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Corona: Wie Samir Koubaa aus Hilden in Marokko strandete

Im marokkanischen Rabat desinfizieren Arbeiter eine Straße.

Im marokkanischen Rabat desinfizieren Arbeiter eine Straße.

Foto: Mosa'ab Elshamy / dpa

Essen  In Marokko herrscht strikte Ausgangssperre. Hunderte Urlauber sitzen fest. Auch Samir Koubaa. Bei ihm kommt dazu: er hat keinen deutschen Pass

Samir Koubaa könnte es schlechter getroffen haben. Er könnte wie die Hunderten anderen Urlauber an der Grenze zur spanischen Enklave Ceuta festhängen, aber er verbringt diese Tage 220 Kilometer weiter östlich bei der Familie in Nador, einer Stadt an der marokkanischen Mittelmeerküste. Allerdings, und da unterscheidet sich Koubaa nicht von den Urlaubern in Ceuta, ist er unfreiwillig da. Er will nach Hause, nach Hilden, aber nichts geht mehr in Marokko wegen der Corona-Krise. Außerdem hat Koubaa keinen deutschen Pass, und das ist ein aktuell ein großes Problem..

Eigentlich, erzählt der 31-Jährige am Telefon, sollte es nur ein kurzer Aufenthalt werden. Im Dezember hatte er sein Wohnmobil nach Marokko gebracht, einen MB100 von 1989. Er ließ es in Nador lackieren, jetzt wollte er es abholen. „Ich bin am 7. März angekommen. Fünf, sechs Tage später, ging plötzlich alles ganz schnell, alles wurde dicht gemacht.“

Rückholaktion nur für deutsche Staatsbürger

Als das Leben in Marokko heruntergefahren wurde, begann das Auswärtige Amt mit einer Rückholaktion deutscher Urlauber. Tausende wurden ausgeflogen. Allerdings gab es keine Flüge von Nador aus, die Rückholaktion konzentrierte sich auf die touristischen Zentren wie Agadir, Casablanca und Marrakesch, Hunderte Kilometer entfernt von Nador. Koubaa ließ sich registrieren.

Ihm sei aber mitgeteilt worden, dass deutsche Staatsbürger Priorität hätten. Tatsächlich heißt es aus dem Auswärtigen Amt: „Das Rückholprogramm richtet sich an Deutsche und ihre Familienangehörigen.“ Koubaa ist in Deutschland geboren, er arbeitet in Hilden als Ergotherapeut, zahlt Steuern. „Ich habe mich immer um die gekümmert, die Hilfe brauchen. Jetzt benötige ich auch Hilfe und fühle mich irgendwie im Stich gelassen“, sagt er.

Zu viele Corona-Fälle: Bloß nicht in Casablanca hängenbleiben

Das Auswärtige Amt teilt zwar mit, dass man sich bemühe, auch für Inhaber eines Aufenthalts mit ständigem Wohnsitz in Deutschland Lösungen zu finden. Aber die Flüge aus den Touristenzentren wurden immer sehr kurzfristig bekannt gegeben, erzählt Koubaa. In Casablanca, der Stadt, die für ihn am schnellsten erreichbar gewesen wäre, gibt es etliche der landesweit über 220 Corona-Fälle. „Ich wollte da nicht festsitzen müssen, wenn ich nicht mitgenommen werde.“

So wie Koubaa geht es offenbar Hunderten anderer Menschen. „Ich bin in einer WhatsApp-Gruppe, in der wir Informationen austauschen. Da sind über 250 Leute drin.“ Seit dem 20. März geht gar nichts mehr. Seitdem gilt in Marokko eine Ausgangssperre, Reisen zwischen den Städten sind untersagt, der Flugverkehr ist eingestellt worden, die Grenzen sind dicht.

Reisemobilisten sollen sich Stellplätze suchen

Koubaa hätte mit der Fähre aus der nur wenige Kilometer nördlich von Nador gelegenen spanischen Enklave Melilla auf das spanische Festland übersetzen können. Aber auch der Fährverkehr ist eingestellt. Vor der zweiten spanischen Enklave Ceuta im Westen stauen sich deswegen gerade Hunderte Wohnmobile. Die deutsche Botschaft rät den gestrandeten Urlaubern, sich um eine „längerfristige Abstellmöglichkeit“ für ihre Fahrzeuge zu bemühen.

Die Ausgangssperre ist in Marokko strikt. Nur zwischen 8 und 18 Uhr darf man das Haus verlassen, und das auch nur dann, wenn man eine Art Passierschein hat. Bei Zuwiderhandlungen drohen saftige Bußgelder bis zu 300 Euro. Aber bei der Einhaltung scheint man es in Nador nicht ganz so eng zu sehen, zumal dort noch kein Mensch positiv auf Corona getestet wurde. „Ich kann schon vor dem Haus sitzen und mich mit Leuten unterhalten“, erzählt Koubaa.

Der Alltag fehlt dem jungen Mann aus Hilden

Trotzdem: „Ich wäre jetzt gerne in Deutschland, ich betreue psychisch kranke Menschen, und die brauchen gerade in der Corona-Krise Zuspruch“, sagt er. Sein Arbeitgeber, die Arbeiterwohlfahrt, hat ihn freigestellt. Er verbringt die Tage bei der Familie, spielt mit seinen kleinen Cousins und Cousinen. Aber sein Alltag fehlt ihm. Die Arbeit, das morgendliche Ritual, morgens eine NRZ für einen Senioren zu kaufen.

„Auf Dauer zehrt das hier ganz schön an den Nerven“, sagt Koubaa. Wie lange es noch dauert, bis er nach Haus kann, ist völlig ungewiss. Er hat sich vorsorglich nochmal für einen Rückflug registrieren lassen.

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