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Schmuggel von Shisha-Tabak: 130 Millionen Euro Steuerschaden

Warum Shisha-Rauchen gefährlich ist

Warum Shisha-Rauchen gefährlich werden kann

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Berlin  Durch den Handel mit illegalem Wasserpfeifentabak entgehen Deutschland riesige Steuersummen. Das Geschäft mit den Shisha-Bars boomt.

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Durch den Schmuggel von Wasserpfeifentabak sind Deutschland in den vergangenen vier Jahren Steuereinnahmen von mehr als 130 Millionen Euro entgangen. Diese Schätzung nannte die Bundesregierung auf eine schriftliche Anfrage des Bundestagsabgeordneten Markus Herbrand (FDP), die unserer Redaktion exklusiv vorliegt.

Mit ihrer Schätzung veröffentlicht die Bundesregierung erstmals zusammenfassend Zahlen zum Handel mit illegalem Wasserpfeifentabak. Höhepunkt bildete bislang das Jahr 2016 mit einem errechneten Steuerschaden von mehr als 53 Millionen Euro, gefolgt von 43 Millionen Euro im Jahr 2017. Für das Jahr 2018 gibt es noch keine verlässlichen Zahlen.

FDP-Politiker Herbrand sagte unserer Redaktion: „Schmuggel von Shisha-Tabak sorgt mittlerweile für enorme Steuerausfälle.“ Herbrand mahnte, dass diese Entwicklung nicht ignoriert werden dürfe und die Bundesregierung den Zoll deshalb mit ausreichend Personal und besserer Technik ausrüsten müsse.

Ein Viertel des Gesamtschadens durch illegalen Tabakhandel

Für Ermittler ist dieser Trend nicht überraschend. Die gemeinsam geführte „Ermittlungsgruppe Zigaretten“ (GE Zig) von Berliner Zollfahndung und Landeskriminalamt soll sich zunehmend auf Shisha-Tabak konzentrieren – auch weil dieser immer wichtiger wird.

Zum Vergleich: Mit 130 Millionen Euro Steuerschaden in den vergangenen vier Jahren macht unversteuerter Wasserpfeifentabak mittlerweile ein Viertel des Gesamtschadens durch illegalen Tabakhandel von 440 Millionen Euro aus. Die Hauptzollämter in Frankfurt (Oder) und in Berlin, aber auch die Zollämter in Duisburg und Essen gelten dabei als Hotspots der Ermittlungsarbeit.

Denn das Geschäft mit Wasserpfeifentabak boomt – legal und illegal. In Großstädten von Berlin bis Nordrhein-Westfalen haben in den vergangenen Jahren etliche Bars und Cafés neu eröffnet. Ende 2018 ging eine Nachricht um: Shisha-Boom rettet Deutschlands Tabakbauern. 96 Prozent des Anbaus landen irgendwann in einer Wasserpfeife – jedes Jahr fast 5000 Tonnen.

Wo jedoch der Umsatz wächst, blüht auch das illegale Geschäft. Für die Ermittler ist die Shisha-Bar immer häufiger ein Einsatzort. Der Handel mit illegalem Tabak wächst, in den Cafés herrschen oft gefährliche Sicherheitslücken. Und Bars dienen Kriminellen als Treffpunkt.

Staat schaute lange Zeit nicht genau hin

Lange Zeit schenkten die Behörden dem wachsenden illegalen Markt nur geringe Aufmerksamkeit. In bestimmten Vierteln konnten sich Geschäfte vorbei am Fiskus etablieren. Erst seit einigen Jahren reagiert der Staat.

Der Berliner Bezirk Neukölln lässt regelmäßig Shisha-Bars schließen, weil Kohlenmonoxid-Werte zu hoch sind. Bei Einsätzen von Zoll, Polizei und Bezirk finden die Ermittler bei jedem Einsatz unversteuerten Shisha-Tabak.

Wie viel Steuereinnahmen dem Staat tatsächlich verloren gehen, kann die Bundesregierung nur schätzen und in Hochrechnungen abbilden. Die Regierungsantwort gibt zudem ausschließlich die sichergestellten Mengen an Wasserpfeifentabak an, also den Shisha-Tabak, den Polizisten und Zöllner etwa bei Durchsuchungen beschlagnahmten.

Noch deutlich mehr illegaler Tabak im Umlauf

Durch Überwachungsmaßnahmen oder Vernehmungen von Zeugen und Beschuldigten wissen die Fahnder jedoch von deutlich mehr Tabak, der im Umlauf ist. Nur konnten Ermittler diese Mengen nicht sicherstellen.

Auf Nachfrage unserer Redaktion teilt die Generalzolldirektion mit, dass die Beamten in ihren diversen Verfahren zwischen 2014 und 2017 zu den beschlagnahmten Waren zusätzliche Kenntnisse zu fast 800.000 Kilo unversteuertem und damit illegalem Wasserpfeifentabak ermitteln konnten.

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