Kommentar

Sigmar Gabriel vergisst bei gutem Geld seine Verantwortung

Clemens Tönnies: Vom Metzger zum Milliardär

Der Unternehmer Clemens Tönnies führt ein globales Fleisch-Unternehmen. Er polarisiert mit seinen Aussagen und musste schon häufig Kritik überstehen.

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Berlin.  Sigmar Gabriel lässt sich von der Fleischindustrie bezahlen, die er als Minister kritisierte. So handelt Gabriel verantwortungslos.

  • Der ehemalige Vizekanzler Sigmar Gabriel räumte eine Beratertätigkeit beim Fleischverarbeiter Tönnies ein
  • Als Minister kritisierte er die Ausbeutung von Arbeitskräften in der Fleisch-Industrie als „Schande für Deutschland“
  • Bastian Angenendt stellt Gabriels Glaubwürdigkeit in Frage – ein Kommentar

Sigmar Gabriel sollte es eigentlich besser wissen. Wer mehrere Bundesministerien und eine (ehemalige) Volkspartei geführt hat, wer als Vizekanzler der zweitmächtigste Mensch im Staat war, der verliert auch nach dem Ausscheiden aus der Politik niemals gänzlich seine Verantwortung der Bundesrepublik gegenüber. Diese Verantwortung scheint Gabriel allerdings spätestens dann zu vergessen, wenn ein üppiges Honorar greifbar ist.

Gabriel hat dem ARD-Magazin „Panorama“ gegenüber eingeräumt, den Fleischverarbeiter Tönnies beraten zu haben. Laut den Reportern hat er dafür in zwei Monaten mehr Geld bekommen als die Menschen am Fleisch-Fließband im Tönnies-Werk in einem Jahr.

Dass Gabriel sein Netzwerk und seine Fähigkeiten auch nach seiner politischen Karriere zum Geldverdienen nutzt, ist überhaupt nicht verwerflich. Dass er sich ausgerechnet von Unternehmen bezahlen lässt, die er als Politiker scharf kritisierte, lässt ihn als Heuchler dastehen.

Die Ausbeutung von Arbeitskräften in der Fleischbranche sei „eine Schande für Deutschland“, befand Gabriel einst. Auch die Deutsche Bank, in deren Aufsichtsrat er künftig gut verdienen wird, war für ihn „eine Versprechungsindustrie zulasten der Allgemeinheit“.

Sigmar Gabriel handelt immer mehr wie sein Förderer Gerhard Schröder

Umso fataler sind solche Nachrichten, weil die Politik ohnehin in einer Glaubwürdigkeitskrise steckt. Politiker, die ihr Geschwätz von gestern nicht kümmert, fördern Politikverdrossenheit und Populisten. Aber offenbar scheint das Sigmar Gabriel nicht mehr zu interessieren. Er folgt lieber dem Vorbild seines Förderers Gerhard Schröder.

Altkanzler Schröder ist Lobbyist für ein Staatsoberhaupt, das Mordanschläge seiner Landsleute auf deutschem Boden nicht ahndet – und womöglich sogar duldet oder veranlasst.

Tönnies ist nicht Putin. Und nicht immer mag es lauter sein, alte Aussagen in den Kontext aktueller Handlungen zu setzen. Aber für Politiker gelten höhere Standards.

Schließlich bleibt gerade bei hochrangigen Amtsträgern nicht nur die Verantwortung dem Staat gegenüber, sie erhalten nach Erreichen ihrer Pensionsgrenze auch üppige Ruhegehälter. Vor dem Hintergrund sind die Jobs, die Sigmar Gabriel annimmt, unerträglich.

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