Gerichtsentscheidung

US-Pastor Brunson reist aus Deutschland weiter in die USA

Andrew Craig Brunson im Juli nahe seines Hauses in der Türkei.

Andrew Craig Brunson im Juli nahe seines Hauses in der Türkei.

Foto: Emre Tazegul / dpa

Aliaga  Seit zwei Jahren saß Andrew Brunson in der Türkei fest. Nun wurde der Hausarresst der evangelikalen Geistlichen gerichtlich aufgehoben.

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Der in der Türkei nach zwei Jahren freigelassene US-Paster Andrew Brunson soll noch am Samstag in den USA ankommen. Er wird am Mittag (Ortszeit) an einem Militärstützpunkt in der Nähe der Hauptstadt Washington erwartet. Zuvor soll er in Deutschland von Medizinern untersucht werden. Der US-Botschafter in Deutschland Richard Grenell begrüßte Brunson und seine Frau bei ihrer Landung auf dem US-Stützpunkt Ramstein. Über Twitter verbreitete er ein Foto, auf dem Grenell die US-Flagge küsste.

US-Präsident Donald Trump erklärte, Brunson werde vermutlich am Samstag das US-Präsidalamt besuchen. Auf die Frage, ob nach der Freilassung des Pastors Sanktionen gegen die Türkei aufgehoben würden sagte Trump, es gebe keine Vereinbarung zur Freilassung Brunsons. „Es gab keinen Deal.“

Ein Gericht im westtürkischen Izmir hatte zuvor den seit zwei Jahren in der Türkei festgehaltenen US-Pastor aus dem Hausarrest entlassen und ihm die Möglichkeit der Ausreise gegeben. Eine gleichzeitig verhängte Haftstrafe von drei Jahren, einem Monat und 15 Tagen muss Brunson somit nicht antreten.

Außerdem wird laut türkischen Medienberichten die bereits in Haft verbrachte Zeit angerechnet. Mit der Freilassung ist ein großer Schritt zur Entspannung der Beziehungen zwischen Washington und Ankara getan.

Andrew Brunson lebte seit über 20 Jahren in der Türkei

Die Freilassung erfolgt auch vor dem Hintergrund eines Handelsstreits zwischen den USA und der Türkei, der auch Einfluss auf den Währungsverfall der türkischen Lira hatte. Mit der Freilassung Brunsons kann die Türkei laut Beobachtern wenigstens in diesem Streitpunkt ihr Gesicht wahren.

Der Fall Brunson hatte ein schweres Zerwürfnis zwischen Washington und Ankara ausgelöst. Um die Freilassung des Pastors zu erreichen, hatte US-Präsident Donald Trump im August Sanktionen und Strafzölle verhängt, die Türkei reagierte mit Gegenmaßnahmen.

Der 50-Jährige Brunson lebt seit mehr als 20 Jahren in der Türkei. Er war Pastor an einer evangelikalen Kirche in der Küstenmetropole Izmir, als er wenige Monate nach dem Putschversuch vom Juli 2016 in der Türkei festgenommen und dann im Dezember des selben Jahres in Untersuchungshaft genommen wurde. Ende Juli wurde er wegen Gesundheitsproblemen in den Hausarrest entlassen.

Zeugen berufen sich auf Zeugen, die sich auf Zeugen berufen

Während des international mit Spannung verfolgten Gerichtstermins waren zentrale Zeugenaussagen in sich zusammengefallen. Wie die Zeitung „Hürriyet“ am Freitag berichtete, zogen insgesamt drei Zeugen Aussagen zurück. Ein Zeuge zum Beispiel widerrief die Behauptung, dass ein syrisches Mitglied von Brunsons Kirchengemeinde Bomben für Terrorangriffe gebaut habe.

Ein dpa-Reporter im Gerichtssaal berichtete, wie sich Zeugen der Anklage in einem bizarren Austausch gegenseitig widersprachen. Ein per Videoleitung zugeschalteter Zeuge sagte zunächst, er habe von zwei weiteren Zeugen gehört, dass in Brunsons Kirche Mitglieder der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und Anhänger der Gülen-Bewegung ein und aus gegangen seien. Sowohl die PKK als auch die Gülenisten gelten in der Türkei als Terroristen. Die betreffenden Zeugen gaben jedoch kurze Zeit später zu Protokoll, dass sie das doch wiederum selbst von dem ersten Zeugen gehört hätten.

Die USA hatten zuletzt den Druck auf die Türkei immer wieder erhöht und betont, wie wichtig Brunsons Freilassung für die US-türkischen Beziehungen sei. US-Außenminister Mike Pompeo hatte in der Nacht zum Donnerstag der Türkei erneut dringend angeraten, Brunson nach Hause zu schicken. (rtr/dpa/les)

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