Wohltätigkeit

Kinder-Reiten: Eltern nutzen Gutmütigkeit von Pferdehaltern aus

Nadine Bergmann hat ihrer Stute Marley für die Aktion sogar ein Einhorn gebastelt. In der Facebookgruppe "Schenke Kindern Zeit mit Pferden (Kreis Recklinghausen)" meldeten sich 60 Interessenten und verbringen Zeit am Stall, wo sie die Arbeit mit dem Pferd kennenlernen.

Foto: Privat

Nadine Bergmann hat ihrer Stute Marley für die Aktion sogar ein Einhorn gebastelt. In der Facebookgruppe "Schenke Kindern Zeit mit Pferden (Kreis Recklinghausen)" meldeten sich 60 Interessenten und verbringen Zeit am Stall, wo sie die Arbeit mit dem Pferd kennenlernen. Foto: Privat

Haltern.  Bei der Aktion "Schenke Kindern Zeit mit Pferden" stellen Besitzer ihre Tiere zur Verfügung. Aber manche Eltern nutzen diese Nettigkeit aus.

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In Ruhe auf dem Sattel sitzen und auf dem Pferd durch den Wald oder Richtung Sonnenuntergang reiten. Für Pferdebesitzer kein Problem. Und auch nicht für jene, die ein Pflegepferd haben. Aber in den Genuss kommen nicht alle Menschen, die Pferde mögen, so dass die deutschlandweite Aktion „Schenke Kindern Zeit mit Pferden“ gestartet wurde. Die Idee: Pferdebesitzer bieten fremden Kindern an, Zeit mit ihren Tieren zu verbringen. Auf Facebook erfreut sich die Aktion großer Beliebtheit. In der größten Gruppe vernetzen sich mehr als 5000 Menschen, um ihre Dienste anzubieten oder nach diesen zu fragen.

Auch in regionalen Gruppen findet die Idee Anklang. Anja Lemmnitzer verwaltet die Online-Gruppe für den Kreis Recklinghausen. Hier gibt es immerhin 209 Mitglieder. Sie gründete sie im letzten Jahr und beteiligte sich erstmals an der Aktion, denn sie weiß, dass nicht jeder die Möglichkeit hat, ein Pferd zu reiten. „Reitsport ist ein teures Hobby. Es gibt Kosten für das Pferd, die Ausrüstung, die Reitstunden und mehr. Das kann sich nicht jeder leisten“, weiß Lemmnitzer.

Doppelte Buchungen statt Chancengleichheit

Jetzt sollte also jeder die Möglichkeit haben, ein Pferd reiten zu können. Aber die Nettigkeit der Halter wurde ausgenutzt und die Pferdehalter mussten die ersten Fehler im System erkennen. Als die 23-jährige Anja Lemmnitzer von der tollen Zeit mit einer Besucherin auf Facebook berichtete, meldete sich ein Gruppenmitglied und erklärte, dass das Mädchen auch bald bei ihr zu Gast sei. Ein Problem, weil es zahlreiche Anfragen bei den Anbietern gab und nicht jedes Kind eingeladen werden konnte. „Jedes Kind sollte die gleiche Chance haben und nicht jemandem einen Platz wegnehmen“, sagt Nadine Bergmann, die ihre Stute Marley für die Aktion zur Verfügung stellt.

Die betroffene Dame wurde zur Rede gestellt und entschuldigte sich daraufhin für ihr Fehlverhalten. Weitere Termine bei anderen Anbietern sagte sie daraufhin ab, wie Lemmnitzer erklärt. Im Rahmen der Aktion kam es aber noch zu einem weiteren Problem: „Eltern vereinbaren gerne Termine und erscheinen dann einfach nicht.“

Überarbeitungen im Gespräch

Das ist ärgerlich, weil die Besitzer für die Termine teilweise extra zum Stall fahren würden. Jetzt wird überlegt, das System zu überarbeiten, falls Weihnachten 2018 eine Neuauflage der Aktion starten sollte. Eine Liste für alle Anbieter soll dann zeigen, welche Kinder jeweils einen Platz haben, um so Doppelbuchungen zu vermeiden. Wer seine Termine ohne Bescheid zu geben nicht einhält, kommt dann auf eine rote Liste.

Abgesehen von diesen beiden Problempunkten läuft die Aktion in Haltern so wie sie soll. „Die Aktion ist toll. Ich habe 60 Anfragen bekommen und war total überrascht von der Menge. Bisher habe ich aber keine schlechten Erfahrungen gemacht. Es ist schön, den Kindern das ermöglichen zu können“, sagt Nadine Bergmann. Auch Anja Lemmnitzer ist begeistert und erfreut sich an den strahlenden Augen der kleinen Besucher.

Kindern lernen den Stallalltag kennen

Die Kinder dürfen beispielsweise Bergmanns Stute Marley im Stallalltag begleiten, angefangen beim Möhren füttern, Streicheln, Putzen, einem Spaziergang und dem Kennenlernen der Ausrüstung. Ähnlich läuft es auch bei Anja Lemmnitzer und ihren beiden Pferden Jonas und Flips. Die Kinder verbringen dabei ihre Freizeit ohne Zeitlimit mit dem Tier. Das kann dann auch einen halben Tag in Anspruch nehmen.

Was als Weihnachtsaktion begann, könnte auch gerne ausgebaut werden, wenn es nach Bergmann geht. „Ich habe bei mir keine Halle und im Sommer ist das nochmal eine andere Erfahrung, als bei Matsch und Regen.“ Sie würde sich mit Marley auch im Sommer beteiligen, wenn die Aktion neu aufgelegt werden sollte.

Anja Lemmnitzer ist dahingehend noch unsicher, da das Angebot als ein Weihnachtsgeschenk gedacht war für Familien, die nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügen. „Ich bin ja auch nicht immer am Stall und bei der entsprechenden Nachfrage müsste ich das aber sein“, sagt die Chemikantin. Reiten ist eben nicht nur ein kostspieliges Hobby, sondern setzt auch ein gewisses Maß an Freizeit voraus.

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