Einkommen

Wer 2019 am meisten von Steuersenkungen profitiert

Steuersenkungen gibt es 2019 für viele Personengruppen.

Steuersenkungen gibt es 2019 für viele Personengruppen.

Foto: imago stock&people / imago/Schöning

Berlin  Die Koalition entlastet Arbeitnehmer bei Steuern und Abgaben deutlich. Das Finanzministerium hat Beispiel-Rechnungen angestellt.

Geschenke, Glühwein mit Freunden, die Kinder wollen auf die Eisbahn – die Weihnachtszeit ist nicht gerade billig. Insofern können sich viele Deutsche darauf freuen, dass die oft gescholtene Berliner Politik die gute Wirtschaftslage nutzt, um den Bürgern 2019 bei Steuern und Abgaben einen kräftigen Schluck aus der Pulle zu gönnen.

„Es geht um den Zusammenhalt in unserem Land und darum, dass das Leben bezahlbar bleibt“, sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz unserer Redaktion.

Steuersenkungen für viele Personengruppen – das Wichtigste in Kürze

  • Die große Koalition beschert vielen Bürgern durch Gesetzesänderungen Steuersenkungen
  • Rentner, Alleinerziehende, Familien – viele profitieren davon
  • Auch Geringverdiener haben mehr in der Tasche

Dafür habe gerade die SPD in dieser Regierung einiges erreicht wie mehr Geld für Familien, stabilere Renten, gute Kitas und einen besseren Mieterschutz. „Die Bilanz kann sich sehen lassen, finde ich. Und sie ist Ansporn für uns, im neuen Jahr weitere Verbesserungen durchzusetzen“, so der SPD-Politiker.

Ersparnis von vielen Hundert Euro jährlich

Berechnungen des Finanzministeriums zeigen, dass viele Steuerzahler 2019 und 2020 bei den verfügbaren Einkommen viele Hundert Euro jährlich sparen werden. Wir zeigen, wer von den Steuersenkungen profitieren wird.

Dazu gehören die Senkung des Beitrages zur Arbeitslosenversicherung von 3 auf 2,5 Prozent und die Rückkehr zur gleichmäßigen Aufteilung der

zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.

Vom 1. Januar gilt wieder „halbe-halbe“. Damit wird künftig auch der bisher von den mehr als 56 Millionen Kassenmitgliedern allein zu zahlende Zusatzbeitrag zu gleichen Teilen zwischen ihnen und ihren Arbeitgebern aufgeteilt. Arbeitnehmer und Rentner sparen so etwa 6,9 Milliarden Euro jährlich.

Umgekehrt steigt aber der Beitrag zur Pflegeversicherung um 0,5 Prozentpunkte von 2,55 auf 3,05 Prozent. Wer keine Kinder hat, zahlt künftig 3,3 Prozent statt 2,8 Prozent für die Pflege.

Familien werden um 9,8 Milliarden Euro entlastet

Die größten Gewinner im kommenden Jahr sind Familien. Für sie wird ein Entlastungspaket von 9,8 Milliarden Euro geschnürt.

  • Es beträgt dann für das erste und das zweite Kind jeweils 204 Euro monatlich,
  • für das dritte Kind 210 Euro und
  • für jedes weitere Kind jeweils 235 Euro.

Dazu steigt für Besserverdiener der steuerliche Kinderfreibetrag ebenso wie der Grundfreibetrag. Dieser spiegelt das Existenzminimum wider, das vom Staat nicht besteuert werden darf.

Zudem wird der Einkommensteuertarif verschoben, um die Effekte der sogenannten kalten Progression zu mindern, bei der ein Teil von Lohn- und Gehaltssteigerungen bei Inflation durch Steuern wieder aufgefressen wird.

2020 wird die Entlastung noch größer

Folgende Beispielrechnungen aus dem Finanzministerium zeigen, dass kinderlose Paare, Alleinerziehende und Familien mit Trauschein unterm Strich mit mehreren Hundert Euro Ersparnis im kommenden Jahr rechnen können. 2020 wird die Entlastung noch größer, unter anderem weil Kindergeld und Kinderfreibeträge erneut angehoben werden sollen.

Eine Kassierin und ein Bäcker, verheiratet mit gemeinsamer Steuererklärung, kommen zusammen auf ein jährliches Bruttoeinkommen von 42.372 Euro. Sie haben 2019 rund 303 Euro mehr in der Tasche, was gegenüber 2018 einer Nettoentlastung von 2,5 Prozent entspricht.

In 2020 werden sie sogar um 433 Euro bessergestellt. Eine Erzieherin und ein Maurer, die zusammen am Jahresende 66.072 Euro auf dem Lohnzettel haben, werden im nächsten Jahr um 444 Euro (2020: 610) entlastet.

Es ist nicht die einzige Frist, die Verbraucher beachten sollten:

Knapp 300 Euro mehr für Alleinerziehende

Viele Kinder in Deutschland wachsen aber nicht bei beiden Elternteilen auf. Jedes Fünfte lebt bei Mutter oder Vater, die allermeisten bei der Mama. Große Extra-Sprünge werden Alleinerziehende 2019 nicht machen können, aber es bleibt doch deutlich mehr im Geldbeutel, um mit den Kindern ins Kino zu gehen oder ein Wochenende an die Ostsee zu fahren.

Eine alleinerziehende Erzieherin mit zwei Kindern und einem Jahresbruttoeinkommen von 31.608 Euro spart bei Steuern und Abgaben 275 Euro, 2020 sind es 419 Euro. Bei einer Krankenpflegerin mit zwei Kindern, die 40.830 Euro nach Hause bringt, sind es 333 Euro (2019) und 497 Euro (2020).

Auch Geringverdiener behalten mehr

Verheiratete mit Kindern profitieren noch stärker. Sie sind durch das Ehegattensplitting ohnehin bevorzugt.

Ein Ehepaar mit zwei Kindern und einem jährlichen Bruttoeinkommen von 42.372 Euro wird 2019 um 419 Euro und 2020 um 665 Euro bessergestellt. Bei einem Familieneinkommen von 55.818 Euro steigt die Steuerersparnis auf 528 Euro (2019) und 826 Euro (2020.) Eheleute, die zusammen um die 66.000 Euro brutto verdienen, sparen 568 Euro (2019) und 863 Euro (2020).

Profitieren werden im kommenden Jahr auch Geringverdiener, die als Midi-Jobber im Schnitt 850 Euro im Monat verdienen und dann im Jahr rund 270 Euro mehr behalten dürfen. Nicht nur die Arbeitnehmer, auch die rund 21 Millionen Rentner werden 2019 mehr bekommen. Im Sommer werden ihre Bezüge nach Schätzungen der Rentenversicherung voraussichtlich um mehr als drei Prozent steigen.

Renten steigen im Osten mehr als im Westen

In

sogar noch um 0,7 Prozentpunkte mehr als im Westen, weil die Ostrenten weiter an das Westniveau angeglichen werden. Mütter, deren Kinder vor dem 1. Januar 1992 geboren wurden, können sich dank der Mütterrente II auf etwas mehr Geld freuen (West 16,02 Euro/Ost 15,35).

Grund dafür sind neue Gesetze:

Für die Zukunft gibt die Rentenversicherung eine pessimistische Prognose ab:

Wer Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld II bezieht, bekommt ab Januar 2019 bescheidene Aufschläge. Die Regelsätze erhöhen sich um 5 bis 8 Euro. So erhalten Alleinstehende künftig 424 statt 418 Euro.

Lindner gehen die Schritte nicht weit genug

FDP-Chef Christian Lindner gehen die Schritte der Koalition nicht weit genug: „Die GroKo verfolgt das Prinzip linke Tasche, rechte Tasche. Echte Entlastungen sucht man mit der Lupe“, sagte er unserer Redaktion.

Eine komplette Abschaffung des Soli-Zuschlags (5,5 Prozent bei der Einkommensteuer) würde der Mittelschicht Luft geben. „Die Regierung wirft mit Steuergeld um sich, statt den Bürgern vom Milliardenüberschuss etwas zurückzugeben.“

Auch die CDU will den Soli so schnell wie möglich loswerden – die SPD aber bei der Verabredung bleiben, dass der Soli erst ab 2021 für dann 90 Prozent der Steuerzahler gestrichen wird. Es sei gerecht, dass Gutverdiener unverändert etwas mehr zum Gemeinwohl beitragen müssten.

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben