Klimakonferenz

Weltklimakonferenz: Die Welt blickt nach Bonn

Rund 10 000 Demonstranten protestierten am Samstag in Bonn für umfangreicheren Klimaschutz und gegen die Kohlekraft.

Foto: Alban Grosdidier

Rund 10 000 Demonstranten protestierten am Samstag in Bonn für umfangreicheren Klimaschutz und gegen die Kohlekraft. Foto: Alban Grosdidier

Essen.   Montag startet die Klimakonferenz. Aus 195 Nationen reisen Experten zu dem Mammut-Ereignis an. Auf Demonstration am Wochenende folgen weitere.

Dass die Weltklimakonferenz ab dem heutigen Montag in Bonn und damit in NRW stattfindet, hält Dirk Jansen nur für folgerichtig. „NRW fällt eine Schlüsselrolle beim Klimaschutz zu“, sagte der Experte der Umweltorganisation BUND im Vorfeld des Gipfeltreffens. NRW sei für rund ein Drittel des bundesweiten Ausstoßes des Klimaschadstoffs CO2 verantwortlich, hierzulande befindet sich eines der zwei großen deutschen Abbaugebiete von Braunkohle, deren Verstromung Umweltschützer als klimaschädlich kritisieren. „In NRW ist das Potenzial zum Einsparen von CO2 besonders groß“, sagt Jansen daher. „Wenn wir beim Erreichen der Klimaschutzziele scheitern, scheitert Deutschland.“

Mit dem BUND demonstrierten am Samstag und Sonntag Tausende Umweltschützer in Bonn und am rheinischen Tagebau Hambach für eine schärfere Klimapolitik. Damit gab das Wochenende einen Vorgeschmack auf das, was NRW an den nächsten zwölf Tagen erwartet: Die heute startende 23. Klimakonferenz ist das größte zwischenstaatliche Treffen, das je in Deutschland stattgefunden hat. 25 000 Experten reisen zur „COP 23“ (Conference of the Parties) nach Bonn, um zu beraten, wie das 2015 in Paris vereinbarte Abkommen mit dem Ziel, die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu halten, umgesetzt werden kann.

Vorbereitungen laufen seit Monaten

Seit Monaten laufen die Vorbereitungen zu dem Arbeitstreffen, dessen Ausrichtung einer logistischen Meisterleistung gleicht. Nur elf Monate hatte Bonn Zeit, um die Konferenz vorzubereiten. Denn den Vorsitz hat eigentlich Fidschi; weil der Inselstaat den Aufwand nicht stemmen könnte, musste Bonn als Sitz des UN-Klimasekretariats kurzfristig einspringen.

Ausreichend Platz war dazu im „World Conference Center Bonn“ indes nicht, weshalb in Hochzeiten bis zu 2000 Arbeiter aus 65 Gewerken an der Rheinaue eine regelrechte Zeltstadt errichtet haben: Einer Gesamtfläche von knapp acht Fußballfeldern entsprechen die provisorischen Bauten, in denen Verhandlungen stattfinden und 160 Ausstellungsflächen für Institutionen und Staaten geschaffen worden sind. 600 Leihräder, Elektrobusse, ein neuer Bahn-Haltepunkt und CO2-Zertifikate, um durch An- und Abreisen ausgestoßene Treibhausgase auszugleichen, sollen die Konferenz klimafreundlich halten.

Die Bonner Polizei steht derweil vor dem längsten Einsatz ihrer Geschichte. Rund 2000 Beamte sind in der Bundesstadt im Einsatz, unterstützt von Hundertschaften aus dem ganzen Land. Nach den Demonstrationen vom Wochenende liegt der nächste Fokus auf dem 11. November, wenn neben Protesten Martinsumzüge und der Start in die Karnevalssession anstehen.

Aus dem Bundeshaushalt stehen für die Organisation der Konferenz rund 117 Millionen Euro zur Verfügung. Bonn erhofft sich auch einen wirtschaftlichen Nutzen: Die Bonner Tourismus & Congress GmbH rechnet damit, dass die Konferenzbesucher bis zu 70 Millionen Euro in der Stadt ausgeben.

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