Festnahmen

Transsexuelle und Frauen von Siegen aus zur Prostitution gezwungen

Großrazzia gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution

Gelsenkirchen, 18.04.2018: Menschenhandel und Zwangsprostitution: In deutschlandweiten Razzien gingen Mittwoch etwa 1500 Polizisten gegen eine Rotlichtbande vor. Im Mittelpunkt des Geschehens: Siegen.

Beschreibung anzeigen

Essen/Siegen.   In einer riesigen Aktion hat die Bundespolizei am Morgen dutzende Bordelle durchsucht. Der Kopf der Bande wurde in Siegen festgenommen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

  • Nach Angaben der Bundespolizei NRW ist am Mittwoch in den Morgenstunden bundesweit die "größte Zugriffs- und Durchsuchungsmaßnahme seit Bestehen der Bundespolizei" durchgeführt worden.
  • Es geht um gefälschte Visa, Menschenhandel, Zuhälterei und Zwangsprostitution.
  • In einem Bordell in Siegen wurde eine Frau, die als Kopf der Menschenhändler-Bande gilt, festgenommen.
  • Insgesamt wurden bundesweit mehr als 100 Personen vorläufig festgenommen.

Um 6 Uhr haben zeitgleich mehr als 1500 Bundespolizisten in zwölf Bundesländern zugeschlagen und mehr als 60 Wohnungen und Bordelle gestürmt. Schwerpunkt der Durchsuchungen ist Nordrhein-Westfalen, wo knapp 20 Objekte das Ziel der Ermittler waren. Unter anderem in Gelsenkirchen, Dortmund, Düsseldorf, Bonn und Siegen sind Beamte im Einsatz. Unterstützt wird die Bundespolizei dabei in Siegen auch von Spezialkräften der GSG 9, erklärte Achim Berkenkötter, Pressesprecher der Bundespolizei NRW, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Ermittlungen gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution

Bei der Razzia geht es um Menschenhandel, bestätigte Berkenkötter. 17 Hauptbeschuldigte mit deutscher und thailändischer Nationalität stünden bundesweit im Fokus. Gerichtet sind die Ermittlungen vor allem gegen eine Bande, die mehrere Hundert Frauen und Transsexuelle aus Thailand nach Deutschland geschleust hat und sie hier zur Prostitution gezwungen haben soll. Die Betroffenen hätten ihren "Schleuserlohn" in Höhe von 16.000 bis 36.000 Euro in verschiedenen Bordellen im ganzen Bundesgebiet "abarbeiten" müssen. Die Prostituierten wurden von Bordell zu Bordell gereicht, so ein Sprecher der Bundespolizeidirektion Koblenz, die den Einsatz leitet.

In NRW wurden in den Wohnungen nach Polizeiangaben rund 220.000 Euro Bargeld sichergestellt. Außerdem seien die Beamten auf eine "aufgebohrte Schreckschusspistole mit scharfer Munition" gestoßen.

Festnahme in einem Bordell in Siegen

Einen ersten Erfolg bestätigte der Sprecher auf Nachfrage unserer Redaktion am Mittwochmorgen ebenfalls. Hauptverdächtige sind nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft neben einer 59-Jährigen aus Thailand auch ihr 62 Jahre alter deutscher Lebensgefährte. Nach Angaben der Bundespolizei wohnt die Frau in Siegen, wo sie am Morgen auch festgenommen wurde. Das Paar soll gemeinsam mit weiteren Mittätern ein bundesweites Netzwerk aufgebaut haben. Allein in Siegen seien zwei Haftbefehle vollstreckt und acht Menschen vorläufig festgenommen worden. Bundesweit wurden insgesamt mehr als 100 Personen vorläufig festgenommen. Sieben Haftbefehle wurden vollstreckt.

Einheiten der GSG 9 in Siegen im Einsatz

Unser Reporter ist beim Großeinsatz in Siegen vor Ort und berichtet von den Durchsuchungen. Insgesamt sind nach Angaben eines Polizeisprechers sechs Objekte in Siegen durchsucht worden, darunter ein Bordell in der Eiserfelder Straße und zwei in der Friedrichstraße. Beamte der Bundespolizei und der GSG 9 sind hier im Einsatz. In der Eiserfelder Straße stehen am Morgen mehrere Polizeiwagen, zahlreiche Beamte durchsuchen das Gebäude. Eine Hundestaffel ist vor Ort. In Gelsenkirchen wurde ein Etablissement in der Horster Straße durchsucht - ein nach Aussagen von Anwohnern ein bisher eher unauffälliger Betrieb.

Es handele sich um äußerst umfangreiche Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, die bereits seit über einem Jahr laufen. Demnach habe die Bande bisher einen siebenstelligen Betrag eingenommen. "Gegenstand des Ermittlungskomplexes sind der Verdacht der banden- und gewerbsmäßigen Einschleusung von Ausländern, Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung, Ausbeutung von Prostituierten, Zuhälterei, Vorenthaltung und Veruntreuung von Arbeitsentgelt sowie Steuerhinterziehung", erklärt die Bundespolizei.

Gegen 54 Personen im Alter von 26 und 66 Jahren soll demnach ermittelt werden. Bei den Durchsuchungen haben die Ermittler außerdem 81 Menschen aufgegriffen, die sich illegal in Deutschland aufhalten sollen.

Horst Seehofer: Grenzenloser Profitgier von Schleusern ausgeliefert

Bundesinnenminister Horst Seehofer erklärte am Morgen: "Der Bundespolizei ist ein harter und in seinem Ausmaß beispielloser Schlag gegen ein bundesweit verzweigtes Netzwerk der Organisierten Kriminalität gelungen. Viele hunderte Frauen und Männer waren der menschenverachtenden grenzenlosen Profitgier von Schleusern über Jahre und Landesgrenzen hinweg ausgeliefert. Diesem skrupellosen Vorgehen und der sexuellen Ausbeutung in einem abscheulichen Ausmaß konnte heute ein Ende gesetzt werden."

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (18) Kommentar schreiben