Verkehr

Stauforscher wendet sich gegen Tempolimits auf Autobahnen

Straßenwärter montieren ein Schild mit der Aufschrift „130“.

Straßenwärter montieren ein Schild mit der Aufschrift „130“.

Foto: dpa

Duisburg.   Stauforscher Michael Schreckenberg hält nichts von Tempo 130 auf Autobahnen. Das Argument, so würden Staus vermieden, sei „Quatsch“.

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Der Stauforscher Michael Schreckenberg hat sich gegen Tempolimits auf Autobahnen ausgesprochen. „Ein Tempolimit ist nicht zielführend“, sagte der Verkehrsexperte von der Universität Duisburg-Essen.

„Ich halte geregelte Geschwindigkeitsbeschränkungen für gerechtfertigt, wenn der Verkehr dichter wird - durch variable Anzeigen. Das gibt es bereits auf vielen Strecken.“

Arbeitsgruppe hatte Tempo 130 angeregt

Am vergangenen Freitag waren Überlegungen einer von der Regierung eingesetzten Arbeitsgruppe zu mehr Klimaschutz im Verkehr bekannt geworden - darunter ein Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen.

Es handelt sich allerdings um einen ersten Vorschlag, „mit dem in keiner Weise Vorfestlegungen verbunden sind“, wie es in dem Papier heißt. Dennoch folgte eine heftige Debatte.

„Tempolimit übertrieben und nicht angemessen“

Schreckenberg sagte: „Bei den wenigen ausgebauten Strecken, die wir noch haben, und der besseren Fahrzeugtechnik halte ich ein Tempolimit für übertrieben und nicht angemessen.“

Es gebe drei Argumente, die man für ein Tempolimit anführe. „Das erste ist, Staus zu vermeiden. Das ist aber Quatsch. Die Entstehung von Staus ist nicht primär davon abhängig, ob ich 120 oder 160 fahre.“

Ablenkung durch Smartphones das größere Risiko

Das zweite Argument sei der geringere CO2-Ausstoß. Doch auch dieses Argument sei „nicht haltbar, da sich die Fahrzeugtechnik und damit der Kraftstoffverbrauch verbessert haben. Das dritte ist die Verkehrssicherheit. Aber ob ich mit Tempo 100 oder 160 vor den Baum fahre - ich bin in beiden Fällen tot.“

Eines der größten Risiken sei die Ablenkung von Fahrern etwa durch Smartphones. „Hier muss die Politik ansetzen, um die Unfallzahlen zu senken.“ Beim Klimaschutz im Verkehr sei das größte Problem, dass der öffentliche Personenverkehr sträflich vernachlässigt werde.

Sinnvoll sei ein Nulltarif, der den Staat geschätzt 13 Milliarden Euro pro Jahr koste. „Der öffentliche Verkehr muss gestärkt werden. Nicht nur viele Bahnhöfe sind in einem miserablen Zustand.“ (dpa)

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