Gesetzesänderung

Todesstrafe für Homosexuelle: George Clooney mischt sich ein

Die Strafen für Sex zwischen Homosexuellen wurden in dem Kleinstaat Brunei drastisch verschärft.

Die Strafen für Sex zwischen Homosexuellen wurden in dem Kleinstaat Brunei drastisch verschärft.

Foto: arifoto UG / dpa

Kuala Lumpur  Der Kleinstaat Brunei führt die Todesstrafe für Schwule und Lesben ein. US-Schauspieler George Clooney reagiert mit einem Aufruf.

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Der südostasiatische Kleinstaat Brunei geht zurück ins Mittelalter – zumindest was seine Gesetz angeht. Für Homosexuelle gilt in dem Land ab dem 3. April die Todesstrafe.

Der autoritär herrschende Sultan Hassanal Bolkiah hat einen entsprechenden Beschluss der Regierung gebilligt. Die bisherigen Strafen sind bereits drastisch, nun werden sie um ein Vielfaches verschärft.

Auf Sex unter Homosexuellen steht künftig der Tod durch Steinigung – wie im Mittelalter. Grundlage dafür ist die Scharia, die islamische Rechtsprechung. Betroffen sind auch Ausländer.

Todesstrafe in Brunei – George Clooney ruft zu Hotel-Boykott auf

Inzwischen haben zahlreiche Menschenrechtler und auch Prominente auf die neue Gesetzgebung reagiert. Der US-amerikanische Schauspieler George Clooney etwa rief dazu auf, Luxus-Hotels zu boykottieren, die im Besitz des Sultans sind.

Der Oscar-Preisträger nennt in einer Gastkolumne für das Filmportal Deadline.com neun Luxushotels, die der Brunei Investment Agency gehören. Darunter sind Häuser in England, Frankreich, Italien und Kalifornien. Mit jedem Besuch dieser Hotels würde man dazu beitragen, die Ermordung unschuldiger Menschen zu finanzieren, schreibt Clooney.

Todesstrafe für Homosexuelle gilt ab April – Steinigung ist möglich

Bislang stehen auf homosexuelle Beziehungen bis zu zehn Jahre Haft. Schwule und Lesben werden in Brunei seit jeher unterdrückt. Homosexualität war auch schon zu Kolonialzeiten offiziell verboten. Vom 3. April an kann Sex zwischen Männern oder Sex zwischen Frauen nun jedoch sogar mit der Hinrichtung bestraft werden. Auch öffentliche Züchtigungen mit dem Stock sind dann möglich.

Verschärft werden auch die Strafen für Diebstahl. Künftig müssen Diebe damit rechnen, dass ihnen Hände und Beine amputiert werden.

Auswärtiges Amt mahnt zur Vorsicht

Amnesty International appellierte an den Kleinstaat, auf solch „grausame und unmenschliche Strafen“ zu verzichten. Die Bundesregierung empfiehlt in den Reisehinweisen des Auswärtigen Amt allen Brunei-Besuchern, sich mit den neuen Vorschriften vertraut zu machen.

Ausdrücklich heißt es: „Einzelne Straftatbestände im Scharia-Recht betreffen auch Nicht-Muslime – insbesondere, wenn ein beteiligter Teil Muslim ist.“ In Brunei gab es in jüngerer Zeit mehrfach Todesurteile. Hingerichtet wurde aber schon seit Jahren niemand mehr.

In der ehemaligen britischen Kolonie auf der Insel Borneo ist die große Mehrheit der etwa 500.000 Einwohner muslimischen Glaubens. Der Sultan – einer der reichsten Monarchen der Welt – regiert dort bereits seit 1967. In den vergangenen Jahren haben konservative islamische Kräfte Einfluss gewonnen.

Homosexuelle auch in Deutschland noch diskriminiert

Hierzulande sind die Verhältnisse für Homosexuelle ungleich besser. Dennoch gibt es auch in Deutschland noch immer Diskriminierung. So sehen einige Menschen Homosexualität als Krankheit an, die mit sogenannten Konversationstherapien „heilbar“ sei. Gesundheitsminister Jens Spahn will solche Konversationstherapien für Homosexuelle verbieten.

Nachholbedarf gibt es auch bei der Katholischen Kirche. Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hat das erkannt und kritisierte vor Kurzem die katholische Haltung zu Homosexualität. Papst Franziskus hingegen nannte Homosexualität zuletzt eine „Mode“.

(dpa/cho)

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