Kommentar

Trump hält die Öffentlichkeit im Iran-Konflikt zum Narren

Im Konflikt mit dem Iran hat US-Präsident Donald Trump nach eigener Darstellung einen Vergeltungsangriff als Reaktion auf den Abschuss einer Drohne nur wenige Minuten vor dem Beginn abgeblasen.

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Washington  Donald Trump gibt an, einen Militärschlag gegen den Iran wegen möglicher Kollateralschäden gestoppt zu haben. Das ist schlicht gelogen.

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Das Problem mit der Erklärung, warum der Nahe Osten in der Nacht zu Freitag womöglich am Startschuss eines sinnlosen Krieges vorbeischrammte, ist, dass sie von einem chronischen Lügner und Faktenverdreher kommt. Man kann Donald Trump einfach so gut wie nichts glauben.

Dass es dem Oberbefehlshaber der größten Streitmacht dieser Erde in letzter Sekunde gedämmert haben soll, dass bei einem von ihm bereits genehmigten militärischen Denkzettel 150 „unverhältnismäßige“ Kollateralschäden-Tote auf iranischer Seite zu beklagen gewesen wäre, gehört zu den bizarrsten Versuchen, die Öffentlichkeit im Showdown mit Teheran zum Narren zu halten.

Selbst Trump-Fans hätten wohl Probleme mit einem Iran-Krieg

Näher an der Wahrheit liegt, dass Trumps Strategie des „maximalen Drucks“ gegenüber Teheran, dessen Hardliner sich auch durch die verschärften Wirtschaftssanktionen nicht an den Verhandlungstisch zwingen lassen, in die Sackgasse geführt hat. Der aus Trumps Sicht bei weiterer Blockadehaltung Teherans einzige Ausweg ist die militärische Eskalation.

Verbale Abrüstung oder die Rückkehr in das internationale Atomabkommen scheiden wegen Gesichtsverlust für ihn aus.

Aber: Im Nahen Osten einen Krieg vom Zaun zu brechen wegen einer vom Himmel geholten Überwachungsdrohne, das würde selbst seinen nibelungentreuen Kern-Wählern nicht zu vermitteln sein. Am Ende hat darum Trumps Angst, seine Wiederwahlchancen für 2020 zu verdüstern, den Ausschlag gegeben. Und nicht unschuldiges Leben von Iranern.

Ist diese Bewertung auch übermorgen noch gültig? Trump ist Trump: unberechenbar.

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