Offener Ganztag

Eltern verzweifeln: Es fehlen Ganztagsplätze an Grundschulen

Viele Eltern von Grundschülern stehen zu Beginn dieses Schuljahres vor einem Betreuungsproblem.

Viele Eltern von Grundschülern stehen zu Beginn dieses Schuljahres vor einem Betreuungsproblem.

Foto: dpa

Essen.   Fest steht: Es gibt einen Mangel. Aber viele Kommunen in NRW haben keinen Überblick, wie viele Kinder auf Wartelisten für einen OGS-Platz stehen.

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Eltern von Schulanfängern kennen das Problem: Seit Jahren wird der Nachwuchs in der Kita verlässlich bis mindestens 16 Uhr betreut, längst gehen beide Elternteile wieder arbeiten, vielleicht sogar in Vollzeit - und dann steht die Einschulung an. Schultage für Erstklässler enden in den meisten Fällen vor 12 Uhr mittags. Ein Platz im Offenen Ganztag (OGS) an Grundschulen soll Familien in dieser Situation helfen. Im OGS werden die Kinder ebenfalls bis mindestens 16 Uhr betreut, bekommen Hilfe bei den Hausaufgaben und können an AGs teilnehmen - eigentlich eine gute Lösung. Trotzdem stehen viele Familien in NRW mit der Einschulung ihrer "I-Dötzchen" plötzlich wieder vor einem enormen Betreuungsproblem.

Der Grund: In vielen Städten fehlen Plätze im Offenen Ganztag. In Dortmund stehen zu Beginn des Schuljahres mehr als 250 Kinder auf der Warteliste für einen Platz, in Witten und Castrop-Rauxel sind es jeweils etwa 50 Kinder, in Recklinghausen 35. Auch in der Landeshauptstadt Düsseldorf fehlen Plätze: Aktuell können hier rund 70 Prozent der Grundschüler mit einem Betreuungsplatz versorgt werden, die Stadt schätzt aber, dass eine Versorgungsquote von etwa 80 Prozent nötig wäre, um den Bedarf zu decken.

Viele NRW-Kommunen wissen nicht, wie viele OGS-Plätze fehlen

Hinzu kommt, dass viele Kommunen im Land offensichtlich gar nicht wissen, wieviele OGS-Betreuungsplätze in ihrem Stadtgebiet insgesamt fehlen. Die Stadt Essen berichtet auf Anfrage, man habe für das beginnende Schuljahr zehn neue Gruppen im Offenen Ganztag geschaffen und könne aktuell insgesamt rund 9600 Kinder betreuen, das sind etwa 50 Prozent aller Essener Grundschüler. Aber, so die Pressestelle der Stadt weiter: "Über die Anzahl der Schüler und Schülerinnen auf den Wartelisten können seitens der Stadt keine Angaben gemacht werden, da diese Informationen allein bei den einzelnen Schulstandorten liegen."

Auch die Stadt Duisburg teilt auf Anfrage mit, man wisse zwar, dass für das kommende Schuljahr etwa 6.200 Plätze an Duisburger Schulen vergeben worden seien, man habe aber keine Informationen dazu, ob es möglicherweise an einzelnen Schulen noch Wartelisten gibt. Die Stadt Bochum verweist bezüglich der Wartelisten ebenfalls auf die Schulen und die Träger der Ganztagsgruppen.

In Mülheim hingegen sind die Zahlen bekannt: Hier stehen zu Beginn des Schuljahres 2018/19 etwa 200 Kinder auf den Wartelisten der Schulen für den Offenen Ganztag. An zwei Mülheimer Grundschulen konnte jeweils eine neue Gruppe geschaffen werden, insgesamt 60 Kinder kommen so wohl doch noch zu einem Betreuungsplatz im OGS.

Außerdem weist die Stadt Mülheim darauf hin, dass an manchen Grundschulen im Stadtgebiet noch Plätze frei seien und hat deshalb folgenden Tipp für verzweifelte Mütter und Väter: "Eltern, die an ihrer Wunschschule für ihr Kind keinen Platz in der Offenen Ganztagsschule erhalten haben, wurden seitens der Schulleitungen dahingehend beraten, ihr Kind an Schulen mit freien Kapazitäten anzumelden", teilt die Pressestelle der Stadt auf Anfrage mit. Unabhängig davon, ob die Schule in der Nähe des Wohnortes liegt oder ob Konzept und Angebot der Grundschule zum Bedarf des Kindes passen.

Feste Kriterien für die Aufnahme im Offenen Ganztag

Der Mangel an Plätzen in der OGS-Betreuung ist so groß, dass es inzwischen in fast allen Städten feste Kriterien gibt, nach denen die Schulen die vorhandenen Plätze verteilen sollen. Die Berufstätigkeit der Eltern ist meist zwingende Voraussetzung für die Aufnahme eines Kindes im offenen Ganztag. Aber auch der Förderbedarf des Kindes spielt eine Rolle und kann von der Schule als wichtiger Grund für eine Aufnahme bewertet werden. Zudem sollen die Schulen berücksichtigen, ob bereits ein Geschwisterkind betreut wird und wie lange die Familien schon auf der Warteliste stehen.

Viele Kommunen haben außerdem sogenannte Härtefallregelungen. Die sollen beispielsweise gewährleisten, dass auch Kinder, die bisher nicht auf der Warteliste standen, bei denen sich aber aus familiären Gründen ganz plötzlich ein Betreuungsbedarf ergibt, eine Chance auf einen Ganztagsplatz haben. Die Entscheidung darüber, welche Kinder einen Betreuungsplatz erhalten und welche nicht, liegt - im Rahmen dieser Vorgaben - letztendlich aber bei bei den Schulen und bei den Trägern der Ganztagsgruppen.

Einen Rechtsanspruch für einen Platz in der OGS-Betreuung an Grundschulen gibt es derzeit noch nicht. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer teilte aber bereits im Januar dieses Jahres mit, dass das Land Nordrhein-Westfalen bereit sei, unter Beteiligung des Bundes langfristig den Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz zu ermöglichen.

Den Eltern, deren Kinder dieses Jahr in die Grundschule kommen und die keinen Betreuungsplatz im Offenen Ganztag bekommen haben, wird das nicht helfen. Ihnen bleibt vorerst nur ein Platz auf den langen Wartelisten der Schulen im Land.

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