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Experten-Tipp: Langsamer laufen macht besonders glücklich

Andreas Butz gehört zu den gefragtesten Laufexperten in Deutschland.   

Andreas Butz gehört zu den gefragtesten Laufexperten in Deutschland.   

An Rhein und Ruhr.   Andreas Butz gehört zu den gefragtesten Laufexperten in Deutschland. Im NRZ-Interview spricht er über Gefühle und Eichhörnchen am Wegesrand.

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Nicht nur als Heimatläufer können Sie viel Freude erfahren, wenn Sie sich draußen sportlich auf den Weg machen. Woran das liegt, haben wir den Lauf-Experten Andreas Butz im Interview gefragt.


NRZ: Was am Laufen macht eigentlich glücklich?
Erst einmal angefangen zu haben, macht glücklich. Vier Wochen das Training als Laufanfänger durchgehalten zu haben, macht glücklich. Die ersten 60 Minuten, die ersten 10 Kilometer, der erste Halbmarathon. Laufen bietet viele Chancen, stolz zu sein und damit glücklich über das Geleistete. Mich selbst macht jedes Eichhörnchen am Wegesrand glücklich, jeder Sommerregen oder meine Spuren im Schnee. Serotonin, das Hormon der Gelassenheit, soll dafür verantwortlich sein. Auch klasse: die Dusche danach. Macht selbst nach einem ungemütlichen Winterregen glücklich.

Muss man mit maximaler Geschwindigkeit laufen, um maximal glücklich zu sein? Es gibt Glückshormone. Das sind die Endorphine – also endorgenes Morphium – das sich im Körper breitmacht und uns ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Das erleben Läufer meist, wenn sie lange und langsam unterwegs sind, wenn sich ein Flow einstellt und man das Gefühl hat, immer weiter laufen zu können. Die meisten brauchen dafür aber eine Kondition von mindestens 90 Minuten. Also nicht schneller laufen sollte die Devise sein, lieber langsamer und dafür länger.


Ist das Glücksgefühl davon abhängig, ob man alleine, in der Gruppe oder bei einem Volkslauf läuft?
Mit Freunden ein Stündchen gemeinsam zu laufen und dabei pausenlos zu plaudern, macht in der Tat glücklich. Schwuppdiwupp ist die Stunde vorbei. Am Morgen vor der Arbeit joggend den Tag zu begrüßen, macht ebenfalls glücklich. Das Gefühl schon aktiv zu sein, während sich die anderen nochmal im Bett rumdrehen, das gibt ein gutes Gefühl. Die Finisher-Medaille nach dem Volkslauf macht ebenfalls glücklich, ist sie doch eine feine Anerkennung für das soeben Geleistete. Laufen bietet so viele Chancen, Glück zu empfinden. Man muss sich nur darauf einlassen.


Gilt das alles auch fürs Walking?
Ich bin mir sicher, dass auch Walker und Nordic Walker Glück empfinden können. Hauptsache draußen. Indoor-Sportler erleben Glücksgefühle viel seltener als Outdoor-Sportler. Das hängt auch damit zusammen, dass Draußensportler die zehnfache Menge Sauerstoff tanken als Stubenhocker oder Fitnessstudiogänger. Eine Voraussetzung scheint mir aber zu sein, dass man etwas regelmäßig macht und dabei eine Fitness erlangt, die das selbst auferlegte Trainingspensum souverän schaffen lässt. Für sehr schwergewichtige Menschen kann regelmäßiges Walking auch eine Quelle des Glücks sein, weil dies ein perfekter und gelenkschonender Einstieg in den Ausdauersport ist und man sich auch als Walker als echter Sportler fühlen darf.

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