Sammelunterkünfte

Corona in NRW: Land mietet Jugendherbergen für Flüchtlinge

Eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Essen-Fischlaken.

Eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Essen-Fischlaken.

Foto: Ulrich von Born / FUNKE Foto Services

An Rhein und Ruhr  Die Zahl der Corona-Infektionen in Sammelunterkünften steigt. Um die Flüchtlinge besser schützen zu können, baut das Land die Kapazitäten aus.

Um die Bewohner von Flüchtlingssammelunterkünften besser vor einer Infektion mit dem Corona-Virus zu schützen, will das Land die Unterbringungskapazitäten erhöhen und hat zu diesem Zweck Jugendherbergen angemietet. Die Zahl der Flüchtlinge, die sich in Sammelunterkünften mit dem Virus infiziert haben, ist weiter gestiegen. Aktuell stehen drei Einrichtungen unter Quarantäne.

In den Sammelunterkünften des Landes sind derzeit rund 11.000 Flüchtlinge untergebracht. Der Flüchtlingsrat NRW hatte schon früh davor gewarnt, dass in diesen Unterkünften mit ihren Mehrbett-Zimmern Abstandsregeln zum Schutz vor einer Ansteckung nicht einzuhalten seien. Laut Flüchtlingsministerium werden die Asylsuchenden in den Einrichtungen in verschiedenen Sprachen aufgeklärt, die Hygienemaßnahmen seien verbessert, externe Besuche verboten worden.

Bisher haben sich 113 Flüchtlinge in den Sammelunterkünften mit Corona infiziert

Zudem hat das Land die Zuweisungen in die Kommunen gestoppt. In NRW neu ankommende Flüchtlinge unterlaufen in der Landeserstaufnahmeeinrichtung in Bochum eine 14-tägige Karenzzeit, in der sie auf mögliche Corona-Symptome untersucht werden.

Bislang haben sich laut Ministerium 113 Geflüchtete in den Sammelunterkünften mit dem Corona-Virus infiziert. Schwere Krankheitsverläufe soll es bislang ebenso wenig wie Todesfälle gegeben haben. Drei Sammelunterkünfte in Bielefeld, Euskirchen und Bonn stehen unter Quarantäne.

Initiative berichtet von problematischen Zuständen in Köln

Trotz der ergriffenen Maßnahmen beschreibt eine Kölner Flüchtlingsinitiative in einem Brief an Landesflüchtlingsminister Joachim Stamp (FDP) und Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) problematische Zustände in der Sammelunterkunft in der Domstadt.

Dort teilten sich bis zu 50 Personen vier Toiletten und vier Duschen. „Die sanitären Anlagen sind unzumutbare Infektionsorte; sie werden zwar einmal täglich oberflächlich gereinigt, nicht aber Flächen und Griffe desinfiziert. Desinfektionsspender gibt es, aber sie sind leer“, heißt es in dem Schreiben. Masken gebe es nur für das Personal.

Grünen-Abgeordnete Aymaz kritisiert Landesregierung

Auch die Grünen-Landtagsabgeordnete Berivan Aymaz kritisiert die Landesregierung: „Es ist erschreckend, dass die besonders gefährdeten Menschen mit teilweise schweren Vorerkrankungen nicht schon längst aus den Massenunterkünften herausgeholt wurden.“ Sie wirbt für eine Verlegung der Menschen, die zu den Corona-Risikogruppen gezählt werden.

Das Land will diese zumindest gesondert unterbringen und Voraussetzungen dafür schaffen, dass infizierte Personen, Verdachtsfälle und gesunde Menschen separiert werden können. Dazu sollen die Kapazitäten in Einrichtungen erweitert und zwei bereits stillgelegte Einrichtungen in Weeze und in Wuppertal wieder aktiviert werden. Außerdem hat die Landesregierung zwei Jugendherbergen in Bielefeld und in Hellenthal in der Eifel für sechs Monate angemietet.

Bislang ist es trotz Corona weitgehend ruhig geblieben

Bislang ist es in den Sammelunterkünften laut Auskunft des Flüchtlingsministeriums trotz der Corona-Maßnahmen ruhig geblieben. In der Erstaufnahme-Einrichtung in Bielefeld hätten jedoch „Quarantäne-Verweigerer“ Polizeieinsätze und weitere Sicherungsmaßnahmen ausgelöst.

Für die Grünen-Politikerin Aymaz zeigt die Diskussion um die Situation in den Sammelunterkünften, „dass die Massenunterbringung, die die Landesregierung mit ihrem Asylplan eingeführt hat, an ihre Grenzen stößt – gerade in Pandemie-Zeiten.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben