Silvester-Einsätze

Brände, Randale und Verletzte: So verlief die Silvesternacht in NRW aus Polizeisicht

Tausende Raketen erleuchten in der Silvesternacht 2018/19 den Himmel über der Mülheimer Innenstadt.

Tausende Raketen erleuchten in der Silvesternacht 2018/19 den Himmel über der Mülheimer Innenstadt.

Foto: Martin Möller

Essen.  In Essen wurden zwei Männer schwerst verletzt, als sie selbstgebaute Böller zündeten. Vereinzelt gab es aber auch Angriffe auf Einsatzkräfte.

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Die Menschen in NRW haben den Jahreswechsel weitestgehend friedlich gefeiert, vereinzelt wurden aber Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei angegriffen. Einer der Helfer wurde nach Polizeiangaben dabei verletzt.

NRW-Innenminister Herbert Reul hatte sich in Köln persönlich ein Bild von der Einsatzlage gemacht. Dort und in der Landeshauptstadt Düsseldorf blieb es nach Angaben der Polizei recht friedlich. Die Polizei war im ganzen Land mit rund 5500 Beamten im Einsatz. Meist seien es die üblichen Einsätze wegen Ruhestörungen, Randalierern und Schlägereien gewesen. Die Polizei zählte 256 Verletzte in NRW (Vorjahr 234). Nach bisherigem Stand gab es darunter auch acht Schwerverletzte unter anderem durch selbstgebaute Knallkörper.

Insgesamt wurde die Polizei zwischen 18 Uhr am Silvesterabend und 6 Uhr am Neujahrsmorgen zu rund 3500 Einsätzen gerufen. Im Jahr zuvor waren es noch rund 4300 Einsätze, heißt es in einer ersten Bilanz der NRW-Polizei. Insgesamt wurden bei den unterschiedlichsten Einsatzanlässen 38 Polizisten verletzt (Vorjahr 25). In acht Fällen gab es wie bereits im Vorjahr Angriffe auf Rettungsdienst und Feuerwehrkräfte. Dabei ist eine Person verletzt worden. Es hat 22 vorläufige Festnahmen nach Straftaten gegeben, 262 Personen sind in Gewahrsam genommen worden. Im Vorjahr waren es noch 31 Festnahmen und 290 Ingewahrsamnahmen. Platzverweise hat die NRW-Polizei landesweit 1257-mal ausgesprochen (Vorjahr 1489).

Selbstgebaute Böller verletzen zwei Männer in Essen lebensgefährlich

Im Bereich des Hambacher Forsts wurden in der Nacht rund zwei Dutzend Molotowcocktails in Richtung der Einsatzfahrzeuge der Polizei geworfen. Die Täter agierten dabei im Schutze der Dunkelheit aus dem Wald heraus. Menschen wurden nach derzeitigem Stand nicht verletzt.

In Essen wurden zwei 31 und 33 Jahre alte Männer lebensgefährlich verletzt als sie auf einem Schulhof an der Sölingstraße vermutlich selbstgebaute Böller zünden wollten. Dort fand die Polizei auch Koffer mit weiteren selbstgebauten Feuerwerkskörpern. Die Polizei sperrte den Hof ab und forderte Entschärfer des Landeskriminalamtes an, um das explosive Material unschädlich zu machen. Bis 4 Uhr am Neujahrsmorgen stellten die Polizei in Essen und Mülheim vier Handfeuerwaffen sicher. Bei allen handelt es sich um Schreckschusswaffen, die zu Silvester abgefeuert wurden oder abgefeuert werden sollten.

Kurz nach Mitternacht hatten mehrere Anrufer eine größere Schlägerei in Freisenbruch gemeldet. Mindestens 50 Personen sollten sich an der Spinozastraße eine wilde Prügelei liefern und Container sollten dort in Flammen stehen. Mit Eintreffen von Polizeikräften war ein Großteil der Gruppe nicht mehr aufzufinden. Die Polizisten schrieben eine Strafanzeige wegen gefährlicher Körperverletzung.

Festnahme: Mann schießt Silvester-Rakete auf Polizisten

In Dortmund sollen Feiernde Polizisten mit einer Silvester-Rakete beschossen und mit Flaschen beworfen haben. Das Ganze geschah im Bereich der Möllerbrücke im Kreuzviertel, einem gut-bürgerlichen Stadtteil Dortmunds. Als sie angegriffen wurden und um Hilfe riefen, löste das einen Großeinsatz aus: Wenige Minuten später bestimmen Polizisten mit Helmen in Vollschutz-Uniformen das Straßenbild an der Möllerbrücke.

Bei den Angriffen wurde kein Polizist verletzt, ein Streifenwagen allerdings beschädigt. Die Polizisten waren zu diesem Zeitpunkt wohl glücklicherweise nicht mehr im Fahrzeug. Erst nach einer knappen Stunde ist die Lage so weit beruhigt, dass die Polizei wieder abrücken kann. Der Mann, der die Rakete geschossen hatte, wurde in Gewahrsam genommen. Weitere Personen sollten Anzeigen erhalten. Die Verbotszonen für Pyrotechnik in der Dortmunder Innenstadt wurden laut Polizei größtenteils beachtet.

184 Einsätze standen am Neujahrsmorgen auf dem Papier, die die Einsatzkräfte der Feuerwehr Gelsenkirchen in den vergangenen 24 Stunden abgearbeitet hatten. Den Großteil der Einsätze macht der Rettungsdienst- und Krankentransportbereich mit 140 Einsätzen aus. Dazu kamen 44 Brandschutz- und Technische Hilfeleistungseinsätze.

Während im Verlauf des Silvestertages etliche kleinere Einsatzstellen, wie brennende Mülltonnen oder Ölspuren, die Einsatzkräfte auf Trab hielten, löste kurz vor Mitternacht die Brandmeldeanlage einer Wohneinrichtung für behinderte Menschen im Stadtteil Erle aus. Bereits kurz nachdem der automatische Alarm in der Feuerwehrleitstelle eingelaufen war, ging zudem ein telefonischer Notruf aus der Borgswiese ein. Der Anrufer bestätigte ein Feuer in einem Aufenthaltsraum. Dichter Rauch und Flammen schlugen den eintreffenden Einheiten im Erdgeschoss entgegen. Mit der Drehleiter wurde eine Person gerettet, die auf einen Balkon in der zweite Etage geflüchtet war. Drei Bewohner kamen mit einer Rauchvergiftung in Gelsenkirchener Krankenhäuser. Da das Haus zunächst nicht mehr nutzbar war, kamen die anderen Bewohner in Ersatzunterkünften unter.

In Wuppertal rettete die Feuerwehr mehrere Kinder über Leitern aus einem brennenden Mehrfamilienhaus. Andere Bewohner konnten das Haus selbst verlassen oder wurden über Balkone in Sicherheit gebracht, wie die Polizei und Feuerwehr in der Nacht auf Dienstag mitteilte. Flammen und Rauch hatten die Evakuierung des Gebäudes nötig gemacht und den Fluchtweg übers Treppenhaus versperrt.

Alle 31 Menschen, die sich zum Zeitpunkt des Feuers im Haus befanden, wurden laut Feuerwehr vor Ort vom Rettungsdienst untersucht. Eine Person kam nach Polizeiangaben mit einer leichten Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus. Ausgebrochen war der Brand aus noch ungeklärter Ursache in einer Wohnung im Erdgeschoss des Hauses. Diese brannte komplett aus. Das Gebäude war zunächst nicht bewohnbar.

Die Bochumer Feuerwehr spricht von einer relativ ruhigen Einsatzlage in der Nacht des Jahreswechsels. Insgesamt musste die Feuerwehr zwischen 7 Uhr am Silvestermorgen und 7 Uhr an Neujahr zu 186 Einsätzen ausrücken. Den Großteil machten die 142 Rettungsdiensteinsätze aus (im Vorjahr waren es 212), von denen alleine 62 nach dem Jahreswechsel anfielen. Außerdem rückten die Löschfahrzeuge der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehr zu 32 Bränden (im Vorjahr waren es 17) und 12 Technischen Hilfeleistungen aus.

Im Düsseldorfer Stadtteil Heerdt kam gegen kurz vor drei Uhr ein bisher noch unbekannter Mann unter eine anfahrende U-Bahn. Er wurde lebensgefährlich verletzt und musste notoperiert werden. Da er keine Ausweispapiere bei sich hat, konnte er noch nicht identifiziert werden.

Nichts besonders Aufsehenerregendes hat die Polizei Düsseldorf für die Silvesternacht in der Altstadt zu vermelden. Wegen des leichten Regens war die Altstadt zunächst nur schwach besucht. "Erst später setzte ein deutlicher Zulauf ein, insbesondere in Richtung Burgplatz", so die Polizei. Allerdings seien schon kurz nach dem Jahreswechsel auch wieder "erste Abwanderungstendenzen zu den U-Bahn-Haltestellen" erkennbar gewesen. Die vielen Polizisten hätten schwere Eskalationen und Ausschreitungen verhindert.

Jedoch gerieten in Garath zwei Gruppen aneinander. Polizisten mussten Pfefferspray einsetzen. Drei der Männer (22, 29 und 48 Jahre alt) kamen in Gewahrsam. Im gesamten Düsseldorfer Stadtgebiet gab es zwischen 20 und 6 Uhr 76 Einsätze (Vorjahr 330).

In Bottrop zählte die Feuerwehr zwischen 19 Uhr und 6 Uhr insgesamt 30 Rettungseinsätze und 7 Brand- und Hilfeleistungseinsätze. Auch hier berichtet der Rettungsdienst von größtenteils "silvestertypischen Einsätzen": "Neben hilflosen alkoholisierten Personen wurden mehrere Patienten behandelt, die sich beim Umgang mit Feuerwerkskörpern größtenteils leichte Verletzungen zugezogen hatten. Eine Person erlitt Gesichtsverletzungen durch einen Knallkörper", so die Bilanz der Feuerwehr.

Gegen Mitternacht kam es am Berliner Platz zu einem Verkehrsunfall. Hierbei wurde eine Person schwer und vier weitere leicht verletzt. Die Polizei hat die Ermittlungen zur Unfallursache aufgenommen. An der Lukas-Cranach-Straße war eine Rakete durch ein gekipptes Fenster geflogen und in der Wohnung explodiert. Zu einem Brand kam es glücklicherweise nicht.

Relativ ruhig verlief der Jahreswechsel in Mülheim: Insgesamt rückten die Einheiten zu 13 Brandeinsätzen und 9 technischen Hilfeleistungen aus. Bei den Brandeinsätzen handelte es sich hauptsächlich um Kleinbrände, größere Brände gab es zum Glück nicht. Der Rettungsdienst rückte 90-mal aus. "Erfreulicherweise kam es auch, wie zuvor im letzten Jahr, nicht zu Behinderungen der Einsatzkräfte durch Beschuss von Raketen oder Böllern. Vielmehr verhielten sich die meisten Feiernden korrekt beim Herannahen der Einsatzfahrzeuge", bedanken sich die Mülheimer Feuerwehrleute für den entgegengebrachten Respekt.

Im Kreis Wesel verlief die Silvesternacht etwas ruhiger als der letzte Jahreswechsel: Die Polizei zählte im Kreisgebiet 55 Einsätze (56 im Vorjahr). In sechs Fällen (8) handelte es sich um Körperverletzungsdelikte, sechs Sachbeschädigungen (9) wurden aufgenommen. Sexuelle Übergriffe wurden nicht bekannt.

In Dinslaken kam es auf der Straße Terhardthof durch eine abgefeuerte Rakete zu einem Zimmerbrand. Diese hatte sich in einen außenliegenden Rollokasten verirrt. Hierdurch entstand ein Sachschaden von mehreren tausend Euro. Verletzt wurde niemand. In Xanten kam es zu einer Widerstandshandlung gegenüber eingesetzten Polizeibeamten, diese blieben unverletzt.

In Witten hingegen beschäftigten gleich mehrere Brände die Feuerwehr nach dem Jahreswechsel, ein Mensch wurde verletzt. An der Menkenstraße im Ortsteil Heven musste ein Wohnhaus geräumt werden, nachdem ein Brand eines Wohnanhängers erst auf einen etwa 20 Meter hohen Baum und schließlich noch auf eine Laube übergegriffen hatte. Ein Bewohner erlitt eine leichte Rauchvergiftung, er und eine weitere Bewohnerin wurde vorsorglich in ein Wittener Krankenhaus gebracht.

Schon kurz zuvor war es in der Dorfstraße in einer Gartenlaube zu einem Brandausbruch gekommen, dieser konnte jedoch schnell gelöscht werden. Sechs weitere, wohl durch Böller in Brand geratene Altpapiercontainer, beschäftigten Feuerwehrkräfte noch bis etwa halb sechs am Neujahrsmorgen, heißt es in einer Bilanz der Wittener Feuerwehr.

Insgesamt 66 Einsätze fuhr die Polizei im Ennepe-Ruhr-Kreis. Herausragend hierbei war der Brand einer Hausfassade in der Hagener Straße in Ennepetal. Beim schnellen Ablöschen des Brandes wurden insgesamt 3 Personen durch das Einatmen von Rauchgasen leicht verletzt. Ebenfalls in Ennepetal wurde ein geparkter Pkw vermutlich durch herumfliegendes Feuerwerk fahrlässig entzündet. Weitere Einsatzanlässe waren neun Ruhestörungen, fünf Körperverletzungsdelikte sowie neun Sachbeschädigungen. Noch in der Nacht musste gegen fünf Personen Platzverweise ausgesprochen und zwei weitere Personen in das polizeiliche Gewahrsam genommen werden.

Ähnlich viel wie im Vorjahr hatte die Polizei im Hochsauerland-Kreis zu tun (86 statt 90 Einsätze wie im Vorjahr). Wie jedes Jahr kam es auch in der Silvesternacht 2018 wieder zu zahlreichen Einsätzen der Polizei. Die Beamten erteilten einen Platzverweis, drei Personen kamen zur Verhinderung weiterer Straf-/Ordnungswidrigkeiten vorübergehend ins Gewahrsam. In Winterberg gerieten zu fortgeschrittener Stunde niederländische Touristen und Bewohner aus dem Sauerland aneinander. Insgesamt waren zehn Personen an der Auseinandersetzung beteiligt. Es wurden fünf der Beteiligten leicht verletzt. Ein 18-Jähriger wurde in Gewahrsam genommen werden, da er die Amtshandlungen der Polizei störte und einem Platzverweis nicht nachkam.

In Arnsberg wurden bei einem Zimmerbrand vier Bewohner (zwei Erwachsene und zwei Kinder) mit Verdacht auf Rauchgasinhalationen in ein Krankenhaus gebracht. Die weiteren drei Bewohner der anderen Wohnungen konnten das Haus unverletzt verlassen. Das Mehrfamilienhaus ist derzeit nicht bewohnbar. (mawo/mit dpa)

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