena Bentele Anfang dieser Woche.

Rente: "Die Wut wächst"

In der Tat wird es gerade für Menschen mit geringer Rente immer schwieriger, angesichts steigender Kosten in vielen Lebenssbereichen über die Runden zu kommen. Die letzte Rentenerhöhung gab es zwar erst zum 1. Juli, doch die Inflation hat das Plus im Geldbeutel schon längst wieder aufgefressen.

Dass Rentner nach den ursprünglichen Plänen des Bundes wegen der Rentenerhöhung bei der Energiepreispauschale leer ausgehen, stößt auf breites Unverständnis. "Die Menschen haben das Gefühl, dass die Regierung sie vergisst", sagt Bentele und warnt: "Mit jeder Woche, in der nichts passiert, wächst die Wut." Ein Teil der Bevölkerung werde an den Rand des Existenzminimums gedrängt, heißt es weiter. Lesen Sie auch: Energiepauschale: Haben Millionen Deutsche nun ein Problem?

Der Hilferuf scheint nun aber auch bei der Bundesregierung angekommen zu sein. Nach wochenlanger Diskussion wollen die Parteien der Ampel-Koalition am Samstag eine Einigung über ein neues Entlastungspaket suchen. Der Koalitionsausschuss komme dazu am Vormittag zusammen, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Freitag aus Koalitionskreisen.

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hatte am Mittwoch ein "wuchtiges Paket" zur Entlastung von Bürgern und Unternehmen angesichts der stark gestiegenen Energie- und Lebenshaltungskosten angekündigt. Und dieses soll nun auch stärker Geringverdienende und Rentnerinnen und Rentner in den Blick nehmen.

Inhalt des neuen Entlastungspakets noch unklar

Wie genau das Entlastungspaket aussehen soll, ist allerdings noch unklar. Bislang hört man vor allem Absichtserklärungen. Die Regierung ist sich nach den Worten von Bundeskanzler Olaf Scholz "einig, etwas für diejenigen tun zu wollen, die wenig Geld verdienen".

"Wir wollen das Wohngeld so reformieren, dass mehr Leute davon profitieren, und Hartz IV werden wir zu Beginn des kommenden Jahres durch das neue Bürgergeld ersetzen", bekräftigte er in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. "Und wir werden etwas für Rentnerinnen, Rentner und Studierende tun und für viele die Steuern senken." Auch interessant: Wann wird Energiepauschale gezahlt? Alle wichtigen Fragen

Der Sozialverband Deutschland (SOVD) hat da schon klarere Vorstellungen. Die Bundesvorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier fordert unter anderem eine Heizkostenkomponente beim Wohngeld, den Verzicht auf Gas- und Stromsperren, eine Energiepreispauschale auch für Rentner und Studierende, sowie ein Inflationsgeld für alle.

Verdi droht mit bundesweiten Demonstrationen

Sollte die Entlastung nicht kommen oder zu gering ausfallen, baut die Gewerkschaft Verdi schon einmal eine Drohkulisse auf und kündigt bundesweite Proteste an. Um die finanziellen Härten durch die Energiepreis-Explosion auszugleichen, muss der Staat noch einmal "20 bis 30 Milliarden Euro in diesem Jahr zusätzlich in die Hand nehmen", sagte Verdi-Chef Frank Werneke der "Augsburger Allgemeinen". Sollte dies nicht passieren, drohe Deutschland ein heißer Herbst. Lesen Sie auch: Urteil: Energieversorger dürfen Preise nicht erhöhen

Verdi bereite mit anderen Gewerkschaften und Sozialverbänden auch Demonstrationen im Laufe des Herbstes vor. „Die werden dann notwendig, wenn die Bundesregierung die Bürgerinnen und Bürger nicht ausreichend entlastet.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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