Digitalpakt

Schüler aus NRW fordern mehr Geld für digitalere Schulen

Digitalisierung? Da müssen die schulen besser werden, finden (v.l. hinten) Philipp (18), Melina (19) und Alessandro (18) sowie (vorne) Yusuf (18), Sophie (18) und Ranujan (17). Sie besuchen das Gymnasium Essen Nord-Ost.

Digitalisierung? Da müssen die schulen besser werden, finden (v.l. hinten) Philipp (18), Melina (19) und Alessandro (18) sowie (vorne) Yusuf (18), Sophie (18) und Ranujan (17). Sie besuchen das Gymnasium Essen Nord-Ost.

Foto: Lars Heidrich

Essen.   Tablets, WLAN, smarte Tafeln - mit Bundeshilfe soll das in NRW möglich sein. Jetzt treten die Länder auf die Bremse. Schüler fordern: Einigt euch

Schule im Jahr 2018, das heißt: Arbeitsblätter werden immer noch kopiert, wenn der Kopierer denn funktioniert. Beamer mögen vorhanden sein, aber so wenige, dass sich die Lehrer darum streiten müssen. Gibt es WLAN, muss das Signal nicht ausreichen, damit auch alle Schüler den Zugang auch nutzen können. Tablets für jeden, intelligente Tafeln in allen Klassenzimmern, Apps, die den Unterricht erleichtern? Davon sind viele Schulen weit entfernt. „Was Technik und Digitales angeht, sind wir ganz schön rückständig“, findet Sophie.

Die 18-Jährige geht zum Essener Gymnasium Nord-Ost. Das sei der Vollständigkeit halber gesagt, denn eigentlich macht es kaum einen Unterschied, wo in Nordrhein-Westfalen sie zur Schule geht. Beim Thema Digitalisierung haben die NRW-Schulen insgesamt einen hohen Nachholbedarf. Das zeigte zuletzt der bundesweite Bildungsmonitor 2018 mit dem Schwerpunkt Digitales: NRW schaffte es gerade noch auf Platz 15 von 16 Ländern Der Investitionsstau an den Schulen wird landesweit auf rund acht Milliarden Euro geschätzt, das umfasst auch, aber nicht nur die Digitalisierung.

Der Bund will Abhilfe schaffen und hat bereits 2016 angekündigt, über fünf Jahre eine Milliarde Euro für die digitale Schule in NRW auszugeben. Weil Bildung Ländersache ist, muss dafür das Grundgesetz geändert werden. Das Land NRW fürchtet aber um seine Hoheit in Bildungsfragen. Am Mittwoch haben Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und die 15 anderen Länderchefs die für den „Digitalpakt“ nötige Grundgesetzänderung vorerst gestoppt, um neu zu verhandeln. In Regierungskreisen hieß es am Mittwochnachmittag, der Digitalpakt könne sich um einige Monate verschieben.

„Wir wollen, dass investiert wird“

Schüler ärgert das. Am Gymnasium Nord-Ost sitzt eine Gruppe Abiturienten zusammen. Die Jugendlichen erzählen, dass das WLAN der Schule nicht immer funktioniere, es aber drei PC-Räume gebe, dass im Unterricht immer noch Overhead-Projektoren genutzt würden wie man sie in den 80er und 90ern kannte, weil es zu wenig der neu angeschafften Dokumentenkameras gebe.

Die 18-jährige Houda findet, dass es da doch eine verpasste Chance sei, wenn NRW nun Bundesgelder für die Digitalisierung nicht sofort nutzen würde. „Das brauchen wir doch später auch im Job.“ Die Schulen bräuchten die Milliarde, ergänzt Schülersprecher Ranujan. „Und wir Schüler wollen, dass investiert wird.“ Wenn nicht mit Bundesgeldern, dann bitte auf anderem Weg, sagt Sophie noch.

Preisgelder und Spenden werden genutzt

Am Gymnasium Nord-Ost sind es engagierte Lehrer, Schulleitung und Eltern, die versuchen, Bedarfe aufzufangen. Udo Brennholt, seit elf Jahren Leiter des Gymnasiums, nutzt Preisgelder aus Schulwettbewerben, um Anschaffungen zu stemmen, er buhlt um Teilnahme am Landesförderprogramm „Talentschule“, um zusätzliche Ausstattung zu erhalten.

Eltern sammeln als Förderverein Spenden ein. 2019 wird daraus für 7500 Euro die erste mobile intelligente Touch-Screen-Tafel mit 86 Zoll angeschafft. „Das erste digitale Großgerät der Schule“, sagt Brennholt. Eines für über 850 Schüler. „Natürlich bräuchten wir solch einen Touchscreen für jede Klasse“, sagt Brennholt. Die Schule soll 2021 in einen Neubau ziehen. „Dann hoffen wir, dass auch digital aufgerüstet wird.“

„Ich kann nicht nachvollziehen, warum wir das Geld nicht annehmen. Die Schulen in Deutschland sollten doch alle nach gleichen Standards ausgestattet sein, damit auch alle die gleicehn chancen haben.“ Alan, 18 Jahre alt. Foto: Lars Heidrich Tablets und Laptops für jeden Schüler

Die Wunschliste der Schüler ist lang und gar nicht ausufernd. Jeder Schüler sollte ein Tablet gestellt bekommen, sagt Elion, oder gleich einen Laptop, ergänzt Maria. „Nicht jede Familie kann sich so ein Gerät leisten, aber es sollten doch alle Schüler die gleichen Chancen bekommen.“ Eine App, die mobil über ausfallende Stunden informiert, WLAN für alle, solche Forderungen kommen auf.

Trotzdem bleiben sie differenziert. Nicht alle finden es schwer nachzuvollziehen, warum NRW die Bundesgelder nicht einfach annimmt. Philipp kann die Bedenken verstehen: „Ich finde es natürlich nicht gut, dass das jetzt blockiert wird. Aber es ist auch nicht gut, wenn sich die Bundesregierung in alles einmischen kann. Bildung ist doch Ländersache.“

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