Radioaktivität

Erneut Sicherheitsbedenken um belgischen Atommeiler Tihange

Machte immer wieder durch Pannen son sich reden: Das Kernkraftwerk Tihange in Huy (Belgien) liegt nicht weit von der deutschen Grenze.,

Machte immer wieder durch Pannen son sich reden: Das Kernkraftwerk Tihange in Huy (Belgien) liegt nicht weit von der deutschen Grenze.,

Foto: imago/Jochen Tack

Städteregion Aachen.   Betreiber Electrabel wehrt sich gegen die Vorwürfe eines internationalen Experten-Netzwerkes.

In Nordrhein-Westfalen wächst die Sorge um den Zustand der umstrittenen belgischen Atomkraftwerke in Tihange und Doel. Das internationale Experten-Netzwerk Inrag fordert nun die einstwillige Stilllegung des Meilers Tihange 2. Die Städteregion im Dreiländereck kämpft gegen den Betrieb des grenznahen belgischen Meilers, seitdem dort und im Reaktor Doel 3 bei Antwerpen im Jahr 2014 Tausende Risse im Reaktordruckbehälter entdeckt worden waren. „Das Teil hätte nie eingebaut werden dürfen“, sagte Professor Wolfgang Renneberg, früher Leiter der Abteilung für Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium und Vorsitzender der Gruppe gestern bei einer Fachtagung in Aachen.

Nach Ansicht der Wissenschaftler ist die Herkunft der Risse nicht eindeutig geklärt. Die belgische Atomaufsicht und der Kraftwerks-Betreiber Electrabel geben an, dass die Risse bereits bei der Produktion der Behälter entstanden sind und keinen Einfluss auf die Sicherheit hätten. Laut Inrag hätte der Reaktor niemals ans Netz gehen dürfen, wenn die Risse bekannt gewesen wären.

Thesenpapier veröffentlicht

„Solange der Sicherheitsnachweis für den Reaktordruckbehälter nicht erbracht ist, darf der Reaktor nicht betrieben werden“, hieß es in einem Thesenpapier der Experten-Gruppe, das gestern veröffentlich wurde „Ein Reaktorbehälter darf nicht kaputtgehen. Wenn er kaputtgeht, gibt es keine Sicherheitssysteme, die das auffangen“, sagte Renneberg.

Electrabel verwies auf NRZ-Anfrage darauf, dass umfangreiche wissenschaftliche Analysen von unabhängigen Experten die Sicherheit der Reaktoren bestätigen würden.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte mehrfach versucht, die belgische Regierung davon zu überzeugen, die umstrittenen Meiler vorzeitig abzuschalten. Belgien hält aber am Atom-Ausstieg im Jahr 2025 fest, Tihange und Doel sollen 2022 und 2023 vom Netz gehen. Aachens Städteregionsrat Helmut Etschenberg (CDU) sah in dem Aufruf der Wissenschaftler ein positives Signal. „Die Abschaltung ist eine eigenständige Entscheidung der belgischen Politik, aber wir werden weiterhin Druck machen.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben