US-Wohnungsbauminister

Trumps Minister Carson setzt Einwanderer mit Sklaven gleich

US-Wohnungsbauminister Ben Carson sieht Einwanderer als Motor für Fortschritt. In einem missverständlichen Satz vergleicht er sie mit Sklaven.

US-Wohnungsbauminister Ben Carson sieht Einwanderer als Motor für Fortschritt. In einem missverständlichen Satz vergleicht er sie mit Sklaven.

Foto: JOSHUA ROBERTS / REUTERS

Washington  Mit dem Vergleich von Einwanderern zu Sklaven sorgt Carson für Ärger. Aus mehreren Gründen werden seine Worte auf die Goldwaage gelegt.

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Bei seinem ersten Auftritt als Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung in der Regierung von US-Präsident Donald Trump hat sich der ehemalige Gehirnchirurg Ben Carson schwer in die Nesseln gesetzt.

Vor Mitarbeitern seines Hauses bezeichnete der in armen Verhältnissen in Detroit aufgewachsene Afro-Amerikaner in einem missverständlichen Satz Sklaven als „Einwanderer“. Der 65-Jährige sprach über Amerika als „Land der Träume und Chancen“. Und dass Neuankömmlinge traditionell der Motor für Fortschritt gewesen seien.

Minister Carson erntet Spott in sozialen Netzwerken

In diesem Zusammenhang sagte er: „Da waren andere Einwanderer, die im Bauch von Sklavenschiffen hierhin kamen, sogar länger arbeiteten, sogar härter und für weniger.“ Auch sie hätten davon geträumt, dass ihre Kinder in Amerika einmal „Wohlstand und Glück“ finden.

Während Carson, der im Wahlkampf von Trump oft abgekanzelt wurde, später aber in den Kreis der Vertrauten und Kandidaten für Kabinettsposten aufrückte, von der Belegschaft des Ministeriums (HUD) mit lautstarkem Applaus bedacht wurde, lösten die Zitate in sozialen Netzwerken schnell Spott und Empörung aus.

Veranstaltungsteilnehmer nehmen Carsons in Schutz

Die größte schwarze Bürgerrechtsorganisation in Amerika, die NAACP, wies darauf hin, dass Sklaven gegen ihren Willen aus Afrika nach Amerika verschleppt wurden und nicht mit Einwanderern gleichgesetzt werden dürften. Das „Anne Frank Center for Mutual Respect“, eine Partnerorganisation des Anne Frank Hauses in Amsterdam, nannte Carsons Wortwahl „schockierend und inakzeptabel“.

Carsons Pressestelle reagierte umgehend: „Niemand glaubt ernsthaft, dass der Minister freiwillige Einwanderung mit unfreiwilliger Zwangsarbeit gleichsetzt.“ Wer seine Worte so auslege, sei zynisch. Ähnlich äußerten sich Teilnehmer der Veranstaltung im Ministerium. Ben Carson habe sich sehr „bewegend“ geäußert, erklärte ein Angestellter gegenüber der „Washington Post“, niemand habe an seinen Worten Anstoß genommen.

Äußerungen auf der Goldwaage

Als Minister soll Carson vor allem sozial schwachen Bevölkerungsschichten helfen, die in vielen amerikanischen Großstädten in teils prekären innerstädtischen Verhältnissen mit hoher Kriminalitätsrate leben.

Dass Carsons Äußerungen auf die Goldwaage gelegt werden, gerade im Zusammenhang mit Afro-Amerikanern, hat zwei Gründe. Im Wahlkampf der Republikaner fiel der ehemalige Hochleistungsmediziner mehrfach durch erratische Wortbeiträge auf. So sagte er im Oktober 2015 während einer Debatte über die Verschärfung der Waffengesetze mit Blick auf Nazi-Deutschland: „Die Wahrscheinlichkeit, dass Hitler seine Ziele erreicht, wäre stark verringert worden, wenn die Menschen bewaffnet gewesen wären.“

Bildungsministerin DeVos sorgte für ähnliche Aufregung

Kurz darauf behauptete der vor allem bei evangelikalen Christen beliebte Schwarze, die Pyramiden in Ägypten seien keine Grabstätten für die Pharaonen gewesen – vielmehr habe Josef, der Stammvater Israels im Alten Testament, die riesigen Bauwerke als Getreidelager errichten lassen.

Sein mutmaßlich laxer und nicht geschichtsklitternd gemeinter Gebrauch des Wortes „Einwanderer“ schlug auch deshalb Wellen, weil vor wenigen Tagen die umstrittene Bildungsministerin Betsy DeVos ähnlich für Aufregung gesorgt hatte. Die Milliardärin hatte die wenigen nur von Schwarzen besuchten Top-Schulen und Top-Universitäten im Land als „Pioniere für die freie Schulwahl“ bezeichnet.

Dabei ließ sie unerwähnt, dass diese Einrichtungen gezwungenermaßen ins Leben gerufen wurden, weil es Schwarzen zu Zeiten der Rassentrennung in vielen Bundesstaaten verboten war, öffentliche (sprich: weiße) Hochschulen zu besuchen.

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