Welthunger-Index 2019

Welthunger-Index: 40 Millionen mehr unterernährte Menschen

Eine Frau in Malualkuel im Südsudan hält bei einer Essensausgabe ihre Tochter im Arm. Durch bewaffnete Konflikte und klimatische Veränderungen wird das Essen in vielen Teilen der Welt knapp - besonders Kinder leiden unter den Folgen.

Eine Frau in Malualkuel im Südsudan hält bei einer Essensausgabe ihre Tochter im Arm. Durch bewaffnete Konflikte und klimatische Veränderungen wird das Essen in vielen Teilen der Welt knapp - besonders Kinder leiden unter den Folgen.

Foto: Uncredited / dpa

Berlin.  An diesem Dienstag wird der Welthunger-Index 2019 vorgestellt. Er zeigt, dass der Kampf gegen den Hunger noch lange nicht gewonnen ist.

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Der Kampf gegen den weltweiten Hunger ist noch lange nicht gewonnen. Bewaffnete Konflikte und Kriege verschärfen die Krise in vielen Teilen der Welt genauso wie das sich immer weiter erwärmende Klima. Insgesamt hat sich die Lage im Vergleich zum Jahr 2000 jedoch deutlich verbessert.

Das ist das Ergebnis des Welthunger-Index (WHI) 2019, den die Welthungerhilfe gemeinsam mit der Hilfsorganisation Concern Worldwide an diesem Dienstag in Berlin vorstellt.

Trotz der stetigen Verbesserungen zeigt der Index jedoch auch, dass mittlerweile deutlich mehr Menschen an Unterernährung leiden. Waren es 2015 noch 785 Millionen weltweit, musste die Welthungerhilfe für 2018 bereits 822 Millionen verzeichnen. Das macht mit 37 Millionen eine Zunahme von knapp 5 Prozent.

Ursache für die Lebensmittelknappheit ist unter anderem der Klimawandel, der Ernten und so die Lebensgrundlagen hunderttausender Menschen zerstört.

Grünen-Politikerin Bause fordert stärkeren Kampf gegen Hungersnöte

Besonders im Puncto Klima müsse Europa endlich handeln, findet die menschenrechtspolitische Sprecherin der Grünen, Margarete Bause. Sie fordert Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) dazu auf, den Kampf gegen die anhaltenden Hungersnöte in den afrikanischen Ländern zu verstärken: „Das Auswärtige Amt steht in der Pflicht, seine Ankündigung umzusetzen, dass Deutschland sich mehr um diese ‚vergessenen Krisen‘ kümmern wird“, sagte Bause.

Außerdem beklagt die Sprecherin das Wegschauen in den westlichen Länder: „Mehrere in dem Bericht aufgeführte Staaten finden sich seit Jahren ganz oben auf der traurigen Liste jener Schauplätze, wo nahezu abseits der öffentlichen Wahrnehmung Millionen Menschen Hunger leiden: in der Zentralafrikanischen Republik, im Tschad oder in Madagaskar.“ In den afrikanischen Staaten gab es bereits im letzten Welthunger-Index 2018 die höchsten Hungerwerte.

Gleichzeitig forderte die Grünen-Politikerin stärkere Anstrengungen von der Bundesregierung, um Hungersnöte zu verhindern: Deutschland müsse entschiedener und schneller gegen die Klimakrise vorgehen. Zudem müssten Rüstungsexporte in Länder wie Saudi-Arabien dauerhaft gestoppt werden, die Kriege wie im Jemen anheizten und den Hungertod hunderttausender Menschen nach sich zögen.

Wie funktioniert der Welthunger-Index?

Der Welthunger-Index setzt sich aus vier Indikatoren zusammen, die die verschiedenen Dimensionen von Hunger abbilden sollen: Unterernährung, Auszehrung von Kindern, Wachstumsverzögerung bei Kindern und Kindersterblichkeit. Jedem dieser Indikatoren wird ein Wert von 0 bis 100 zugeordnet. Je höher der vergebene Wert, desto schlechter ist die Lage im jeweiligen Land.

Insgesamt gibt es fünf Kategorien von „niedrig“ (≤ 9,9,) und „mäßig“ (10,–19,9) „über ernst“, 20,–34,9) bis hin zu „sehr ernst“ (35,–49,9) und „gravierend“ (≥ 50,0).

Mit einem Wert von 53,6 ist die Zentralafrikanische Republik das am stärksten betroffene und gleichzeitig einzige Land, dass in die Kategorie „gravierend“ eingeordnet wird. Die Länder Jemen, Tschad, Madagaskar und Sambia sind mit Werten zwischen 38 und 46 in der Kategorie „sehr ernst“ und ebenfalls besonders stark betroffen.

Von 117 Ländern sind insgesamt 43 in der Kategorie „ernst“ eingeordnet. Die weltweite Hungersituation liegt mit einem Wert von 20 im Bereich „mäßig bis ernst“.

Wissenschaftler fordern Bundesregierung zum Handeln auf

Auch Wissenschaftler wie Felix Creutzig vom Mercator Research Institute on Global Commons und Climate Change, schlagen Alarm. „Wir sollten unsere europarechtlichen Verpflichtungen zum Klimaschutz ernst nehmen, und das Klimapaket erheblich verbessern, um auch die Nahrungsmittelversorgung zukünftiger Generationen zu sichern.“

Besonders das stetig zunehmende Konsumverhalten vieler westlicher Länder sieht er kritisch. „Eine Reduktion des Fleisch und Milchkonsums ist hier zentral, da dies sowohl die Landwirtschaft klimafreundlicher gestaltet, als auch proteinreiche pflanzliche Ernährung für alle ermöglicht, etwa basierend auf Soja“, sagt Creutzig. Die anhaltende Nachfrage nach tierischen Produkten bestätigt auch das Fisch-Informationszentrum (FIZ) in Hamburg. Besonders im Restaurant sind Fischspeisen sehr beliebt.

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