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Was macht Luke Skywalker so besonders, Herr Hamill?

"Die letzten Jedi": Mark Hamill vergisst gerne das wahre Leben

Der neue "Star-Wars"-Film "Die letzten Jedi" hat in London Europa-Premiere gefeiert, in Anwesenheit zahlreicher Stars und der britischen Prinzen William und Harry. Auch Mark Hamill, Darsteller des ...

Der neue "Star-Wars"-Film "Die letzten Jedi" hat in London Europa-Premiere gefeiert, in Anwesenheit zahlreicher Stars und der britischen Prinzen William und Harry. Auch Mark Hamill, Darsteller des ...

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Essen.   Der 66-jährige Schauspieler über den ungebrochenen „Star Wars“-Mythos, fanatische Fans und seine Erinnerungen an Carrie Fisher.

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Das Hotel Adlon am Brandenburger Tor in Berlin. Gleich wird sich die Flügeltür der Suite öffnen und einer der größten Kinohelden der letzten 40 Jahre eintreten. Als Luke Skywalker prägte Mark Hamill in den „Star Wars“-Filmen ganze Generationen von Science-Fiction-Fans. Auch im neuesten Teil, „Die letzten Jedi“, der am Donnerstag in den Kinos anläuft, schlüpft er wieder in die Rolle, die ihn weltberühmt gemacht hat.

Als der Filmstar an diesem Nachmittag schließlich in den Raum kommt, steht da einfach ein ziemlich lässiger 66-jähriger mit Lederjacke, Jeans, ergrautem Vollbart und einem Strahlen im Gesicht. Kaum zu bremsen und voller Energie spricht er über den ungebrochenen Mythos und fanatische Fans, seine Erinnerungen an die vor einem Jahr verstorbene Prinzessin-Leia-Kollegin Carrie Fisher und erklärt, warum sein Sohn sich besser mit „Star Wars“ auskennt als er selbst.

Herr Hamill, werden Sie es nicht müde, seit Jahrzehnten über „Star Wars“ zu reden?

Mark Hamill: Machen Sie Witze? Ich liebe es! Es überrascht mich immer wieder, wie viel Enthusiasmus und Leidenschaft manche Fans haben. Ich dachte, es würde irgendwann weniger werden, ein neues Kinospektakel würde uns „Star Wars“-Bande in den Ruhestand schicken und alles eine hübsche Erinnerung werden. Aber die Faszination ebbt einfach nicht ab.

Was glauben Sie, was macht „Star Wars“ und Luke Skywalker so besonders?

Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung. Als ich in meinen Zwanzigern war, hätte ich nie gedacht, dass ich das auch noch mit über 60 tun würde. Nicht nur „Star Wars“, auch am Broadway und als Sprecher in Animationsfilmen.

Ich genieße jeden Tag. Als ich im Sommer den Disney Legends Award bekommen habe, meinten meine Kinder: „Daddy, jetzt hast du endlich den Beweis, dass nicht nur du selbst dich für legendär hältst.“

Als 1977 der erste „Star Wars“-Film ins Kino kam und George Lucas bereits von einer Saga in drei Zyklen sprach, war da gleich klar, dass Sie auch bei der Abschluss-Trilogie 40 Jahre später mitwirken würden?

Als George Lucas in den 90er-Jahren die drei Prequels drehte, meinte er schon zu mir, dass er die anderen geplanten Filme nicht mehr selbst inszenieren würde. Er wollte nicht noch mit Mitte 70 damit zu tun haben. Und dann kam im Sommer 2012 plötzlich ein Anruf, dass er mich sehen will. Ich wusste nicht genau, was das zu bedeuten hat. Wenn zum Beispiel eine neue DVD-Edition herauskam, wurde ich gefragt, für eine Dokumentation ein Interview zu geben. So etwas in der Art hatte ich auch da erwartet. Also gehe ich mit ihm Abendessen, Carrie Fisher war auch dabei, und er murmelt etwas von: ‚Ich habe Star Wars jetzt an Disney verkauft, sie wollen eine neue Trilogie drehen, aber wenn ihr nicht mitmachen wollt, kein Problem, dann schreiben wir Leia und Luke aus der Handlung.‘ Ich setzte mein bestes Pokerface auf und blieb ganz cool. Aber Carrie platzte sofort heraus: ‚Ich bin dabei!‘ Ich schaute sie nur entgeistert an und meinte später: ‚Du kannst doch nicht so einfach zusagen!‘ Sie entgegnete: ‚Mark, wie viele Rollen gibt es in Hollywood für Frauen über 50?‘ Sie hatte recht.

Warum haben Sie gezögert?

Mir war es fast eine Nummer zu groß, auch wenn das Drehbuch unglaublich originell war. Aber ich hatte absoluten Bammel davor, das sagte ich auch zu Rian Johnson, dem Regisseur. Und er sagte: ‚Den habe ich auch.‘ Kaum ein Regisseur würde so etwas zugeben, aber der Druck auf diesem Projekt ist einfach gigantisch. Wenn ich zu viel darüber nachdenke, würde ich mich zitternd hinterm Sofa verstecken. Ich beschloss dann so zu tun, als sei „Star Wars“ ein kleiner Arthousefilm, den die Kritiker lieben werden, den sich aber kaum jemand im Kino ansehen wird. Anders hätte ich es aus lauter Panik nicht machen können. Aber als dann Carrie und Harrison Ford zugesagt hatten, fühlte ich mich wie zum Militär eingezogen, ab da kam ich nicht mehr raus. Hätte ich abgesagt, wäre ich der am meisten gehasste Mensch im ganzen Fanuniversum. Sie würden mein Haus umzingeln wie der wütende Mob in „Frankenstein“, nur dass sie statt Fackeln Lichtschwerter hätten. Ich musste also einrücken.

Wie reagierte Ihre Familie auf Ihre Entscheidung?

Sie fanden es alle gut. Mein Ältester, Nathan, ist ein Riesen-„Star Wars“-Fan, er kennt sich in diesem ganzen Universum sehr viel besser aus als ich, er liest jedes Buch, hat alle Videospiele durchgezockt. Ich schaue mir nicht mal mehr die Filme an. Er ist der wahre Experte in der Familie. Immer, wenn mir der Name einer Figur nicht mehr einfällt, frage ich ihn. Ich habe mal ein „Star Wars“-Quiz mitgemacht und bin total gescheitert. Im Ernst, wer erinnert sich an all das Zeug? Aber manche Fans sind wandelnde Lexika.

Der Austausch mit den Fans ist bei „Star Wars“ ein wichtiger Faktor. Es finden regelmäßig Conventions statt, zu denen Tausende anreisen, um ihre Helden in Fleisch und Blut zu sehen.

Wenn ich da vor 2000 Leuten stehe, bin ich tatsächlich gerührt. Es ist für viele ein so wichtiger Teil ihres Lebens. Jemand erzählt zum Beispiel, wie er seine Frau bei „Das Imperium schlägt zurück“ kennengelernt hat, ein anderer hat seinen Sohn Luke genannt. Und immer wieder höre ich heroische Geschichten, wie „Star Wars“ jemandem Mut gemacht hat, eine schwere Krankheit durchzustehen.

Wird Ihnen das auch mal zu viel?

Es erstaunt mich eher immer wieder, welchen Einfluss es auf Menschen hat. Es gibt Fans, die können nicht fassen, dass ich „Das Erwachen der Macht“ erst zweimal gesehen habe. Ich war bei der Weltpremiere in Los Angeles und gleich danach in London zur Europapremiere. ‚Aber dazu waren Sie ja vertraglich verpflichtet‘, muss ich mir dann anhören. Als ob zweimal nicht reichen würde! Es fühlt sich fast an, als ob ich vor Gericht stünde. Nicht umsonst kommt Fan von fanatisch!

Was sollte man einem „Star Wars“-Fan niemals sagen?

‚Es ist doch nur ein Film.‘ Damit habe ich schon mal einen Tumult ausgelöst, die Fans waren völlig außer sich. Man könnte denken, ich hätte den Papst bespuckt. Dabei habe ich nur George Lucas selbst zitiert. Denn als Carrie und ich bei den Dreharbeiten der ersten Filme über die Motivation unserer Figuren sprechen wollten, hatte er darauf keine Lust und meinte: ‚Lasst uns das Ding einfach drehen, es ist nur ein Film.‘ Mir hat diese Einstellung sehr geholfen.

Wurde das Phänomen Luke Skywalker je zur Bürde bei Ihrer Arbeit?

Mein Berufsethos war immer, ganz im Moment zu sein, ob das nun ein Broadwaystück, ein Animationsfilm oder ein Blockbuster ist, und bestmögliche Arbeit abzuliefern. Wenn Sie mich fragen, ob ich es schade finde, nur für „Star Wars“ in Erinnerung zu bleiben, kann ich nur sagen: Als ich in dem Job anfing, hatte ich nie erwartet, eines Tages für irgendwas in Erinnerung zu bleiben. Und dann doch lieber Luke Skywalker als Charles Manson oder Adolf Hitler. Ich wusste als junger Mann, dass ich einen Platz im Showbiz will. Und wenn ich als Schauspieler zu miserabel bin, werde ich eben Koch beim Catering. Ich muss nicht unbedingt vor der Kamera stehen. Im Grunde ist es wie Monopoly, es hängt viel vom Glück ab, ob die Würfel so fallen, dass man auf der Schlossallee landet und nicht im Knast.

Carrie Fisher ist vergangenen Dezember überraschend verstorben. Wenn sie heute hier wäre …

… würde sie wahrscheinlich gerade hinter meinem Rücken Grimassen machen oder mir den Stinkefinger zeigen. Sie hat aus jeder Situation einen Spaß gemacht. Wir waren Verbündete, wir vertrauten einander. Als sie uns das Geheimnis von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ verrieten, mussten wir allein in ein Studiobüro kommen, weil es sonst niemand wissen durfte. Und sie verkündeten: ‚In diesem Film werden Luke und Leia herausfinden, dass sie Bruder und Schwester sind.‘

Uns blieb der Mund offen stehen, weil wir es nicht glauben konnten. Carrie liebte es, die Prinzessin zu sein in einem Filmuniversum, in dem sie lange fast die einzige Frau war. Und sie war schließlich Hollywoodadel, ihre Mutter Debbie Reynolds war ein Filmstar, die ganze Familie war im Showbiz, halb Hollywood ging bei ihnen ein und aus. Mein Vater dagegen war bei der Navy, ich hatte sieben Geschwister. Ich kannte nicht nur keine Menschenseele in Hollywood, ich kannte noch nicht mal jemanden, der jemanden kannte.

Wie sind Sie mit Carrie Fishers Tod umgegangen?

Ich bin noch immer in der Phase der Verleugnung, ich will es nicht wahrhaben, dass sie nicht mehr da ist. Ich will es für einen großen Trick halten, mit dem sie uns alle an der Nase herumführt, während sie es sich auf einer griechischen Insel gutgehen lässt und uns auslacht. Sie ist unersetzbar. Sie ist wunderbar in den Szenen, die sie noch gedreht hat, aber mit dem Wissen um ihren Tod wird der Film eine Traurigkeit haben, die er nicht verdient. Die halbe Welt trauert, denn sie ist Teil der Popkultur geworden. Mir wird es schwerfallen, dass alles zu verarbeiten. Und ganz egoistisch gesagt: Auch diese ganze Pressetour und Premieren werden nicht mehr solchen Spaß machen. Neun Stunden im Flugzeug sind leichter zu ertragen, wenn Carrie ihre Sprüche macht, jedes Dinner wird durch sie viel amüsanter.

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