Flüchtlinge

Zahl vermisster minderjähriger Flüchtlinge in NRW gestiegen

650 minderjährige Flüchtlinge gelten in Nordrhein-Westfalen als vermisst. Das sind 38 mehr als im Vorjahr.

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650 minderjährige Flüchtlinge gelten in Nordrhein-Westfalen als vermisst. Das sind 38 mehr als im Vorjahr. Foto: dpa

Düsseldorf.   Die Zahl der vermissten minderjährigen Flüchtlinge in NRW ist gestiegen. Viele reisen zu Familien in andere Länder. Bundesweit nahm die Zahl ab.

Hunderte minderjährige Flüchtlinge gelten in NRW weiter als „vermisst“. Ihre Zahl stieg seit Februar 2016 von 612 auf aktuell 650 an, teilte das Landeskriminalamt (LKA) auf Nachfrage mit. Es handelt sich um 522 Jungen und 128 Mädchen. Bundesweit sank dagegen die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die aus dem Blick der Behörden verschwunden sind, laut Bundeskriminalamt (BKA) von rund 9000 auf etwa 8400. Darunter sind 922 Kinder unter 14 Jahren.

„Vermisst“ bedeutet nach LKA-Einschätzung in der Regel nicht, dass diese Kinder und Jugendlichen Opfer von Straftaten geworden sind. „Wir gehen davon aus, dass viele einfach zu ihren Familien in andere Länder weitergereist sind, ohne sich bei den Behörden abzumelden“, sagte ein LKA-Sprecher. Ermittelt werde nur, wenn es Hinweise auf eine Straftat gebe. Das BKA teilt diese Ansicht. Häufig komme es auch zu Verwechslungen, weil die Schreibweisen von Namen unklar seien.

Viele minderjährige Flüchtlinge reisen weiter zu Familienangehörigen

Das NRW-Familienministerium erklärte, dass viele der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge von NRW nach Skandinavien weitergereist seien, häufig zu Familienangehörigen. Birgit Naujoks vom Flüchtlingsrat NRW sagte, es sei nicht auszuschließen, dass einige junge Flüchtlinge in die Hände von Menschenhändlern geraten sind.

Dem Ministerium zufolge leben zurzeit 12.960 minderjährige Flüchtlinge in NRW, die von den Behörden in Obhut genommen wurden. Seit Ende 2015 werden diese Kinder und Jugendlichen nicht mehr automatisch in der Stadt angemeldet, in der sie sich zuerst registrieren lassen. Heute werden sie nach festen Regeln auf die Kommunen verteilt.

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