Breitscheidplatz

Vor zwei Jahren schlug Anis Amri zu – Gedenken in Berlin

Anis Amri: Eine Video-Chronik des bislang schwersten islamistischen Terrorangriffs in Deutschlands.

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Berlin  Vor zwei Jahren hat der Attentäter Anis Amri zwölf Menschen getötet. Am Dienstag wird in Berlin der Opfer und Hinterbliebenen gedacht.

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Am zweiten Jahrestag des islamistischen Terroranschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz wird am Mittwoch der zwölf Todesopfer und der Hinterbliebenen gedacht. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) wird einen Kranz am Mahnmal auf dem Breitscheidplatz niederlegen.

Begleitet wird er unter anderem vom Präsidenten des Berliner Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland (SPD) und dem Opferbeauftragten der Bundesregierung, Edgar Franke. Der Pfarrer der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche hält eine kurze Ansprache. Weitere Reden sind nicht geplant.

Am Abend ist eine kurze Andacht in der Kirche vorgesehen. Um 20.02 Uhr – dem Zeitpunkt des Anschlags – wird eine Glocke der Gedächtniskirche zur Erinnerung an die Todesopfer zwölf Mal schlagen.

Die Ereignisse im Überblick

Der Anschlag: Am 19. Dezember 2016 fuhr der islamistische Attentäter Anis Amri mit einem entführten Lastwagen in den Weihnachtsmarkt. Insgesamt wurden bei dem Anschlag 12 Menschen getötet und mehr als 70 verletzt, viele von ihnen schwer. Eines der Todesopfer ist ein polnischer Lastwagenfahrer, den Amri bei der Entführung des Lkw erschoss.

Ein kurz nach dem Attentat veröffentlichtes Video aus der Kamera eines Autofahrers zeigt, wie der 30 Tonnen schwere Lkw in die ungeschützte Budengasse des Weihnachtsmarktes rast. Auf einer Strecke von rund 70 Metern zerstört er Glühweinstände, überrollt Menschen und schleudert andere zur Seite.

Das automatische Sicherheitssystem des Lkw reagiert auf die Aufpralle und leitet eine Bremsung ein. Viele Menschenleben wurden so vermutlich gerettet.

Tragische Chronik: Acht Angriffe, bei denen Fahrzeuge als Waffe benutzt wurden

Der Täter: Einen Tag nach dem Anschlag identifiziert die Kriminalpolizei Anis Amri als Täter, weil sie in dem Lkw Papiere zur Duldung eines Asylbewerbers findet. Der damals 23-jährige Tunesier war der Polizei und den Ausländerbehörden in mehreren Bundesländern schon länger bekannt.

Amri kam Anfang Juli 2015 nach Deutschland und fiel immer wieder als Dieb, Drogenhändler, Schläger und möglicher IS-Unterstützer auf. Ab Februar 2016 wurde Amri von der Polizei als sogenannter Gefährder geführt und überwacht. Im Juni 2016 beendeten die Behörden die Observation in Berlin. Amris Handys hörte die Polizei weiter ab, die zunehmende Radikalisierung entging den Fahndern aber.

Bemühungen um eine Abschiebung Amris gab es schon länger. Die tunesischen Behörden verzögerten das zunächst, gaben aber letztlich nach. Bevor die Abschiebung durchgeführt werden konnte, gelang es Amri allerdings am 19. Dezember 2016 den Terroranschlag zu verüben. Untersuchungsausschüsse, Sonderermittler und Arbeitsgruppen bei der Polizei versuchen seitdem aufzuklären, was vor dem Anschlag schief lief.

Am 23. Dezember, einen Tag nach seinem 24. Geburtstag, wird Amri schließlich auf der Flucht in Italien von Polizisten erschossen. Zuletzt hieß es, Amri habe eigentlich einen Sprengstoffanschlag durchführen wollen.

Die Opfer: Kritik an den Behörden gab es auch bezüglich der Betreuung von Opfern und Verwandten: Opferbeauftragte und Anwälte bemängelten, dass wichtige Informationen nur schleppend herausgegeben wurden und es keine zentralen Ansprechpartner gegeben habe.

Zum Teil seien formelle Briefe verschickt worden statt Vertreter der Polizei, des Senats oder der Bundesregierung persönlich zu den Betroffenen zu schicken.

Hinterbliebene der Opfer beklagten sich bitter über die Reaktion des Staates. Sie werfen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem offenen Brief Untätigkeit und politisches Versagen vor.

Es gibt aber nicht nur Kritik von Seiten der Opfer. Ein Betroffener äußert sich im Gespräch mit der „Berliner Morgenpost“ auch lobend – etwa zum Berliner Opferbeauftragten Roland Weber und zum Opferbeauftragten der Bundesregierung, Kurt Beck.

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) warb am Dienstag dafür, dass alle Bundesländer Beauftragte für die Opfer von Terroranschlägen berufen. Bisher gebe es diese erst in fünf Bundesländern, sagte die Ministerin am Mittwoch im ZDF-„Morgenmagazin“.

Es müsse aber vor Ort Ansprechpartner geben. Vor zwei Jahren habe es nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz solche Strukturen noch nicht gegeben. Sie äußerte sich außerdem zuversichtlich, dass bald ein Opferentschädigungsgesetz auf den Weg gebracht werden könne, um die Hilfen für Anschlagsopfer besser zusammenzuführen. (mbr/epd/dpa)

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