AfD-Hochburgen sind oft geprägt von Arbeitslosigkeit

An Rhein und Ruhr.   „Es geht nicht darum, dass die AfD an die Macht kommt. Das werden sie ohnehin nicht. Es geht darum, dass die anderen Parteien aufwachen und endlich verstehen, dass sie so nicht weiter machen können. FDP oder Linke zu wählen hätte diese Signalwirkung nicht“, sagt einer, der am Sonntag sein Kreuz bei der AfD gemacht hat. Der Mann ist Anfang 40, lebt in Gelsenkirchen, kommt aus der Mitte der Gesellschaft, bezieht ein durchschnittliches Einkommen, führt ein glückliches Leben. Er ist einer von 14 739 Gelsenkirchenern, die für die AfD votierten und der rechtspopulistischen Partei mit 14,6 Prozent ihr bestes Ergebnis im Land bescherte.

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„Es geht nicht darum, dass die AfD an die Macht kommt. Das werden sie ohnehin nicht. Es geht darum, dass die anderen Parteien aufwachen und endlich verstehen, dass sie so nicht weiter machen können. FDP oder Linke zu wählen hätte diese Signalwirkung nicht“, sagt einer, der am Sonntag sein Kreuz bei der AfD gemacht hat. Der Mann ist Anfang 40, lebt in Gelsenkirchen, kommt aus der Mitte der Gesellschaft, bezieht ein durchschnittliches Einkommen, führt ein glückliches Leben. Er ist einer von 14 739 Gelsenkirchenern, die für die AfD votierten und der rechtspopulistischen Partei mit 14,6 Prozent ihr bestes Ergebnis im Land bescherte.

In der Ruhrgebietsstadt stimmten nahezu doppelt so viele Wähler für die AfD wie im Landesschnitt. Gelsenkirchen ist für viele – vor allem für jene, die die Stadt kaum kennen – ein Synonym für Niedergang. Hohe Arbeitslosenquote, hohes Armutsrisiko, schwaches Pro-Kopf-Einkommen. Dennoch fuhr die SPD hier regelmäßig „Traumergebnisse“ ein. Und wenn die Gelsenkirchener den Sozialdemokraten mal einen Denkzettel verpassten, dann machten sie ihr Kreuz halt bei der CDU.

Dieses Mal war es anders. Zwar dürfen sich die Christdemokraten über 5,2 Prozentpunkte mehr freuen. Das gute Abschneiden der AfD müsse aber „allen zu denken geben“, mahnte der Bundestagsabgeordnete Oliver Wittke (CDU). Er kennt sich mit Protestwählern aus. Bescherten sie ihm 1999 doch das Oberbürgermeisteramt in Gelsenkirchen.

Doch diesmal reichte den Gelsenkirchener Wählern – zumindest 14,6 Prozent von ihnen – die CDU nicht. Die Merkel-Partei war für sie nicht die „richtige“ Alternative. Das konnte sie auch nicht sein. Ist die Bundeskanzlerin in ihren Augen doch die Hauptverantwortliche für die Probleme, die vielen AfD-Wählern auf den Nägeln brennen: innere Sicherheit, Flüchtlingspolitik, Überfremdungsängste. Kurz: Sich in der eigenen Stadt unsicher, fremd und nicht respektiert zu fühlen. Diese Sorgen sind im Ruhrgebiet offenbar stärker ausgeprägt, als im Rest des Landes.

Das starke Abschneiden der AfD im Ruhrgebiet geht nach Ansicht des Parteienforschers Niko Switek von der Uni Duisburg-Essen auch auf viele ehemalige SPD-Wähler zurück. „Wo die Wahlbeteiligung eher niedrig war, hat die AfD oft überdurchschnittlich gut abgeschnitten.“ In den beiden Essener Stadtteilen Karnap und Vogelheim lag die Partei sogar über 20 Prozent – der Norden der Stadt ist oft geprägt von prekären Sozialstrukturen.

„Das Ruhrgebiet ist von Arbeitslosigkeit und Armut stark betroffen. Da hat sich die AfD als Partei der kleinen Leute positionieren können“, erklärt Switek. Die Ergebnisse in Mülheim passen zu dieser Theorie: In Dümpten und Styrum holte die AfD zweistellige Ergebnisse. Anders sieht es allerdings in Duisburg aus: Die Menschen in Wehofen und Röttgersbach sind nicht von besonders hoher Arbeitslosigkeit betroffen – dennoch holte die AfD in den Stadtteilen um die 17 Prozent.

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