Serie: Helden des Jahres

Brandgefährliche Einsätze in Serie

Hat das Lachen nicht verlernt: Oberbrandmeister Patrick Brachthäuser von der Freiwilligen Feuerwehr in Altena, die eine ganze Reihe von Waldbränden zu löschen hat.

Hat das Lachen nicht verlernt: Oberbrandmeister Patrick Brachthäuser von der Freiwilligen Feuerwehr in Altena, die eine ganze Reihe von Waldbränden zu löschen hat.

Foto: Lukas Schulze

Altena/Iserlohn.   Der Dürresommer verlangt den Feuerwehren viel ab. Patrick Brachthäuser aus Altena ist bei der schwierigen Bekämpfung von sechs Waldbränden dabei

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Sommer, Sonne, Hitze. Der Dreiklang bekommt in diesem Jahr mehr als nur einen Unterton: Dürre kommt hinzu. 2018 wird als Jahr, in dem monatelang kein Regen fallen will, in Erinnerung bleiben. Die Folge: Im Spätsommer wird die Waldbrandgefahr zum Pulverfass – das an etlichen Stellen im Sieger- und Sauerland explodiert. Besonders betroffen ist dabei die Feuerwehr in Altena: Sie hat innerhalb einer Woche zwei große Feuer zu bekämpfen, und bekommt es mit einer ganzen Serie von Waldbränden zu tun. Die dicke Uniform und die schweren Stiefel werden zur Sommermode 2018 für die Feuerwehrleute. Patrick Bracht­häuser von der Freiwilligen Feuerwehr in Altena ist einer von ihnen. Der 31-Jährige ist bei allen sechs Waldbränden ganz vorne im Einsatz.

Donnerstag, 26. Juli. Leichter Wind; die Anzeige auf dem Thermometer liegt deutlich jenseits der 30-Grad-Marke. Gegen 15.30 Uhr steigt plötzlich dichter Rauch aus einem steilen Hochwald am Wixberg in Altena, an der Stadtgrenze zu Iserlohn, auf. Selbst aus dem Tal sind durch das dichte Blätterdach Flammen zu sehen. Vollalarm für die Feuerwehr!

Extrem unwegsames Gelände

„Am Anfang ging es nur darum, das Feuer irgendwie einzudämmen“, beschreibt Patrick Brachthäuser den Einsatz im extrem unwegsamen Gelände: Von einem Rundweg oberhalb des Feuer will er mit seiner Einheit die Flammen aufhalten. Was kaum gelingt. „Der Wind facht das Feuer zusätzlich an. Die Flammen kommen schnell auf uns zu“, erzählt der Oberbrandmeister. So schnell, dass die Wehrleute mit Löschen aufhören müssen, um sich selbst und ihr Fahrzeug zu retten. Und sich neu aufstellen müssen. Eine Schlauchleitung müssen sie aufgeben. Ein Stück des neongelben Schlauchs hängt heute in der Altenaer Feuerwache, versengt und mit Brandlöchern übersät. Das Erinnerungsstück mahnt, wie gefährlich der Job der Brandbekämpfer schnell werden kann.

Schweißtreibend und kräftezehrend ist der Einsatz am Wixberg. Die Hitze des Sommers und des Feuers sind beinahe unerträglich. Alleine rund 1,5 Kilometer Schlauchleitung – 72 B-Schläuche – müssen verlegt werden, um die Einsatzstelle mit ausreichend Löschwasser zu versorgen. „Wie ein Muli im Abhang“ beschreibt Patrick Brachthäuser das Vorgehen, als sich die ersten Wehrleute, angeseilt, in den Steilhang hinab trauen, um das Unterholz und den Waldboden zu löschen.

Feuerwehrwagen stürzt ab

Dass das Terrain gefährlich ist, weiß Patrick Brachthäuser nur zu gut: Im Boden werden Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg vermutet. Und vor 49 Jahren, beim letzten großen Waldbrand am Wixberg, stürzte ein Feuerwehrwagen ab: Der Hemeraner Unterbrandmeister Klaus K. (27) kommt dabei ums Leben; fünf Feuerwehrmänner werden schwer verletzt. Eine Gedenktafel an der Absturzstelle erinnert bis heute an das Unglück.

Der Einsatz anno 2018 verläuft glimpflich. Nach 66 Stunden, am Sonntagvormittag, 29. Juli, ist das Feuer aus. 1000 Einsatzkräfte aus dem Sauer- und Siegerland sind bis dahin nach Altena geeilt, um beim Löschen und versorgen der Feuerwehrleute zu helfen.

Eine Woche zuvor hat die Altenaer Feuerwehr, mit Iserlohner Hilfe, den ersten großen Waldbrand gelöscht: 10.000 Quadratmeter Kyrill-Aufforstung stehen in Flammen. Bis 7. August folgen vier weitere Einsätze im Wald.

„Bestimmt wieder ein Waldbrand!“ Der Ausruf wird zum geflügelten Wort, wenn in der Burgstadt die Sirenen losheulen und die Feuerwehr unüberhörbar zum Einsatz ruft. „Ich habe schon nicht mehr auf die Anzeige in meinem Melder geschaut“, sagt Patrick Brachthäuser über die Wochen zwischen dem 17. Juli und 7. August. Rein ins Auto, ab zur Wache – und los in den Einsatz. Was sich nach Routine anhört, ist eine Herausforderung. Für Mensch und Maschine. Die drei größten Löscheinsätze wachsen sich zur Materialschlacht aus: Weil stets über hunderte Meter Schläuche, und das so schnell wie möglich, verlegt werden müssen, um Wasser zum Löschen in den Wald zu bekommen. Und alles muss schließlich auch wieder abgebaut werden.

Ein unvergessliches Jahr

„Die Motivation ist nicht untergegangen“, erzählt Patrick Bracht-häuser in der Rückschau – mit Überzeugung im Tonfall. Was bleibt? „Die Erinnerung! So ein Jahr vergisst Du nicht mehr“, sagt Patrick Brachthäuser, der wie so viele Feuerwehrfrauen und -männer im Sommer, in dem kein Regen fallen will, ein Held in Uniform ist.

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