Syrien

Weißhelm-Gründer Le Mesurier fällt vom Balkon – war es Mord?

Unfall- oder Tatort? Türkische Polizisten ermitteln in Istanbul, wo der britische Gründer der syrischen Hilfsorganisation Weißhelme ums Leben gekommen ist.

Unfall- oder Tatort? Türkische Polizisten ermitteln in Istanbul, wo der britische Gründer der syrischen Hilfsorganisation Weißhelme ums Leben gekommen ist.

Foto: Emrah Gurel / dpa

Istanbul/Damaskus.  James Le Mesurier (43), Gründer der syrischen Weißhelme, ist in Istanbul vom Balkon in den Tod gestürzt. Ein Unfall? Es gibt Zweifel.

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Der Gründer der syrischen Rettungsorganisation Weißhelme ist tot. Der Brite James Le Mesurier kam in Istanbul ums Leben. Das bestätigte der Leiter der Organisation, Raid al-Salih, der Deutschen Presse-Agentur am Montag, ohne Details zur Todesursache zu nennen.

„James Le Mesurier ist am Montag in Istanbul gestorben und der Fall ist jetzt in den Händen der türkischen Polizei“, sagte Salih.

Presseberichte nähren jedoch Zweifel an einem natürlichen Tod des 43-Jährigen. Wie die „Bild“ berichtete, lag Le Mesuriers Leiche am Montagmorgen in Istanbul unterhalb seines Apartments. Offenbar sei er vom Balkon gestürzt.︎ Mehrere den „Weißhelmen“ nahe stehende Quellen zweifelten an einem Unfall.

James Le Mesurier ist tot: Vertreter der Weißhelme sprechen von Mord

Nach einem Bericht des britischen Rundfunks BBC erklärten Vertreter der „Weißhelme“, es sei „nicht möglich, vom Balkon seiner Wohnung zu fallen“. Sie sprachen indirekt von Mord, verdächtigten „einen staatlichen Akteur“, hinter Le Mesuriers Tod zu stecken.

In türkischen Medien hieß es, auch ein Selbstmord könnte nicht ausgeschlossen werden. Le Mesurier und seine Frau hätten Schlaftabletten genommen, bevor sie ins Bett gegangen seien. Deshalb habe seine Ehefrau von den nächtlichen Ereignissen nichts mitbekommen.

Kreml warnte vor Le Mesurier: Ein ehemaliger Agent des britischen MI6

Nur drei Tage vor seinem Tod hatte das russische Außenministerium Le Mesurier zum Terroristen erklärt. Eine Ministeriumssprecherin sagte in Moskau: „Der Mitbegründer der ‚Weißhelme‘, James Le Mesurier, ist ein ehemaliger Agent des britischen MI6, der auf der ganzen Welt gesichtet wurde, unter anderem auf dem Balkan und im Nahen Osten. Seine Verbindungen zu terroristischen Gruppen wurden schon während seiner Mission in Kosovo gemeldet.“

Tatsächlich war Le Mesurier Armee-Offizier, und vor 20 Jahren hatte er für einen britischen Nachrichtendienst gearbeitet – jedoch lediglich im Rahmen einer Friedensmission auf dem Balkan im Jahr 1999.

Weißhelme retteten in Syrien mehr als 115.000 Menschen

Die Weißhelme tragen offiziell den Namen „Syrischer Zivilschutz (SCD)“. James Le Mesurier gilt als treibende Kraft bei der Gründung der Organisation im Jahr 2013. Ihr Einsatz im syrischen Bürgerkrieg, vor allem im Osten der lange heftig umkämpften Stadt Aleppo, machte die Weißhelme weltweit bekannt.

In den vergangenen acht Jahren retteten sie nach US-Angaben mehr als 115.000 Menschen. Nach Bombenangriffen waren sie oft unter den ersten Helfern vor Ort – gut zu erkennen an den weißen Helmen. 2016 wurde die Organisation mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.

Die Arbeit der rund 3000 Freiwilligen wird mitunter durch Spenden aus dem Ausland möglich gemacht. Die Bundesregierung unterstützt die Weißhelme schon seit längerem, die US-Regierung hatte erst vor drei Wochen Hilfen in Höhe von 4,5 Millionen Dollar zugesagt. (dpa/fmg)

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