Sirenen-Probealarm

Darum heulten Donnerstag die Sirenen in vielen NRW-Städten

Sirene auf dem Dach des Schlauchturmes der Bottroper Feuerwehr: Am Donnerstag wird sie wieder zu hören sein.

Sirene auf dem Dach des Schlauchturmes der Bottroper Feuerwehr: Am Donnerstag wird sie wieder zu hören sein.

Ruhrgebiet.  Viele Städte überprüften beim NRW-Warntag ihre Sirenen-Warnsysteme für den Notfall – und sensibilisieren die Bürger für die Signale.

Viel Lärm um Wichtiges: Dem ersten Sirenenwarntag im Land folgte am 7. März der zweite: Am Donnerstag (7. März) wird es wieder laut in Nordrhein-Westfalen. Viele Städte und Gemeinden wollen ihre Sirenen-Warnsysteme für den Notfall erneut überprüfen – und ihre Bürger damit vertraut machen.

Ab 10 Uhr wird darum vielerorts der „Sirenen-Dreiklang“ zu hören sein: zunächst eine Minute lang ein ununterbrochener Dauerton (Entwarnung), danach eine Minute lang ein an - und abschwellender Dauerton (Warnung), dem erneut das nicht unterbrochene Entwarnungs-Heulen folgt. In einigen wenigen Städten werden zeitgleich entsprechende Meldungen über die bundesweite Warn-App Nina verschickt werden. Eigentlich ist dies nur für die Wanrtage im September vorgesehen. Viele Städte bitten ihre Bürger im Anschluss an den Probealarm um Rückmeldung.

Richtiges Verhalten im Ernstfall soll geübt werden

Ziel der Aktion ist nicht nur, die Funktionstüchtigkeit der kommunalen Warnkonzepte zu testen, sondern auch: die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren und sie über richtiges Verhalten im Ernstfall zu informieren (Radio/städtische Homepage im Internet). Wobei der „Ernstfall“ Hochwasser, ein Großbrand, ein schweres Unwetter, ein Schadstoffaustritt oder eine Bombenentschärfung sein können.

Sirenen galten als Auslaufmodell bis in die 1990er-Jahre, glücklicherweise überflüssig geworden nach dem Ende des Kalten Krieges. Die Jüngeren hätten mit den Heultönen gar nichts mehr anfangen können, die Älteren hätten sich womöglich nur mit Schrecken an das Jaulen der Sirenen erinnert, die sie einst vor Luftangriffen warnten und in den Schutzbunker hetzen ließen. Dachte man. „Heute weiß man, es war zuviel der Stille“, erklärt Rolf-Erich Rehm, Abteilungsleiter Bevölkerungsschutz bei der Stadt Schwelm im Ennepe-Ruhr-Kreis. Wenn es darum gehe, Bürger flächendeckend und verlässlich auf Unwetter, Überschwemmungen, Großbrände oder andere Risiken hinzuweisen, gebe es nichts Sichereres.

Land gibt 20 Millionen für Ausbau des Sirenennetzes

Das Land sieht das offenbar ähnlich. Es lässt sich den Wiederaufbau des Sirenenwarnnetzes 20 Millionen Euro kosten, für eine einzelne Sirene sind rund 10.000 Euro zu veranschlagen. Innenminister Herbert Reul (CDU) kündigte im vergangenen Jahr zudem einen regelmäßigen, offiziellen „Sirenenwarntag“ an, jeweils am ersten Donnerstag im September eines Jahres. An jedem ersten Donnerstag im März soll eine „abgespeckte“ Version erfolgen.

Am 6. September 2018 heulten die neuen Sirenen im Land zum ersten Mal: 4.328 Stück insgesamt. Aber auch warnende Lautsprecher-Durchsagen auf Fahrzeugen, die durch die Stadt kurvten, waren zu hören. Zeitgleich wurde zudem die „Notfall-Informations- und Nachrichten-App (Nina)“ des Bundes aktiviert. „Vielen, auch mir, war im Voraus nicht klar, welche Warnmittel es gibt, was die Warnsignale bedeuten und wie man sich verhalten soll.“ Das war damals ein erstes positives Fazit der Aktion, Innenminister Reul zog es.

„Nichts ist effektiver, um Menschen nachts zu wecken“

Dabei waren einige nordrhein-westfälische Städte im September noch gar nicht dabei: Die einen hatten technische Probleme, in anderen wie Essen blieb es still, weil ohne Sirenen eben kein Sirenenheulton möglich ist. Die alten Geräte seien wie in vielen Städten nach dem Krieg abgebaut und durch ein stilles Meldesystem für die Feuerwehrleute ersetzt worden, erläuterte Essens Feuerwehrsprecher Mike Filzen. Den Bürgern wollte man - falls nötig - Gefahrenwarnungen über die Notfall-App Nina direkt aufs Smartphone schicken.

Und doch hält auch Filzen Sirenen für ein „absolut probates Mittel, um möglichst viele Menschen zu erreichen“. Denn die seien nichts anderes als „ein großer Wecker“. Es gebe „nichts Effektiveres, um Menschen aus dem Schlaf zu reißen“. In der Tat: Auch wenn Radio, Fernsehen und Computer ausgestellt sind und das Handy nachts auf lautlos steht, vermag das Heulen der Sirenen nachts Betroffene zu wecken. Die Aufstellung neuer Sirenen, zunächst im nördlichen Teil der Stadt, später auch im Süden, ist vom Essener Rat deshalb längst beschlossene Sache. Leider erst angefangen, längst nicht komplett vollzogen, bedauert der Feuerwehrmann. Am Donnerstag ist die Stadt daher wieder nicht dabei.

So beteiligen sich die Städte und Kreise in NRW

So beteiligen sich die Städte und Kreise am NRW-Warntag (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Bochum

    Die Stadt machte beim Warntag im September mit, verzichtet aber Donnerstag darauf – weil an diesem Tag ausschließlich „ortsfeste Sirenenanlagen überprüft werden sollen“, so Feuerwehrsprecher Martin Weber. „Und die haben wir nicht“. Noch nicht. „Wir sind dabei, sie zu beschaffen.“ Am nächsten „richtigen Warntag“ im September 2019 werde man sich wieder mit den Warnfahrzeugen der Feuerwehr beteiligen.

  • Bottrop

    Es gibt 22 Sirenen in der Stadt. Anders als im September werden die Warntöne am Donnerstag nicht unmittelbar hintereinander zu hören sein; zwischen Entwarnung und Warnung sowie zwischen Warnung und Entwarnung sind je fünf Minuten Pause geplant. Die Bürger werden zudem dringend gebeten, nicht den Notruf zu wählen!

  • Dortmund

    Dortmund ist am Donnerstag wieder mit Eifer dabei – und mit allen drei städtischen Sirenen. Im September verfügte die Stadt erst über eine einzige. Die sei „erwartungsgemäß“ nicht überall zu hören gewesen, erklärte Andreas Pisarski, stellvertretender Pressesprecher der Feuerwehr Dortmunds. Habe aber gut funktioniert. Man arbeite am Aufbau des Warnsystems: Um die hundert Sirenen sollen irgendwann in der Stadt stehen, geplant ist ein Ausbau in vier Stufen; die ersten beiden davon hat der Rat bereits bewilligt.


  • Düsseldorf

    Im gesamten Stadtgebiet gibt es 78 Warnanlagen. Die Feuerwehr hat für Donnerstag ein Gefahrentelefon für die Bürger geschaltet, unter der Nummer 0211/388 9889 (9.45 bis 11 Uhr). Wer den Heulton am Vormittag gar nicht oder nur schlecht hört , wird gebeten, sich unter dieser Nummer zu melden. Das Hauptaugenmerk beim aktuellen Warntag liegt auf der „Schließung der Beschallungslücken“, die durch frühere Probealarme identifiziert wurden.

  • Duisburg

    Um 10.15 Uhr wird der Alarm ausgelöst. Die Stadt bittet um Rückmeldung der Bürger und hat dafür eine Online-Umfrage ins Internet gestellt. Bürger können sich zudem bis 16 Uhr bei „Call Duisburg“ unter der Nummer 0203/283-2000 melden.

  • Ennepe-Ruhr-Kreis:
  • Kreisweit gibt es 76 Sirenen. Punkt 10 Uhr wird der Alarm in der Kreisleitstelle in Schwelm ausgelöst. Zwischen den drei Heultönen gibt es jeweils fünf Minuten Pause. Eine Warnung über die Nina-App wird es dieses Mal nicht geben.Im September waren einige Probleme deutlich geworden: In Ennepetal etwa hatten nicht alle Sirenen ausgelöst; in Teilen Hattingens war der Heulton im vergangenen Jahr kaum zu hören. Witten bleibt ein zweites Mal still: Dort waren in den 1990er-Jahren alle Sirenen abgeschafft worden – mit Ausnahme dreier „stummer“ Heuler auf den Gerätehäusern der Freiwilligen Feuerwehr in Stockum, in Herbede und in Heven. Ein neues, modernes Sirenennetz ist jedoch in Planung. 35 Geräte sollen es schließlich werden, die einzelnen Standorte sind bereits identifiziert. Kosten (geschätzt): rund 400.000 Euro. Das Land fördert das Projekt mit 40.000 Euro. Die Installation soll noch in diesem Jahr beginnen.

  • Gelsenkirchen

    In der Stadt sollen nach Angaben einer Sprecherin wie im September 19 Sirenen heulen. Die Standorte der Sirenen finden sich in einer Übersichtskarte.

  • Hagen
  • Auch die Feuerwehr der Stadt Hagen beteiligt sich an dem landesweiten Probealarm von „circa zehn Uhr“ an. „Die Stadt Hagen hat im Vergleich zu anderen Kommunen den Vorteil, dass die Sirenen nie abgebaut wurden. Wir haben also durchgängig über ein dichtes Sirenennetz bis heute verfügen können“, sagt Michael Kaub, Pressesprecher der Stadt Hagen. Insgesamt 55 Sirenen sind im Stadtgebiet installiert. Alle Sirenensignale können auf der Internetseite der Feuerwehr unter dem Punkt Informationen angehört werden.

  • Hamm
  • Die Feuerwehr in Hamm beteiligt sich mit 38 Sirenen. Vom letzten Warntag im September bleibt in Erinnerung, dass es in der Innenstadt sehr laut war.

  • Heiligenhaus
  • Auch die Stadt Heiligenhaus beteiligt sich am Donnerstag am landesweiten Sirenen-Probealarm. Alle zwölf Sirenen sollen morgens zu hören sein, teilt die Feuerwehr mit. Los geht der Probealarm um 10 Uhr mit dem einminütigen Dauerton, bevor es mit einem Heulton weitergeht. Einerseits wird überprüft, ob alle Sirenen funktionieren. In den nächsten Jahren ersetzt die Stadt sieben von ihnen durch moderne Hochleistungssirenen, die besser zu hören sind. Dadurch soll ein Alarm in der gesamten Stadt zu hören sein. Mehr dazu unter ,Kreis Mettmann’.

  • Herne
  • In der Stadt Herne sollen 25 Anlagen erst noch aufgebaut werden. Das entsprechende Konzept ist im Herbst 2018 fertig geworden, danach werden die Sirenen das ganze Stadtgebiet erreichen bis auf einen „kleinen Fleck“ in Börnig/Holthausen. Eine Sirene steht auf dem Cranger Kirmesplatz, die nächsten sollen im „Hochwassergefahrengebiet“ entstehen: am Kanal.

  • Hochsauerlandkreis
  • Im Hochsauerlandkreis heulen am 7. März 138 Sirenen. Beim landesweiten Probealarm löst um 10 Uhr die Kreisleitstelle in Meschede-Enste den Alarm aus. In Meschede, Brilon, Olsberg, Winterberg, Bestwig und Eslohe sind bereits alle Sirenen umgerüstet. Im Kreis Brilon steht die Umrüstung noch in Marsberg, Medebach und Hallenberg an. Der nächste Warntag wird am Donnerstag, dem 5. September, stattfinden. An dem Tag werden dann auch alle anderen Warnmittel wie die Warn-App erprobt.

  • Kreis Borken
  • In allen Städten und Gemeinden des Kreises Borken, die über die notwendigen Sirenen verfügen, wird um 10 Uhr Alarm gegeben. Er besteht auch hier aus der Kombination der Töne „Entwarnung – Warnung – Entwarnung“, das heißt, eine Minute Dauerton, gefolgt von einer Minute auf- und abschwellendem Heulton und abschließend gefolgt wieder von einer Minute Dauerton.

  • Kreis Kleve
  • Die Leitstelle will den Alarm pünktlich um 10 Uhr auslösen. Und auch Warnungen über „Nina“ verschicken. Die Bürger allerdings dürften wenig überrascht sein: Kreisweit gibt es an jedem ersten Samstag im Monat um zwölf Uhr einen Probealarm.

  • Kreis Mettmann
  • Es beteiligen sich aufgrund vorhandener Technik die Städte Haan, Heiligenhaus, Langenfeld, Mettmann, Monheim und Velbert an dem Probelauf. Im Kreis existiert kein flächendeckendes Sirenennetz; zudem können mit einigen der noch aus den 1960er-Jahren stammenden Anlagen die Signale zur Warnung und Information nicht ausgelöst werden. Aktuell wird zusammen mit den Städten die Modernisierung des Sirenennetzes vorbereitet.

  • Kreis Olpe
  • Auch im Kreis Olpe heulen am Donnerstag, 7. März, die Sirenen. Die Kreisleitstelle in Olpe wird für alle 90 Geräte in den sieben kreisangehörigen Städten und Gemeinden um 10 Uhr das Signal „Alarmierung der Feuerwehr“ auslösen. Aufgrund technischer Gegebenheiten kann es zu einer Zeitverzögerung von bis zu drei Minuten kommen.

  • Kreis Recklinghausen

    Neun von zehn Städten im Kreis Recklinghausen sind erneut dabei – alle, die über Sirenen verfügen. Nur Recklinghausen selbst ist wieder außen vor, dort befinde sich das Sirenen-Warnsystem noch im Aufbau, erklärte eine Sprecherin. Bürger, die den Heulton am Donnerstag nicht oder schlecht hören, dürfen sich gern bei der Kreisverwaltung (02361/53-0) melden. Eine Extra-Hotline ist für den Sirenenwarntag nicht geschaltet. Aktuell verfügt der Kreis Recklinghausen über 76 Sirenen. Die Standorte finden sich in einer Übersichtskarte.

  • Kreis Siegen-Wittgenstein
  • „Richtig laut“ werde es im Kreis Siegen-Wittgenstein, kündigt die Kreisverwaltung an. Und weist zugleich darauf hin, dass einzelne Kommunen auch auf den Einsatz mobiler Sirenen setzen, die im Fall des Falles in den Bereich transportiert werden, in dem die Menschen gewarnt werden müssen. Es könne also sein, dass die Bürger in den jeweiligen Kommunen beim Probealarm nur in einzelnen Bereichen die Signale hören.

  • Kreis Soest
  • Um 10 Uhr sendet die Feuerwehr-Leitstelle im Kreis Soest das Signal „landesweiter Probealarm“. Es spricht all die Sirenen an, deren Empfängereinheiten bereits auf das neue Signal umgestellt wurden. Ungefähr 163 Sirenen gibt es in den Kommunen des Kreises. 132 wurden bereits neu programmiert, so die Kreisverwaltung. Lediglich in Möhnesee und Wickede/Ruhr erfolgte die Neuprogrammierung noch nicht. Auch in der Soester Kernstadt bleibt es ruhig. „Warnfähig sind die Sirenen auf den Dächern aber trotzdem, auch wenn sie das neue Probealarmsignal nicht verarbeiten können und aufgrund dessen heute stumm bleiben“, versichert Dennis Pingel von der Stabsstelle Feuer- und Katastrophenschutz. In Lippstadt werden auch keine Sirenen zu hören sein, da dort ein neues Sirenennetz entstehen soll.

  • Kreis Unna
  • Rund 140 Sirenen werden im Kreis Unna zum Probealarm heulen. Sie erreichen alle Städte bis auf Lünen. Je nach Ausbau des Netzes werden aber nicht überall im Kreisgebiet die Sirenen zu hören sein.

  • Kreis Wesel
  • Im Kreis Wesel mit der Stadt Moers sollen 165 Sirenen ertönen. Unter der Telefonnummer 0800 120 4000 können von 10 bis 13 Uhr Fragen gestellt und Anregungen gegeben werden. Dort werden auch Hinweise angenommen, ob Sirenen an manchen Stellen nicht zu hören sind.

  • Märkischer Kreis

    „Beinahe flächendeckende Alarmierung“ verspricht die Kreisleitstelle in Lüdenscheid – bei 140 Sirenen im Kreisgebiet. Lediglich in Lüdenscheid selbst gebe es noch „Nachholbedarf“. Der Alarm am Donnerstag soll um 10 Uhr ausgelöst werden.

  • Mülheim

    Die Stadt lässt sich ihr neues Sirenenwarnsystem 800.000 Euro kosten, 730.000 Euro davon kommen aus dem städtischen Haushalt, das Land spendiert die restlichen 70.000 Euro. „Selbst an den Grenzen der Beschallungsellipsen“ soll der Heulton noch mit einer Lautstärke von 60 Dezibel zu hören sein, verspricht Feuerwehrsprecher Thorsten Drewes. Der Aufbau des Systems verlaufe derzeit nach Plan. Ziel ist die flächendeckende Sirenenalarmierung bis Ende 2019. Am Donnerstag klinken sich die Mülheimer aber noch einmal aus. „Der eigentliche Warntag“, so Drewes, sei ja auch der im September.

  • Oberhausen
  • Die Stadt Oberhausen möchte den Tag nutzen, um die Bevölkerung zum Stand des Sirenenaufbaus in Oberhausen zu informieren. Mit Hochdruck werde daran gearbeitet, 45 Sirenen zu errichten, heißt es. Stadt und Feuerwehr haben sich das Ziel gesetzt, zum Warntag im September 2019 erstmalig das Warnsystem zu testen. Derzeit sind sieben Sirenen installiert.

Leserkommentare (11) Kommentar schreiben