Rektoren-Gehälter

Warum Hochschul-Rektoren so viel Geld verdienen

Da lachten sie noch miteinander: NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (NRW) unterschrieb im Januar 2012 mit den Rektoren der Universität Duisburg/Essen und neun weiteren Rektoren von Universitäten und Fachhochschulen aus dem Ruhrgebiet die Ziel- und Leistungsvereinbarungen.

Da lachten sie noch miteinander: NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (NRW) unterschrieb im Januar 2012 mit den Rektoren der Universität Duisburg/Essen und neun weiteren Rektoren von Universitäten und Fachhochschulen aus dem Ruhrgebiet die Ziel- und Leistungsvereinbarungen.

Foto: Kerstin Kokoska

Essen.  Die Enthüllung der Jahreseinkommen, die die Rektoren an Universitäten und Fachhochschulen in NRW in den letzten Jahren bekamen, sorgt nicht nur in der Wissenschaftsszene des Landes für viele Debatten. Ein Experte findet, die Veröffentlichung der Gehaltslisten falle jetzt auf das Ministerium zurück.

Wie viel verdienen Uni-Rektoren? Mit dieser eigentlich simplen Frage sind die Wissenschaftsministerien vieler Länder überfordert. Man weiß es gar nicht genau. Was auch daran liegt, dass Rek­toren mancherorts einen Teil ihrer Gehälter mit Hochschulräten aushandeln und nicht mit dem Land.

Dort, wo Hochschulräte keinen Einfluss auf die Rektoren-Bezüge haben, wie in Rheinland-Pfalz, verdienen die Uni-Spitzen heute nicht sehr viel mehr als vor zehn Jahren. „Eine Entwicklung der Gehälter, wie in NRW lässt sich für die Hochschulpräsidenten in Rheinland-Pfalz nicht ausmachen“, so das Ministerium in Mainz.

Stuttgart „deckelt“ die Gehälter

Anders Baden-Württemberg. Dort gibt es starke Hochschulräte, dort können Rektoren ihre Gehälter ­relativ frei aushandeln. Aber das Land „deckelt“ die Bezüge. Mit der Besoldung B 10 ist Schluss, und das heißt: maximal 144.000 Euro im Jahr. Ein Ministeriums-Sprecher aus Stuttgart erklärt: „Unseres ­Wissens wird dieser Rahmen weitgehend ausgeschöpft.“

Zu einer Neiddebatte taugen die Gehälter der Rektoren, Kanzler und Präsidenten trotz der teils deutlich gestiegenen Zulagen kaum, meint Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär der Studentenwerke. „Die Gehälter sind nicht exorbitant“, sagt er. Durch die Hochschulautonomie stieg die Verantwortung der Hochschul­lenker für die Entwicklung ihrer Hochschulen, „das muss sich auch in der Entlohnung widerspiegeln“, sagt Meyer auf der Heyde.

Zwar müsse es bei öffentlich geförderten Einrichtungen eine Berichtspflicht geben, schließlich handele es sich um Steuergelder, doch sollten ­private Daten geschützt oder anonymisiert werden. Die Veröffent­lichung der personenscharfen Gehaltsliste sei ein Skandal und falle auf das Ministerium zurück. „Die Weitergabe der Daten ist auch im Streit um das neue Hochschul­gesetz ein Schuss nach hinten.

Vor allem in strukturschwachen Gebieten wie im Raum Aachen oder im Münsterland sind die ­Universitäten die größten und wichtigsten Arbeitgeber.

Die Ruhr-Uni ist ein Riese

Das trifft auch auf die Ruhr-Uni ­Bochum zu, die mit rund 5600 ­Beschäftigten seit langem weit vor Opel der bedeutendste Arbeitgeber der Stadt ist. Rektor Elmar Weiler und Kanzler Gerhard Möller verantworten einen Etat von über 400 Millionen Euro im Jahr. Um die Zukunft der Uni mit über 41.000 Studierenden zu sichern, sind die richtigen strategischen Entscheidungen nötig, Profilbildung ist das Schlagwort. Hier stellte die Ruhr-Uni die richtigen Weichen.

Die Forschungseinnahmen (Drittmittel) stiegen deutlich, im bundesweiten Elitewettbewerb 2012 kam die Uni in die Endrunde, mit fünf Sonderforschungsbe­reichen gehört sie auch bundesweit zu den forschungsstarken Unis. Die fachübergreifende Forschung und die Förderung des Nachwuchses gehören zu den großen Stärken der Revier-Uni. Das ist viel Verantwortung fürs Geld.

Von Insidern kam am Freitag der Hinweis, dass frühere Landesregierungen schon lange vor der Ein­führung von Hochschulfreiheit und Hochschulräten immer wieder hohe Wissenschaftler-Bezüge genehmigt haben, insbesondere für Mediziner. Spitzenkräfte hätten im Ministerium Einkommen in Höhe von Minister-Bezügen aushandeln können.

Kein Vergleich zu Stadtwerke-Chefs oder Sparkassen-Leitern 

Den Vergleich mit Führungskräften in anderen Berufsgruppen und Branchen müssen die Universitäts-Rektoren der NRW-Hochschulen nicht scheuen. Rund 130.000 Euro im Jahr verdienen im Jahr, ihre Fachhochschul- ­Kollegen kommen hingegen „nur“ auf 100.000 Euro. Das sind sicher keine schmalen, aber auch keine übermäßig guten Einkommen. Erst recht nicht im Vergleich zu Einkommen von Top-Verdienern wie den Chefs großer kommunaler Betriebe: Dem Dortmunder Stadtwerke-Chef wird etwa ein Jahres-Einkommen von 500.000 Euro (inklusive Aufsichtsrats-Vergütungen) nachgesagt.

Peer Steinbrück hat mal gesagt: „Nahezu jeder Sparkassendirektor in NRW verdient mehr als die Kanzlerin.“ Er liegt damit ziemlich richtig. Sparkassen-Direktoren kommen auf 200.000 bis 600.000 Euro im Jahr – je nach Größe der Sparkasse. Nebenbei bemerkt: Die mit 200.000 Euro sind in der Minderheit. Und Angela Merkel verdient rund 240.000 Euro im Jahr.

Top-Manager bewegen und bekommen Millionen

Der Vorstand einer gesetzlichen Krankenkasse lässt sich seine Arbeit mit 200.000 bis 250.000 Euro im Jahr vergüten. Chefärzte in Kliniken kommen auf gut 220.000 Euro Jahresgehalt. Und der Oberbürgermeister einer Großstadt wie Essen oder Dortmund bewegt sich bei seinem ­monatlichen Einkommen ungefähr auf Augenhöhe mit den ­Universitäts-Rektoren.

Bei den Bundesministern ist das Einkommens-Niveau etwas besser. Die Minister und Ministerinnen erhalten rund 14.000 Euro im ­Monat. Die Diäten der Bundestagsabgeordneten werden gerade zügig ­angeglichen an die Bezüge von Richtern bei einem obersten ­Gerichtshof des Bundes. Das bedeutet: rund 9000 Euro im Monat.

Für Top-Manager in der freien Wirtschaft sind die Gehälter führender Hochschul-Manager vermutlich nur „Peanuts“. Denn im Schnitt kommen Vorstandsvorsitzende von Dax-Unternehmen auf ein Jahres-Salär von etwa fünf Millionen Euro.

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